Handball

Schweizer Handball-Euphorie: Die Quali für die EM 2020 ist geschafft

Die Schweiz verliert das letzte Qualifikationsspiel in Serbien mit 31:32. Das genügt ihr aber in der Gruppe zwei zur Sicherung des zweiten Platzes – und zur erstmaligen Teilnahme an einer Europameisterschaft seit 14 Jahren, somit hat das Warten ein Ende.

Am Ende tanzten sie im Kreis und konnten ihr Glück kaum fassen. 31:32 haben die Schweizer in Novi Sad zwar verloren, doch weil sie das Hinspiel gegen die Serben in Zug mit 29:24 gewonnen hatten, bleiben sie auf dem zweiten Platz stehen – und fahren damit im nächsten Januar erstmals seit 2006 wieder an eine Europameisterschaft.

Ich kann das gar noch nicht richtig realisieren», schwärmte Nationaltrainer Michael Suter. Und Andy Schmid, der 35-jährige Luzerner Spielmacher, hielt fest: «Das ist die Krönung der Arbeit in den letzten Jahren. Ich stand zwei-, dreimal kurz davor, im Nationalteam aufzuhören. Das ich das nun noch erlebe, hätte ich nicht zu träumen gewagt.»

Bis der Moment zum Jubeln gekommen war, galt es allerdings, eine ganz heisse Phase zu überstehen. Zwölf Minuten vor Schluss lagen die Schweizer nämlich mit 24:29 zurück. Der Vorsprung aus dem Hinspiel war aufgebraucht und wer sah, wie sich die Serben in einen Rausch spielten und die 5000 Zuschauer auf der Tribüne in eine Euphorie schrien, musste für die Gäste mit dem Schlimmsten rechnen.

Lukas von Deschwanden leitet die Wende ein

Doch die Schweiz kam, wie aus dem Nichts, zurück und zeigte in der dreijährigen Ära von Nationaltrainer Suter die bisher eindrücklichste Leistung. Es lag nun nicht wie so oft in der Vergangenheit nur an Führungsspieler Andy Schmid, auch seine Nebenleute übernahmen mehr Verantwortung.

Besonders herauszuheben sind dabei neben dem Stadtluzerner Schmid zwei weitere Zentralschweizer. Der Buchrainer Nicolas Raemy und der eingewechselte Altdorfer Lukas von Deschwanden verteidigten in der Schlussphase auf den Halbpositionen offensiver und zwangen die Serben damit zu Fehlern. Die Schweiz kam zu Gegenstössen, fand im Angriff wieder die Ruhe und holte Tor um Tor auf.

In der 57. Minute hatte sie das Skore nach einem 7:1-Lauf zum 31:30 gedreht und das EM-Ticket gelöst. «Grosses Kompliment an Lukas von Deschwanden, ihm mag ich das nach einem schwierigen Jahr sehr gönnen», sagte Suter über den Urner, der während der ersten Saisonhälfte aufgrund eines Zeckenbisses an Borreliose erkrankt war. «Nach seiner Einwechslung kamen wir in Kontakt mit dem Gegner, wir fanden in den Kampf. Das in einem so wichtigen Moment zu schaffen, ist eine reife Leistung.»

Von Beginn an ebenbürtig

Dabei hätten die Schweizer gar nicht so deutlich in Rücklage geraten dürfen. Sie waren den Gastgebern nämlich von Beginn weg ebenbürtig und zeigten in der ersten Halbzeit im Angriff sogar eine formidable Darbietung.

War es bei der 28:33-Niederlage gegen Kroatien am letzten Mittwoch vor allem Schmid gewesen, der für die offensive Musik gesorgt hatte, entstand diesmal von allen Positionen aus Gefahr. Auch die sonst eher wenig effektive rechte Angriffsseite mit den Linkshändern Cédrie Tynowski, Dimitrij Küttel und später auch Raemy offenbarte viel Durchschlagskraft.

«Mega Erleichterung» für Andy Schmid

Die Abwehr allerdings tat sich ohne die verletzten Leistungsträger Alen Milosevic und Samuel Röthlisberger erneut schwer. Die Serben hatten viel Raum und profitierten immer wieder von den Abstimmungsproblemen der neu formierten Schweizer Defensive.

Auch Goalie Nikola Portner überzeugte nicht, parierte kaum einen Ball. Nach der Pause stabilisierte sich die Verteidigung zunächst nicht und als die Schweiz auch vor dem gegnerischen Tor zu sündigen begann, schien ihr die Partie zu entgleiten.

Am Ende jubelten schliesslich beide Mannschaften – die Schweizer, die als Gruppenzweite an die EM fahren und auch die Serben, die noch als einer der vier besten Drittplatzierten die Qualifikation schafften. «Ich habe lange genug im Januar zugeschaut, wie sich die Besten an grossen Turnieren massen», sagte Schmid. «Für mich ist diese Qualifikation eine mega Erleichterung und hat für meine Karriere eine extreme Bedeutung.»

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