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Skisprungschanze in Engelberg ist «spannend und herausfordernd» – ein Überblick

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Die Skisprung-Elite trifft sich am Wochenende in Engelberg zum Kräftemessen. Gregor Deschwanden stellt die Gross-Titlis-Schanze vor.

Am Wochenende wird Engelberg wieder zum Skisprungmekka. Die internationale Weltcup-Elite und Tausende Fans aus dem In- und Ausland gastieren im Obwaldner Bergdorf. Wie in jedem Jahr finden gleich zwei Weltcup-Springen statt. Am Samstag geht der Event um 16 Uhr über die Bühne, am Sonntag um 15 Uhr (jeweils auf SRF2).

Ryoyu Kobayashi, neben Karl Geiger einer der Vorjahressieger, ist auch in diesem Jahr ein Kandidat, den man auf der Rechnung haben muss. Am letzten Wochenende siegte er im deutschen Klingenthal. Ebenfalls gut im Strumpf ist der Norweger Daniel-André Tande (Siege in Wisla und Kuusamo) sowie der Österreicher Stefan Kraft (Sieg in Nischni Tagil). Aus Schweizer Sicht dürfen die heimischen Zuschauer auf einen weiteren Exploit von Killian Peier hoffen. Mit einem zweiten Platz Anfang Dezember in Russland darf man den Romand durchaus zum erweiterten Favoritenkreis zählen. Simon Ammann zeigte bisher eine konstante Saison, jedoch mit Resultaten ausserhalb der Top Ten.

Gregor Deschwanden.

Gregor Deschwanden.

Einer, der die Schanze in Engelberg bestens kennt, ist der Horwer Gregor Deschwanden. Nach einer Verletzung in der letzten Saison kämpft er sich zurück in den Weltcup, blieb bisher jedoch noch ohne Weltcup-Punkte. Er stellt die Titlis-Schanze etwas genauer vor:

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«Bevor ich zum Startgate gelange, werde ich mit einem Schrittmessgerät gemessen. Im Bereich des Hüftknochens wird ein Hüftband fixiert, welches genau dem Körpermass entspricht. Das dient dazu, dass das sogenannte Schrittmass nicht nach unten gezogen wird und damit nicht mehr Fläche im Bereich des Schrittes entsteht. Jeder Skispringer muss dieses Mass, welches zuvor bei einer Abmessung ohne Anzug gemessen wurde, im Sprunganzug erbringen.»

«Das Startprozedere funktioniert mit einem Ampelsystem. Bevor ich mich auf den Balken setzen kann, leuchtet die Ampel für 30 bis 40 Sekunden rot auf. Anschliessend wechselt sie für zwölf Sekunden auf Orange. Zeit für mich, auf dem Balken Platz zu nehmen. Vor dem Besteigen des Balkens gehe ich nochmals meine Check-Points durch, welche ich im Sprung beachten muss. Auf dem Balken selbst probiert man den Fokus zu behalten, ohne gross zu denken. Springt die Ampel auf Grün, habe ich zehn Sekunden Zeit, um zu starten. Bei wechselnden Windverhältnissen kann der Balken während des Wettkampfs verschoben werden. Dadurch verändert sich die Anlauflänge und somit auch die Geschwindigkeit.»

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«Sobald ich mich in der Fahrspur befinde, suche ich den Schwerpunkt, sprich die perfekte Position, um die Balance zu halten und gleichzeitig so areodynamisch wie möglich zu sein. Bin ich zu weit vorne, dann wird die Absprungbewegung zu direkt und die Ski drückt es nach unten. Positioniere ich mich mit dem Gewicht zu weit hinten, dann wird der Absprung zu passiv und man verliert wichtiges Tempo. Der Schwerpunkt muss nicht unbedingt Einfluss auf die Anfahrtsgeschwindigkeit haben, jedoch wird der Absprung dadurch positiv oder negativ beeinflusst.»

