Die Schweiz hat sich noch vor Abschluss der EM-Kampagne für die Endrunde in Frankreich qualifiziert. Das 7:0 gegen San Marino genügte der SFV-Auswahl, weil sich Slowenien ein fatales 1:1-Remis leistete.

Schweizer Nati holt EM-Ticket: Stimmen nach dem Spiel

Schweizer Nati holt EM-Ticket: Stimmen nach dem Spiel

Minutenlang standen die Schweizer nach einer gegen Ende hin rauschenden 7:0-Party in der Platzmitte, bis das Resultat des zweiten Hauptschauplatzes um 22.43 Uhr in der AFG-Arena verkündet wurde: Die Slowenen hatten beim 1:1 gegen Litauen tatsächlich ihren letzten Funken Hoffnung verspielt. Trauer in Ljubljana, euphorische Tänze in der Ostschweiz. 

Tweet Shaqiri

Zum vierten Mal nach 1996, 2004 und 2008 betreten die Schweizer im Sommer die EM-Bühne. Nach drei WM-Teilnahmen in Serie haben sich die SFV-Protagonisten erneut für einen Top-Event qualifiziert. Was im Herbst mühsam und mit zwei Fehltritten begann, endete nun wie gewünscht: mit dem direkten Vorstoss unter die europäische Elite.

Den missratenen Auftakt mit Fehltritten gegen England und Slowenien haben die Schweizer mit vier deutlichen Heimsiegen gegen die Aussenseiter der Gruppe E korrigiert. Das spricht für ihre Nervenstärke und ihren Coach Vladimir Petkovic, während seines ersten Amtjahres immer wieder mit einer überaus skeptischen Haltung des Umfelds zu kämpfen hatte.

Der späte Rausch

Spätestens nach Gökhan Inlers 2:0 (55.) hatten die Schweizer ihren Pflichtteil erfüllt. Das St. Galler Publikum sorgte angesichts der diskussionslosen Verhältnisse auf dem Terrain für das laute Rahmenprogramm. Derweil sich die Anhänger in ihrer Olma-Laune mit minutenlangen La-Ola-Wellen vergnügten, werteten die SFV-Protagonisten den gemütlicheren Teil des kühlen Abends mit etwas Showtime auf.

Und im Finish unterhielten die Schweizer die 16'200 Zuschauer tatsächlich sehr gut. Innerhalb einer Viertelstunde erhöhten sie auf 6:0 - begünstigt von den Gästen, die in ihrer permanenten Überforderung drei Penaltys verschuldeten. Kurz vor Schluss markierte der Rückkehrer Eren Derdiyok das 7:0 und ermöglichte der Schweizer Equipe den höchsten Erfolg seit 24 Jahren - im Juni 1991 deklassierte sie San Marino schon einmal mit dem gleichen Ergebnis.

Doch die Höhepunkte in St. Gallen waren plötzlich nur noch wunderbare Begleiterscheinungen. Aus dem fernen Ljubljana wurde mitten in der stürmischen Schlussphase der Schweizer das Wunschergebnis übermittelt: Novikovas traf per Penalty zum 1:1 Litauens gegen Slowenien. Der Ausgleich des Bochumers veränderte die Ausgangslage schlagartig zu Gunsten von Petkovics Team. Ihnen war die Qualifikation ab jenem Moment auch in der Theorie nicht mehr zu nehmen, Slowenien hingegen verspielte in der 86. Minute im eigenen Stadion gegen eine zuvor auswärts dreimal inferiore Mannschaft (drei Niederlagen und neun Gegentore) die letzte Chance auf den direkten Vorstoss an die EM-Endrunde in Frankreich.

Langer Anlauf

Der auf jeder Position limitierte Kontrahent verhielt sich von der ersten Sekunde an so, wie ein Unterklassiger in einem Cup-Spiel aufzutreten pflegt: mit der bedingungslosen Réduit-Taktik, nur Schadensbegrenzung bedacht. Mit ihrem simplen Plan fuhren die namenlosen Aussenseiter nur während der ersten Hälfte überraschend gut. Trotz einem Cornerverhältnis von 0:9 liess San Marino in 45 Minuten nur einen Schweizer Treffer zu, ehe der Tabellenletzte regelrecht kollabierte.

