Dienstagmorgen, 8.30 Uhr in Adelboden: Hans Pieren, Rennleiter des Ski-Weltcups in Adelboden, schaut auf die Piste am Chuenisbärgli. Das Thermometer zeigt 11 Grad, am Nachmittag sollen es sogar 15 Grad werden. Am 23. Dezember liegt auf der Weltcuppiste kaum Schnee. T-Shirt statt Skianzug: «Innerhalb der letzten 24 Stunden hatten wir am Chuenisbärgli nie unter 10 Grad», sagt Pieren. Das ist viel zu warm. Doch Pieren bleibt ruhig. Er ist lange genug dabei, um nicht in Panik zu verfallen.

Am 10. und 11. Januar sollen am Chuenisbärgli Skirennen gefahren werden. Marcel Hirscher, Ted Ligety und Co. wollen sich im Riesenslalom und Slalom duellieren. Wer einen Blick auf den Zielhang wirft, kann das kaum glauben. Aktuell sind erst gut 20 Prozent der für die Rennen benötigten Schneemengen vorhanden. Pieren prüft die Messgeräte und steht in Kontakt mit dem Weltcup-Meteorologen Joachim Schug. «Die Prognosen sprechen für uns. Ab Weihnacht sind leichter Schneefall und tiefere Temperaturen bis -10 Grad angesagt», sagt Pieren.

Es muss kälter werden

Das würde helfen. Bei optimalen Verhältnissen für die künstliche Beschneiung – Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und trockene Luft – kann der Schnee für die ganze Weltcuppiste in rund 40 Stunden produziert werden. Pieren ist darum der Überzeugung, dass die Rennen unter guten Bedingungen durchgeführt werden können. «Alle derzeitigen Prognosen sprechen für uns», sagt er. Kritisch wird es erst, wenn das warme Wetter anhält.

Die Schneesituation hat im Weltcup in diesem Winter schon für einige Probleme gesorgt. Die Rennen der Männer in Val d’Isère und jene der Frauen in Courchevel mussten vor zwei Wochen abgesagt und nach Schweden verlegt werden. Die Frauenrennen kurz vor dem Jahreswechsel im österreichischen Semmering und der Parallelslalom in München wurden ebenfalls bereits gestrichen. Lindsey Vonn sagte zuletzt im Interview mit der «Nordwestschweiz»: «Vielleicht müssen wir den Weltcup-Kalender nach hinten verlegen. Ich stelle fest, dass das Schneeproblem immer aktuer wird. Dafür schneit es bis April.»