Schweizer Cup
Der FC Basel hat im Schweizer-Cup ein Erfolgserlebnis mit Abstrichen

Ohne die ganz grosse Überzeugung gewinnt der FC Basel gegen Rorschach-Goldach mit 3:0 und zieht in den Cup-Achtelfinal ein.

Céline Feller
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Die ersten Zuschauer stehen bereits am Zaun und wollen Blicke aufs Spielfeld erhaschen.
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An den Kopf fassen muss sich Liam Millar nach seinem Debüttor eigentlich nicht.
Der FCB und Matias Palacios kommen in der ersten Halbzeit gegen den FC Rorschach-Goldach nur zu einer 1:0 Führung.
Tomas Tavares ist auf seiner Seite sehr wirblig aber manchmal auch zu verspielt.
Das Wetter ist nicht gut in Rorschach, die Fans sind aber trotzdem erschienen.
Der 18-jährige Rico Dürlewanger muss im Tor für seine eigentliche Nummer eins ran.
500 Basler Fans haben die Reise auf sich genommen und sehen wie Adrian Durrer einmal mehr spielen darf.
Aufgrund der Abwesenheit von Valentin Stocker trägt Taulant Xhaka die Kapitänsbinde.

Die ersten Zuschauer stehen bereits am Zaun und wollen Blicke aufs Spielfeld erhaschen.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Im Hintergrund dröhnt Andreas Bouranis «Ein Hoch auf uns» aus den Boxen. Eray Cömert sinniert im Fernseh-Interview spasseshalber darüber, dass es mit dem Geruch von Bratwürsten in der Nase gar nicht so einfach sei zu spielen, und Patrick Rahmen posiert noch für das eine oder andere Selfie.

Es sind Szenen eines Volksfests, das trotz strömenden Regens und kalter Temperaturen zelebriert wird. Zwar verliert der Underdog FC Rorschach-Goldach 17 aus der 2.Liga interregional am Ende mit 0:3 gegen den FC Basel, aber die Stimmung ist dennoch gut. Zumindest bei fast allen. Denn Patrick Rahmen, der ist trotz des Sieges nicht ganz glücklich.

«Wir müssen einen höheren Anspruch haben. Das heisst nicht, dass ich das alles verkehrt gefunden habe. Wir konnten zu Null spielen, wir haben gewonnen. Aber ich habe den Anspruch, und den müssen wir auch haben, dass wir in 90 Minuten das eine oder andere Tor mehr schiessen.»

Die Bilanz des Trainers des FC Basel mag harsch klingen nach einem Weiterkommen, aber Rahmens Unzufriedenheit ist nachvollziehbar. Denn der FC Basel ist zwar vom Anpfiff an dominant. Dennoch ist es der Gastgeber, der in der zweiten Minute den ersten Abschluss verzeichnet – und vor allem in der fünften Minute mit etwas mehr Glück in Führung gehen könnte. Arbnor Morinas Schuss knallt an die Latte. Der eine oder andere Basler dürfte kurz tief durchgeatmet haben.

«Sie waren von der Ausrichtung her so tief, dass ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, ein Tor zu schiessen»,

sagt Rahmen auf diese Szene angesprochen. Angst, die habe er nicht gehabt. Aber die defensive Ausrichtung ist es, die dem FCB tatsächlich das Schiessen eines Tors sehr schwer macht. Erst nach 21 Minuten verzeichnen die Basler einen Torschuss. Bis dahin versuchen sie zwar viel, aber der letzte Pass ist durchs Band schlecht gespielt. So versucht sich der Super-League-Club gegen den Underdog oft mit langen Diagonalbällen, um die Seite zu wechseln – insbesondere mit Fabian Frei. «Sie haben im Zentrum die Räume eng gemacht, und Fabi hat vor allem in der ersten Halbzeit diese Bälle sehr gut gespielt.»