Im Duell mit der 196 des FIFA-Rankings setzte Vladimir Petkovic auf eine Equipe, die in dieser Zusammensetzung wohl nur selten zu sehen sein wird. Zum einen musste der Selektionär medizinisch bedingt auf einen unüblich hohen Prozentsatz des Stamms verzichten, andererseits gewährte er dem (bereits zweimal verwarnten) Antreiber Granit Xhaka mit Blick auf das wesentlich wichtigere Rendez-vous am Montag in Tallinn eine Pause.

Diverse Umformierungen

Und Petkovic wich gegen den destruktiven Gegner von seinem bevorzugten 4-3-3-System ab. Stattdessen formierte er eine zentrale Achse mit dem 18-jährigen FCB-Juwel Breel Embolo, der erstmals zur Startformation zählte, Debütant Luca Zuffi, Pajtim Kasami, im Nationalteam oft nur in der zweiten Reihe, und Admir Mehmedi.

Das neu formierte Quartett kontrollierte zwar permanent den Ball und erspielte sich einen hohen Ballbesitzanteil. Doch die temporäre 72-Prozent-Marke trügte. Sie stand zu lange in keinem guten Verhältnis zur effektiven Präsenz im Strafraum. Vor und auch lange nach Langs 1:0 erspielten sich die Schweizer angesichts ihrer drückenden Überlegenheit einen zu geringen Output.

Zupass kam ihnen dann aber eine Slapstick-Hands-Szene Cesarinis. Der Verteidiger von Tre Penne verhielt sich im Strafraum so wie in seinem Klub-Alltag: amateurhaft. Inler verwertete den Penalty in der 55. Minute souverän. In der Folge fiel vieles einfacher, die Zuspiele gelangen, die Angriffswellen rollten, innerhalb kurzer Zeit erhöhten sie das Skore auf 4:0.

Am Ende resultierte zwar kein mitreissendes Spektakel - dazu fehlte schlicht ein vernünftiger Herausforderer -, aber dennoch ein schöner Erfolg in durchaus berechtigter Höhe. Die Heim-Bilanz gegen die chancenlosen Vertreter der unteren Tableau-Hälfte ist zumindest auf dem Papier makellos: drei Siege, 14:0 Treffer.

Telegramm: 

Schweiz - San Marino 7:0 (1:0)

AFG-Arena, St. Gallen. - 16'200 Zuschauer. - SR Gestranius (Fi). - Tore: 17. Lang (Embolo) 1:0. 55. Inler (Handspenalty/Cesarini) 2:0. 65. Mehmedi (Schär) 3:0. 72. Djourou (Foulpenalty/Cesarini an Schär) 4:0. 75. Kasami (Moubandje) 5:0. 80. Embolo (Foulpenalty/Della Valle an Derdiyok) 6:0. 89. Derdiyok (Steffen) 7:0.

Schweiz: Bürki; Lang, Schär, Djourou, Rodriguez (62. Moubandje); Inler; Embolo, Zuffi, Kasami, Mehmedi (68. Derdiyok); Drmic (78. Steffen).

San Marino: Aldo Simoncini; Cesarini (78. Fabio Vitaioli), Della Valle, Davide Simoncini, Palazzi, Berardi; Matteo Vitaioli, Tosi, Lorenzo Gasperoni (64. Coppini), Golinucci (83. Hirsch); Stefanelli.

Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Lichtsteiner, Sommer, von Bergen, Seferovic, Fernandes, Frei, Stocker (alle verletzt), Hitz, Klose, Lustenberger, Widmer, Xhaka, Dzemaili und Shaqiri (alle Ersatz), San Marino ohne Chiaruzzi und Battistini (beide gesperrt). Länderspiel-Debüts von Luca Zuffi und Renato Steffen. Verwarnungen: 80. Della Valle (Foul). 81. Tosi (Foul). 52. Tor von Schär aberkannt (Offside). 84. Lattenschuss von Kasami.

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker nach:

Liveticker