Schweizer Cup
Vom Leichtathletik-Stadion in die Schweizer Nati: Ein Sommer voller günstiger Konstellationen

Wenn am Freitagabend um 20 Uhr, das Cupspiel des FC Concordia Basel gegen Servette angepfiffen wird, ist Nikola Marunic wie immer mit ganzem Herzen dabei. Die letzten Monate waren für ihn und sein Team voll von schönen Augenblicken und günstigen Konstellationen. Diese Konstellationen begleiten ihn schon seit seinem Start in die Trainerkarriere.

Riccardo Ferraro
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Nikola Marunic hat im Leichtathletik-Stadion schon vieles erreicht, sein Weg ist aber noch nicht zu Ende.

Nikola Marunic hat im Leichtathletik-Stadion schon vieles erreicht, sein Weg ist aber noch nicht zu Ende.

Der Himmel über dem Leichtathletik-Stadion auf der Sportanlage St.Jakob ist bewölkt. Unten auf dem Rasen sind die Greenkeeper beschäftigt, das Feld in einen exzellenten Zustand zu bringen. Langsam beginnt es zu regnen. Auf der Tribüne sind alle Stühle leer. Nichts lässt an diesem Dienstag erahnen, dass heute Abend genau hier ein grosses Spiel stattfindet.

Noch weniger voraussehbar war, was sich in den vergangenen Monaten rund um Nikola Marunic und seinem Team ereignet hatte. Marunic ist der Trainer des FC Concordia Basel. Das ist das Team, das in der vergangenen Saison sowohl den Titel in der zweiten Liga regional als auch den Basler Cup gewinnt.

«Wir waren durchaus die Favoriten in den zwei Wettbewerben. Wie die Mannschaft aber gespielt hat, war sensationell»,

lobt der 31-Jährige sein Team. Die Titel sind hart erarbeitet. Diese Tatsache passt genau zur Mentalität Marunics. Sein Motto ist: «Man darf keinen Tag verlieren.» Er will aus jedem Training und jedem Spiel ein Highlight machen. Das bestätigt Sportchef Yves Winkler: «Nikola ist extrem ehrgeizig, fokussiert und investiert viel Zeit.» Captain Seyfettin Kalayci fügt an: «Er ist immer sehr gut vorbereitet und man merkt, dass er Ziele hat.»

Marunic verlässt Kriens und geht zum Herzensverein

Dass Marunic überhaupt Trainer wird, ist eine der günstigen Konstellationen in seiner Karriere. Mit 20 Jahren beendet er seine Spielerkarriere. Eine Welt bricht für ihn zusammen. Nach nur fünf Tagen jedoch bekommt er ein Angebot der C-Junioren aus Pratteln. Er will es sich eigentlich nur anhören, da ist er schon engagiert. Sofort wächst die Passion in Marunic, die bis heute anhält.

Nikola Marunic Ist vor dem grossen Spiel gegen Servette voller Tatendrang.

Nikola Marunic Ist vor dem grossen Spiel gegen Servette voller Tatendrang.

Kenneth Nars / BLZ

Während es für die meisten Juniorentrainer ein Ziel ist, irgendwann einmal beim grossen FC Basel zu landen, geht Marunic seinen ganz eigenen Weg. Ein Beispiel dafür ereignet sich im Jahr 2018: Marunic ist unterdessen Juniorentrainer bei Congeli. Er erfährt davon, dass Bruno Berner beim SC Kriens einen jungen Assistenten mit dem A-Trainerdiplom sucht. Marunic bewirbt sich mit Hilfe seiner Kontakte bei Berner und es folgen intensive Gespräche.

Das Schicksal will es so, dass Marunic den Job bekommt und der SC Kriens zusätzlich noch in die Challenge League aufsteigt. Eine Saison verbringt er an der Seite von Berner.

«Er lebt im Hier und Jetzt und plant nicht weit voraus. Du musst sehr flexibel sein und das fordert dich»,

beschreibt Marunic die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen FCB-Spieler. Er sagt aber ebenfalls: «Bruno hat mir viele Freiheiten gelassen und ich durfte mich entfalten.» Trotzdem merkt Marunic nach jener Saison, dass er gerne mehr Verantwortung übernehmen und selbst Cheftrainer werden möchte. Die nächste günstige Konstellation stellt sich ein: Concordia ist in der Lage, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Für ihn ist der Gang aus der Challenge League in die 2.Liga regional, in der Concordia damals spielt, kein Rückschritt.