Rahmen nimmt Spieler in die Pflicht

So viel Lob Rahmen für Frei hat, so kritisch sieht er die Leistung anderer Spieler: «Im Eins gegen Eins sind wir zu oft hängen geblieben. Da erwarte ich mehr, das ist klar. Von einem Liam Millar, von einem Dan Ndoye. Und Joelson Fernandes konnte sich immer wieder durchsetzen, aber die Flanken kamen nicht an.» Joelson ist in der Tat einer der auffälligsten Basler, wirbelt, trickst. Aber es ist oft zu kompliziert, wie der FCB offensiv spielt. In der 36.Minute ist es dann eine einfach gespielte Flanke Taulant Xhakas auf den Kopf von Liam Millar, welche die Führung bringt.

Danach kommt lange nichts mehr. Der FCB kann nicht verbergen, dass er in dieser Konstellation noch nie zusammengespielt hat. Es fehlt an Automatismen, oder wie Rahmen es sagt: an einer Bindung. Und auch die Präsenz im Strafraum bemängelt Rahmen. Zu Recht. Als der Gegner dann langsam müde wird, gelingt Xhaka mit einem wuchtigen Schuss noch das 2:0. Das Highlight aber ist Matías Palacios’ Schlenzer ins Lattenkreuz zum 3:0. Es ist der Schlusspunkt einer Partie, in welcher der FCB die grosse Überzeugung nie an den Tag legt – und folglich auch nicht wirklich überzeugt. Er erfüllt die Pflicht. Nicht mehr, nicht weniger.

Taulant Xhaka und Liam Millar feiern gemeinsam – sie haben zwei der drei Basler Tore gegen den FC Rorschach-Goldach erzielt.

Taulant Xhaka und Liam Millar feiern gemeinsam – sie haben zwei der drei Basler Tore gegen den FC Rorschach-Goldach erzielt.

Bild: Keystone

Dennoch ist es für den FC Basel nach zuletzt fünf sieglosen Partien wieder einmal ein Vollerfolg. Einer gegen einen unterklassigen Gegner zwar. Aber dennoch gibt Rahmen nach dem Spiel zu:

«Das war schon wichtig für uns, wieder mal siegen zu können.»

Die Wichtigkeit dürfte auch damit bedingt sein, dass dieser Vollerfolg am Anfang einer anspruchsvollen Woche steht. Die Reisen nach Baku und an den Bodensee noch in den Beinen, muss der FCB am Mittwoch nach St.Gallen. Und am Sonntag empfangen die Basler Tabellenführer FC Zürich zum sportlich vielleicht brisantesten Klassiker seit Jahren. In diese Woche mit einem Erfolgsgefühl gehen zu können, wird dem FCB guttun. Auch wenn das Gezeigte den Ansprüchen nicht ganz gerecht wurde.

Besser machen kann es der FCB im Cup in der letzten Oktoberwoche. Dann gastiert er im Achtelfinal bei Etoile Carouge.

FC Rorschach-Goldach – FC Basel 0:3 (0:1)

Kellen, Tübach. – 4300 Zuschauer. – SR: Tobias Thies. – Tore: 36. Millar 0:1 (Xhaka). 62. Xhaka 0:2 (Tavares). 79. Palacios 0:3.

Rorschach-Goldach: Dürlewanger; Yves Baumann, Patrice Baumann, Niklaus, Jung; Marc Schumacher; da Silva (65. Janjatovic), Arbnor Morina (65. Meister), Bosshart (51. Adrian Morina), Haag (51. Lovric); Oliver Baumann (74. di Benedetto).

Basel: Gebhardt; Lang, Djiga (75. Durrer), Frei (65. Cömert), Tavares, Palacios (81. Chipperfield), Xhaka; Millar, Ndoye (65. Burger), Fernandes (75. López); Tushi.

Bemerkungen: FCB ohne Esposito, Padula, Quintillà und Zhegrova (alle verletzt). – Verwarnungen: 40. Patrice Baumann (Foul). – 7. Lattenschuss Arbnor Morina.

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