Analyse

Die ewige Nummer zwei: Wann wird die Skination Schweiz endlich Österreich schlagen?

Lara Gut-Behrami: Nach einem ansprechenden Comeback-Winter 2017/18 kommt die 27-Jährige in dieser Saison mit Ausnahme eines zweiten Platzes im Super-G in St. Moritz nicht auf Touren.

Lara Gut-Behrami: Nach einem ansprechenden Comeback-Winter 2017/18 kommt die 27-Jährige in dieser Saison mit Ausnahme eines zweiten Platzes im Super-G in St. Moritz nicht auf Touren.

«Um Österreich an der Spitze abzulösen, braucht es starke Schweizerinnen und Schweizer in allen Bereichen», schreibt unser Sportredaktor Martin Probst.

Es ist Januar – und somit Hochsaison für Skisportler. Auch für die, welche beruflich möglichst schnell auf der Piste fahren. Vor den Klassikern in Adelboden, Wengen und Kitzbühel stellen sich die üblichen Fragen: Wie gut ist die Skination Schweiz? Seit Jahren träumt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann davon, Österreich an der Spitze der Nationenwertung abzulösen. 1989 – mit Pirmin Zurbriggen, Vreni Schneider und Co. in den Hauptrollen – war dies letztmals der Fall.

Urs Lehmann debütierte 1990 im Weltcup und somit ausgerechnet im ersten Jahr der seither andauernden Dominanz Österreichs. Am Ende der vergangenen Saison sagte der Aargauer in einem Interview mit der «NZZ»: «Ich habe Peter Schröcksnadel gesagt, er habe noch drei Jahre.» Der Präsident des österreichischen Skiverbands will angeblich zurücktreten, wenn seine Schützlinge nicht mehr die Nummer eins sind.

Zumindest in dieser Saison muss sich Schröcksnadel noch keine Sorgen um seinen Job machen. Seine Athletinnen und Athleten haben bisher 5875 Weltcuppunkte gesammelt und damit über 2000 mehr als die Schweizerinnen und Schweizer. Auffallend ist, dass die Schweizer Frauen, die in der Vorsaison auf Augenhöhe waren, Terrain verloren haben, die Schweizer Männer hingegen leicht näher gerückt sind.

Lara Gut-Behrami und die bange Frage: Wie gut fährt sie wirklich?

Das hat erklärbare Gründe. Zwar sind Wendy Holdener (vier Podestplätze) und Michelle Gisin (zwei Podestplätze) auch in diesem Winter fleissige Punktesammlerinnen. Allerdings fährt Holdener in ihrer Paradedisziplin Slalom nicht mehr ganz so konstant aufs Podium und hat Michelle Gisin durch den schweren Unfall ihres Bruders Marc kurzzeitig etwas an Stärke verloren. Beides wirkte sich sofort aus. Trotzdem: An der WM im Februar in Schweden gehören sie zu den Schweizer Medaillenkandidaten.

Weit grössere Fragezeichen hinterlässt Lara Gut-Behrami. Nach einem ansprechenden Comeback-Winter 2017/18 kommt die 27-Jährige in dieser Saison mit Ausnahme eines zweiten Platzes im Super-G in St. Moritz nicht auf Touren. Noch bleibt ihr bis zur WM rund ein Monat. Ihre bisherigen Auftritte bieten allerdings Anlass zur Sorge und sind ein Grund für den grösseren Rückstand auf Österreich. Dass Supertalent Mélanie Meillard den Winter mit einem Kreuzbandriss verpasst, ein weiterer.

Die restlichen Schweizerinnen konnten bisher kaum in Erscheinung treten. Das zeigt, dass die Punktegaranten im Frauenteam rar sind. Nach erfolgreichen Jahren unter Cheftrainer Hans Flatscher, auch getragen durch erfolgreiche Leistungsträgerinnen, hat sein Nachfolger Beat Tschuor eine schwierige Aufgabe: Er muss dafür sorgen, dass mehr Schweizerinnen in die erweiterte Spitze vorstossen. Sonst droht, dass sich die Österreicherinnen dauerhaft absetzen.

Auf Feuz ist Verlass, und doch bereitet das Speedteam Sorgen

Bei den Männern sind diese neuen Punktegaranten aufgetaucht: Mauro Caviezel erlebte einen fulminanten Saisonstart in der Abfahrt und im Super-G (insgesamt drei Podestplätze). Thomas Tumler beendete im Riesenslalom eine fast achtjährige Schweizer Durststrecke ohne Podestplatz. Und weil aus Loïc Meillard, der genauso talentiert ist wie seine Schwester Mélanie, endgültig ein Spitzenfahrer wurde (zwei Podestplätze im Riesenslalom und Slalom), rückten die Schweizer etwas näher an Österreich heran.

Erfolgsgarant ist und bleibt aber Beat Feuz. Der 31-Jährige beweist eindrücklich, dass ihn die neue Rolle als Vater keinesfalls bremst. Unerschrocken und talentiert wie eh (bisher ein Sieg und zwei Podestplätze in dieser Saison) wird er in Wengen, Kitzbühel und an der WM der Mann sein, den es in der Abfahrt zu schlagen gilt.

Trotzdem sind es die Speeddisziplinen, die im Männerteam Anlass zur Sorge geben. Während nach dem Slalom (bisher ein Saisonsieg durch Daniel Yule) auch im Riesenslalom ein Aufwärtstrend erkennbar ist, stagniert die zweite Garde im Speedbereich. Naturgemäss erreichen Abfahrer den Zenit zwar erst im höheren Alter. Trotzdem: Um Österreich an der Spitze abzulösen, braucht es starke Schweizerinnen und Schweizer in allen Bereichen. Sonst bleibt Lehmanns Serie als Nummer zwei bestehen.

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