«Egal, welches Team ich gerade trainiere oder in welcher Liga wir sind, das Engagement bleibt immer das gleiche. Ich weiss, was ich bringen will und das macht mich aus»,

stellt er klar. Zudem ist Congeli sein Herzensverein und legt ihm ein spannendes Projekt mit vielen Ex-Junioren im Team vor.

Seine Bekanntschaft und Arbeit bringen ihn zur Nati

Das Double der vergangenen Saison ist die logische Konsequenz seines Engagements und seiner akribischen Arbeit. Diese Merkmale bleiben Bruno Berner wohl ebenfalls in Erinnerung. Als dieser nämlich das Angebot der Schweizer U19-Nationalmannschaft bekommt und einen Assistenten sucht, fällt seine Wahl auf Marunic. «Er rief mich an und sagte mir, dass ihm ein Angebot vorlag, aber noch nichts unterschrieben war. Dann gab er mir fünf Tage Zeit, es zu überlegen», erzählt Marunic.

Nikola Marunic und Bruno Berner standen bei Kriens schon gemeinsam auf dem Platz.

Nikola Marunic und Bruno Berner standen bei Kriens schon gemeinsam auf dem Platz.

Philipp Schmidli / PHILIPP SCHMIDLI | Fotografie

Nach nur einer halben Stunde und Telefonaten mit seinem Arbeitgeber und Concordia sagt er zu. Über die Zusammenarbeit mit Berner in der Nati sagt Marunic: «Sie könnte nicht professioneller sein.» Anfang September folgt sogleich das Debüt des neuen Trainerteams. Das Spiel gegen Deutschland geht mit 1:0 verloren, Island schlagen sie mit 3:0. «Die Woche war brutal intensiv, das Gefühl vor allem gegen Deutschland der Hammer», schwelgt Marunic in den Erinnerungen.

Ein wenig wehmütig sagt er aber auch: «Ich hatte daran zu beissen, Concordia in dieser Zeit nicht zu betreuen.» Marunic lobt im selben Atemzug sein Trainerteam. Denn dank diesem ist es möglich, dass er die Doppelfunktion als Vereins- und Nationaltrainer überhaupt ausfüllt.

Es folgt der Schweizer Cup gegen Servette

Die bisher letzte günstige Konstellation ereignet sich im diesjährigen Schweizer Cup. In der ersten Runde trifft Congeli auf den FC Winkeln und gewinnt mit 7:1. «Wir waren sogar etwas froh darüber, nicht in der ersten Runde ein Hammerlos zu ziehen», erklärt Marunic und sagt:

«Die ganze Vorbereitung dreht sich sonst nur um dieses Spiel. Meistens verlierst du es und das führt dann für den Saisonstart möglicherweise zu mentalen Problemen.»

Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen, als in der zweiten Runde Servette als Gegner feststeht. Der Start in die Meisterschaft glückt, der Super Ligist ist aber eine deutlich grössere Aufgabe. Ganz ziellos geht Marunics Team jedoch nicht in das Spiel. «Der Funke soll auf die Zuschauer überspringen und wir wollen das Spiel interessant gestalten», legt Sportchef Yves Winkler fest.

Eine grosse Vorbereitung auf das Spiel ist aufgrund der laufenden Meisterschaft nicht möglich gewesen. «Wir wollen die Spieler nicht überladen. Sie sollen es trotz allem geniessen», meint Marunic zu dieser Massnahme. Captain Seyfettin Kalayci setzt sich zum Ziel, ein attraktives Spiel zu liefern und auch Marunic möchte dies erreichen: «Wir werden nicht hinten reinstehen, weil wir das nicht 90 Minuten durchhalten würden.»

Selbst nach diesem Spiel wird Marunic noch nicht zur Ruhe kommen, um die aufregenden Monate zu verarbeiten. Eines aber ist sicher: Das Feuer für den Fussball brennt in ihm – da ändern nicht einmal die Regentropfen über dem Leichtathletik-Stadion etwas daran.

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