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Zurbriggen wird 50: Das «Knie der Nation» läuft noch wie geschmiert

Skilegende Primin Zurbriggen wird heute 50. Dem Skisport ist er noch immer verbunden, seine Söhne fahren Rennen, er ist im Verband aktiv. 1981 nahm er in Schladming erstmals an einer WM teil - und schied aus. Sportgeschichte schrieb 1985 sein Knie.

Richard Hegglin
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Pirmin Zubriggen wird 50.
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Das Knie der Nation Zurbriggen in der Rennbahnklinik in Muttenz, wo er sich 1985 anch der Abfahrt in Kitzbüehl einer Meniskusoperation unterziehen musste. Das Volk litt mit. 14 Tage später war Zurbriggen Abfahrts-Weltmeister.
Sieg am Lauberhorn 1987: Zurbriggen gewinnt die Kombination. Joel Gaspoz (2. v. r.) den Slalom.
Pirmin Zurbriggen am 15. Februar 1988 auf dem Weg zu seinem Abfahrts-Olympiasieg an den XV. Olympischen Winterspielen in Calgary.
Pirmin Zurbriggen im Jahr 2005 vor seinem Hotel in Saas Almagell.
Der Schweizer Ski-Ass Pirmin Zurbriggen wird an der Ski-Weltmeisterschaft 1987 in Crans-Montana, Schweiz, von seinen jubelnden Fans gefeiert. Das Schweizer Ski-Team feiert an dieser WM Medaillen-Rekorde, allein Zurbriggen gewinnt drei Medaillen.
Karl Frehsner, rechts, Trainer der Schweizer Ski-Nationalmannschaft, erteilt Pirmin Zurbriggen, links, vor dem Abfahrtsrennen der olympischen Winterspiele 1988 in Calgary Ratschläge. Zurbriggen gewinnt die Goldmedaille.
Die Medaillengewinner in der Kombination der Maenner, v.l.n.r.: Ernst Riedlsperger, Silber, Pirmin Zurbriggen, Gold, und Thomas Bürgler, Bronze, auf dem Podest an den Alpinen Siweltmeisterschaften in Bormio, Italien, am 5. Februar 1985.
Ewige Rivalen: Primin Zurbriggen und Peter Müller, hier bei den Olympischen Spielen in Calgary. Zurbriggen gewinnt in der Abfahrt vor Müller.
Pirmin Zurbriggen im Jahre 2008.
Pirmin Zurbriggen mit dem Olympischen Sliberorden, der im 2001 von Juan Antonio Samaranch verliehen wurde.
Die beiden grössten einer Epoche: Pirmin Zurbriggen und Ingemar Stenmark in Aspen 1984.
Pirmin Zurbriggen heute, hier zusammen mit Verbandspräsident Urs Lehmann.

Pirmin Zubriggen wird 50.

Keystone

Früher feierten sie Siege am Fliessband, jetzt folgen für die Skistars der goldenen Achtzigerjahre die Jubiläen Schlag auf Schlag. Den Anfang machte Erika Hess im März letzten Jahres, nun folgt Pirmin Zurbriggen, der heute in Zermatt seinen 50. Geburtstag feiert. Er fällt sinnigerweise auf den Start der Weltmeisterschaften 2013 in Schladming. Vor 31 Jahren erlebte Zurbriggen in Schladming seine WM-Premiere - und schied aus. Das ist ein Trost für die zahlreichen Debütanten, die in diesem Jahr in Schladming starten. Auch Meister fallen nicht vom Himmel. Das Rennen ist Zurbriggen noch in guter Erinnerung: «Schon zum Voraus war mir klar, dass es nicht gut herauskommt. Vor dem Riesenslalom machte ich meine Rennski kaputt. Der vertraute Ski ist so etwas wie ein zweiter Fuss. So war ich 24 Stunden vor dem Rennen noch am Testen und völlig durcheinander. Deshalb war ich vor dem Rennen schon um halb vier wach. Als jungem Fahrer fehlte mir die Erfahrung, mit so etwas umgehen zu können».

Auch zwei Jahre später am nächsten Grossanlass, den Olympischen Spielen in Sarajevo, ging Zurbriggen leer aus, verfehlte aber Bronze in der Abfahrt nur um einen Zehntel. Seine grosse Zeit kam 1985. In Kitzbühel gewann er binnen 24 Stunden zweimal die Hahnenkamm-Abfahrt. Und begann nach seinem zweiten Sieg im Zielraum zu hinken - die Ski-Schweiz schreckte auf.

Die Befürchtungen bestätigten sich: Meniskusriss. Es begann ein Rennen gegen die Zeit, in drei Wochen fand die WM statt. In einer halbstündigen Arthroskopie, damals eine neuartige Operationsmethode, entfernte Dr. Bernhard Segesser den linken Innenmeniskus. Täglich berichteten die Medien ausführlich über das «Knie der Nation». Die ganze Schweiz fieberte mit. Die Telefonleitungen in der Rennbahnklinik brachen zusammen. «Die Anteilnahme», sagt Zurbriggen, «war überwältigend. Manchmal fühlte ich mich aber nicht mehr ganz wohl in meiner Haut.» Nur zwei Wochen nach der Operation nahm Zurbriggen in Bormio das Training auf - und 20 Tage später war er Weltmeister. 1,749 Millionen schauten am Fernsehen zu, wie er vor Peter Müller Abfahrtsweltmeister wurde. Das ist bis heute TV-Quotenrekord. Zurbriggen gewann anschliessend auch die Kombination. Im Riesenslalom musste er Markus Wasmeier um fünf Hundertstel den Vortritt lassen. 1987 in Crans-Montana doppelte er nach und holte zwei Gold- und zwei Silbermedaillen - den Titel im «Riesen» am 24. Geburtstag.

Zurbriggen gewann neben WM- und Olympia-Gold viermal den Gesamtweltcup und insgesamt 40 Rennen. Im Alter von 27 Jahren trat er zurück. Mehrere Jahre gehörte er dem Swiss-Ski-Präsidium an, ehe er den Bettel hinschmiss. Er ist aber nach wie vor Präsident des Walliser Skiverbandes. Sein ältester Sohn Elia (22) bestritt in Adelboden sein erstes Weltcuprennen. Pirmin (20) fährt FIS-Rennen. Maria (17) gab vor kurzem ihr Comeback. Und Alain (14) ist auf JO-Stufe aktiv. Mit ihnen und seiner Frau Moni wird er heute feiern. Dem «Knie der Nation» geht es auch mit 50 blendend. «Es funktioniert immer noch einwandfrei. Dafür zwickt es an andern Orten.» Auch ein Jahrhundertsportler bleibt davor nicht verschont.

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