Skispringen hat mich von Kindsbeinen an gefesselt. Der ewige Traum vom Fliegen zog mich in seinen Bann. Ein Sport, für mich so unerreichbar wie der Mond oder Julia Roberts. Das gemeinsame Foto mit «Vogelmensch» Walter Steiner als achtjähriger Knirps geniesst noch heute einen Ehrenstatus im längst verblassten Album.

Und dann der Sommer 1985. Als 17-Jähriger wagte ich mich nach Skandinavien zum weltgrössten Anlass der Orientierungsläufer. 25 000 Sportler bescherten dem O-Ringen in Falun, dem schwedischen Fünf-Tage-OL, einen neuen Rekord.

Doch mehr als die (Irr-)läufe durch schwedische Tannenwälder und nicht enden wollende Sümpfe blieben mir die Nachmittage an der Schanze in Erinnerung. Zwei junge österreichische Skispringer trainierten dort Tag für Tag ganz alleine. Schnell war der Kontakt hergestellt, man traf sich im Auslauf zum Fachsimpeln. Sie wollten wissen, was ich so im Wald treibe. Ich wollte teilhaben an ihrem Abenteuer in luftiger Höhe.

Bei den zwei Skispringern handelte es sich um Ernst Vettori und Andreas Felder. Ihre Extraschicht im schwedischen Sommer trug Früchte. Vettori gewann im Winter darauf die Vierschanzentournee, wurde später Olympiasieger, Felder siegte ein halbes Jahr nach Falun bei der Skiflug-WM. Beide gehören zu den Grossen ihres Sports.

34 Jahre später im Pressecenter der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Nur Minuten nach meiner Ankunft läuft mir Ernst Vettori über den Weg. Ich habe den heute 54-Jährigen seit Falun nie mehr gesehen oder gar mit ihm gesprochen. Trotzdem schüttle ich ihm die Hand und erzähle von meinen Erinnerungen. Zu meiner Verwunderung sind auch ihm die Trainingswoche, die vielen Leute auf dem OL-Zeltplatz am Fusse der Schanze und die Gespräche mit den Schweizer Jugendlichen noch präsent. Den Schweizer Bezug hat Vettori auch in Seefeld. Unser WM-Held Killian Peier erhielt von ihm die Bronzemedaille überreicht. Wir würden noch viel Freude an Peier haben, prognostiziert Vettori. Freundlich war er schon vor 34 Jahren.