«Im Gegensatz zum Start gibt es beim Anlauf weitaus mehr Unterschiede zwischen den Schanzen. Die Schanze in Engelberg hat eine Anlaufspur, die stets eine Krümmung hat. Der Fachbegriff dazu heisst Klotoide. An anderen Orten beginnt die Anlaufspur mit mehreren Metern, die ohne Krümmung verlaufen. Ich mag es, wenn der Anlauf von Anfang an einen Radius hat. Kommt hinzu: Engelberg hat eine der besten Spuren im Weltcup. Das Eis, das sie präparieren, ist spitze, das Fahrgefühl ist sehr angenehm. Die Gross-Titlis-Schanze in Engelberg ist eine spannende, herausfordernde Schanze. Wichtig beim Anlauf ist es, Geschwindigkeit aufzubauen. Ein Stundenkilometer mehr Speed kann mehrere Meter mehr an Weite bedeuten.» Mit 36 Grad ist die Gross-Titlis- Schanze die steilste im Weltcup.

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«Der Absprung ist eine sehr entscheidende Phase im Skispringen. Die Vorbereitung des Absprungs beginnt ausgangs Radius hin zu den letzten drei Metern. Innerhalb von Zehntelsekunden gilt es dann, das richtige Timing zu finden. In Engelberg habe ich oft Mühe damit, obwohl mir Klotoiden eigentlich liegen. Ich verlasse mich auf das Fahrgefühl und die Optik. Im Vergleich zu anderen Schanzen ist der Tisch in Engelberg sehr kurz und der Radius-Druck geringer.» Die Neigung des Schanzentisches beträgt 11 Grad.

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«Der Flug wird in drei Phasen unterteilt. Bei der ersten Phase sprechen wir von den ersten 30 bis 40 Metern. Ich versuche, möglichst rasch in die sogenannte V-Stellung zu kommen. Der Springer stellt seine Skispitzen auseinander und nimmt seinen Körper nach vorne. Auch hier gilt es, den Schwerpunkt zu finden. Bei der zweiten Phase versuche ich, Tempo aufzunehmen. Ich visiere die letzte Linie an und probiere mit dem Ski- und Körpersystem am Limit des Luftwiderstandes nach unten zu segeln. Hierbei ist wichtig, dass ich eine ruhige, stabile Haltung einnehme. Meine Ski sind dabei ganz flach ausgerichtet, parallel zu Wind und Körper.»

«Die Gegebenheiten in Engelberg sind stets ähnlich. Hier hat es immer Rückenwind – nicht wirklich das, was wir mögen. Denn mit Aufwind segelt man um ein Vielfaches weiter nach unten. In der letzten Phase bereite ich mich auf die Landung vor. Hier ist wichtig, dass wir den Luftwiderstand spüren. Ich versuche, möglichst lange in der zweiten Phase zu bleiben, damit die Bremsphase möglichst kurz ausfällt.»

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«Ziel bei der Landung ist es, einen Telemark zu realisieren. Dieser ist dann perfekt ausgeführt, wenn ich bei der Landung einen Ski etwas weiter nach vorne und den anderen Ski etwas weiter nach hinten schiebe. Gute Haltungsnoten gibt es zudem, wenn ich leicht in die Knie gehe, den Oberkörper strecke und die Hände in 90 Grad zum Körper habe. Bei der Landung wirken Kräfte, die dem Drei- bis Vierfachen des Körpergewichtes entsprechen. Die Landegeschwindigkeiten können hierbei über 100 km/h betragen.»

«Der Schnee in Engelberg ist immer super präpariert. Dies ist nicht an allen Orten der Fall. Die Schneeverhältnisse sind bei der Landung essenziell. Ich teile die Schneeverhältnisse in drei Kategorien ein. Es gibt kompakten Schnee, nicht kompakten Schnee bis hin zu Eisplatten. Es gibt Orte, da ist der Schnee ein richtiges ‹Mues›. Dann ist eine perfekte Landung ohne zu verkanten eine schwierige Angelegenheit.»

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