Bisher hat der FC Sion noch jedes seiner zwölf Endspiele zu seinen Gunsten entschieden – ein Wahnsinn.

Sein Gegner wird am Mittwochabend im zweiten Halbfinal in der Ostschweiz zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel ermittelt. Dieser Gegner dürfte ohne Zweifel für die Walliser zur härtesten Nuss in diesem Wettbewerb werden. Denn mit dem FC La Chaux-de-Fonds (3:1), Biel (1:0), Köniz (3:1) und Aarau (2:1) hatten sich ihm bis zum gestrigen Halbfinal nicht eben grosse Kaliber in den Weg gestellt.

Und weil er beim letzten Schritt mit dem FC Zürich nun auf einen Gegner getroffen war, der seit Wochen ausser Form ist, hat er insgesamt einen ziemlich einfachen Parcours in den Final gehabt. 2012 und 2013 war Sion jeweils im Halbfinal an Luzern und Basel gescheitert.

Die Sittener, die sich seit dem Ostersonntag in Feusisberg abgeschottet auf diese Partie vorbereitet hatten, gewannen im Letzigrund mit dem selben Ergebnis, mit dem sie an derselben Stelle schon zweieinhalb Wochen zuvor gesiegt hatten: 1:0. War damals Daniel Follonier der Torschütze gewesen, so sorgte dieses Mal das im letzten Frühherbst von Krasnodar verpflichtete Sturmjuwel Moussa Konaté für die Differenz. Nach einer Freistossflanke von Reto Ziegler, die vorerst keinen Abnehmer gefunden hatte, war der Senegalese zur Stelle und traf im Stil eines echten Torjägers zum Siegtor.

Eine gute Mischung

In 18 Super-League-Spielen hat der Afrikaner elf Tore geschossen, im Cup in vier Partien deren drei. So gut der 22-Jährige aber Fussball spielen kann, so sehr sind seine Schwalben und Schauspieleinlagen ein Ärgernis.

Fakt ist aber, dass Trainer Didier Tholot seit seinem Amtsantritt aus dem vorliegenden Spielermaterial ein funktionierendes Team geformt hat, in dem die neuverpflichteten Ziegler, Zverotic und Salatic die jungen Wilden Follonier und Edimilson Fernandes gut ergänzen, sodass sich zusammen mit den Routiniers Vanins und Carlitos eine gute Mischung ergibt. Die Sittener hatten das 0:5 vom Karfreitag im Tourbillon gegen GC erstaunlich gut weggesteckt. «Wir haben durch unseren Kampfgeist diesen Sieg verdient», sagte Aussenverteidiger Ziegler hinterher.

Auf der Suche nach Vertrauen

Für den FCZ dagegen ist der Traum von der Titelverteidigung ausgeträumt. Vor nur 6883 Fans – eine Quittung für die schlechten Leistungen der letzten Wochen – genügte der Auftritt nicht, um sich in den zehnten Cupfinal der Vereinsgeschichte zu spielen. Von der ersten Minute an war ersichtlich, dass die zuletzt in der Meisterschaft erlittenen drei Niederlagen nicht spurlos an ihm vorübergegangen waren. Er war sichtlich bestrebt, mit möglichst langen Ballstafetten Sicherheit in sein Spiel zu bringen, um das zweifellos abhandengekommene Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Doch die Zirkulation der Kugel erfolgte reichlich langsam und ohne Raumgewinn.

Gespielt wurde vor allem horizontal und nur selten steil, sodass sich die Walliser kaum einmal einer Gefahr ausgesetzt sahen. Die beim 0:5 gegen GC noch als Schwachpunkt ausgemachte Innenverteidigung mit Birama Ndoye und Léo Lacroix stand kaum einmal auf dem Prüfstand. Die beiden Zürcher Mario Gavranovic und Franck Etoundi waren viel zu selten ins Spiel eingebunden.

An dieser phlegmatischen Spielweise änderte sich zwar etwas, nachdem der FCZ drei Minuten nach der Pause in Rückstand geraten war. Er spielte nun etwas entschlossener nach vorne, hatte aber nur wenige Abschlüsse, die zum 1:1 hätten führen können. Am nächsten dem Ausgleich kam Kajevic nach 70 Minuten. «Wir haben zu wenig gut nach vorne gespielt», sagte hinterher selbstkritisch Philippe Koch.

Präsident Ancillo Canepa hatte schon vor dem Spiel versichert, dass Trainer Urs Meier auch im Falle einer Niederlage kein Thema sei. «Wir sind grausam enttäuscht», sagte Meier, «wir haben uns das Leben selber schwer gemacht.»