Curling

Spitzencurlerinnen nutzen flexible Arbeitszeit

Skip Elena Stern ist eine grosse Hoffnung im Schweizer Curling

Skip Elena Stern ist eine grosse Hoffnung im Schweizer Curling

Für das Gedeihen des Schweizer Sports in olympischen Sportarten wird es immer wichtiger, dass ambitionierte Athletinnen und Athleten Arbeitsstellen antreten können, die ihnen Flexibilität bieten.

Zusammen mit dem führenden Arbeitsvermittler Adecco Group Switzerland unterhält Swiss Olympic mit Erfolg das Projekt "Leistungssportfreundlicher Arbeitgeber".

Curling ist das Beispiel einer Sportart, die mit ihrer olympischen Dimension einen grossen Aufwand erheischt, von der die Spielerinnen und Spieler jedoch nicht leben können. An den Turnieren der World Curling Tour in Kanada gibt es zwar schöne Preisgelder. Diese sind aber mit jenen von Tennis oder Golf bei weitem nicht zu vergleichen - und müssen im Team erst noch durch vier geteilt werden. So "leben" die Schweizer Curler - Curling ist in der obersten Kategorie der Schweizer Sportförderung eingeteilt - von der Unterstützung durch persönliche Sponsoren, durch den Verband Swiss Curling und den Heimklub CC Oberwallis.

Die 26-jährige Oltnerin Lisa Gisler spielt im Schweizer Meisterteam des CC Oberwallis um Skip Elena Stern. Das Team hätte im März in Kanada die WM bestritten, wenn diese zu Beginn der Coronavirus-Krise nicht kurzfristig abgesagt worden wäre. Das grosse Ziel des Teams, das in der Weltrangliste die 6. Position einnimmt, ist die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2022 in Peking.

"Wir wussten vor der letzten Saison, dass wir den Aufwand stark steigern mussten, wenn wir auf dem besten Niveau konkurrenzfähig sein wollten und wenn Olympia ein realistisches Ziel sein sollte", sagt Gisler. Letzten August trat sie als Inhaberin der Elite-Sportlerkarte von Swiss Olympic eine 60-Prozent-Stelle bei den SBB an, einem der "leistungssportfreundlichen Arbeitgeber". Sie absolviert ein zweijähriges Trainee-Programm mit vier verschiedenen Stellen innerhalb der SBB. Derzeit ist sie in Olten selbst in der Personalabteilung von SBB Cargo tätig. Das Pensum kann sie in idealer Weise periodisieren. Seit Mitte März arbeitet sie zu hundert Prozent. Ab August, wenn das Eistraining und kurz darauf die Wettkampfsaison losgeht, wird sie sich zur Hälfte der Zeit auf den Sport konzentrieren können. Das Verständnis und das Entgegenkommen des Arbeitgebers schätzt sie sehr.

Lisa Gisler ist überzeugt: "Wir sind in der Schweiz auf einem guten Level. Die Spitzenteams haben gute Bedingungen. In den letzten Jahren haben immer mehr Curler Arbeitsstellen angenommen, die ihnen diese Flexibilität bieten."

In China, Südkorea und Japan sind die besten Curler sozusagen "Staatsamateure". Sie werden so unterstützt und unterhalten, dass sie ihren Sport in Vollzeit ausüben können. Es gibt in den asiatischen Ländern jeweils mehrere Nationalteams. So etwas würde sich Lisa Gisler nicht unbedingt wünschen: "Für mich persönlich ist es wichtig, mit Beruf und Sport einen Ausgleich zu haben. Ich geniesse die Abwechslung und freue mich nach einer Wettkampfphase jeweils wieder auf die Herausforderungen im Beruf."

Skip Elena Stern hat ihrerseits eine berufliche Anstellung bei einem der derzeit 14 Arbeitgeber, die in das Projekt von Swiss Olympic und Adecco eingebunden sind: Die 25-jährige Zürcherin, die in Zürich ein Publizistik-Studium absolviert hat, arbeitet in der Kommunikationsabteilung der SWISS. Nach einem Praktikumsjahr ist sie seit vergangenem Oktober im Rahmen einer Premium-Partnerschaft zwischen SWISS und Swiss Olympic in einem reduzierten Pensum angestellt, befristet auf drei Jahre. Auch sie kann sich genügend Freiraum schaffen, um Curling so zu betreiben, wie es heute auf dem Weltniveau unabdingbar ist.

Nur auf die Karte Sport zu setzen kommt für sie zur Zeit nicht in Frage, zumal die Curlerinnen sowohl während als auch nach der Karriere nicht vom Curling leben können. Eine berufliche Ausbildung und einen beruflichen Horizont zu haben, sei für sie sehr wichtig, sagt Stern.

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