Skispringen
Gegen unverantwortliche Fremdbestimmung über den eigenen Körper: Maren Lundby hat genug

Die weltbeste Skispringerin verzichtet auf die Olympia-Saison. Sie will ein Zeichen gegen den Gewichtswahn setzen.

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Maren Lundby bei einem Weltcup-Springen.

Maren Lundby bei einem Weltcup-Springen.

Darko Bandic / AP

Maren Lundby war nicht mehr die makellose Eiskönigin. Über die glühenden Wangen der sonst berufscoolen Norwegerin kullerten Tränen, ihre Stimme brach, doch die Botschaft der besten Skispringerin der Welt war klar zu vernehmen. «Ich habe im Moment ein paar Kilo zu viel, um in der Weltspitze zu springen», sagte die 27-Jährige in einem aufwühlenden Interview im TV-Sender NRK:

«Und ich bin nicht bereit, verrückte Dinge zu tun, um dies zu ändern.»

Lundby wird deshalb auf die gesamte Olympia-Saison verzichten, die Goldmedaillen-Gewinnerin von Pyeongchang kämpft nicht um Gold in Peking. Das sei bitter, «aber eine gute Entscheidung», sagte sie, «und ich war eigentlich immer ziemlich gut darin, gute Entscheidungen zu treffen.»

Es gehe ohnehin um viel mehr als um sie selbst: Maren Lundby will ein Zeichen setzen. Gegen unverantwortliche Fremdbestimmung über den Körper von Skispringerinnen, für die Gesundheit junger Sportlerinnen.

«Ich will lieber eine lange Karriere haben»

«Im Skispringen werden extreme Anforderungen gestellt, das Gewicht ist eine davon», sagte die zweimalige Weltmeisterin: «Ich habe mein Gewicht nie unverantwortlich kontrolliert, auch das gehört zu meinem Erfolgsrezept.» Und gerade für Nachwuchsspringerinnen, «das ist meine Botschaft», solle kompromisslose Gewichtskontrolle «kein Thema» sein: «Damit kannst du alles zerstören.»

Als Normalbürgerin wäre Lundby weit von Gewichts-«Problemen» entfernt. Gewiss: Ihr Gesicht wirkt ein wenig rundlicher als vor wenigen Monaten, ihr Körper, der ohnehin nicht zu den dürrsten im Business gehörte, stabiler. Jener habe sich zuletzt «aus natürlichen Gründen» etwas verändert, sagte Lundby, ohne konkret zu werden.

Im Bereich des Hochleistungssports, zuletzt Schauplatz von Magerkeitsdebatten wie im Fall der deutschen Leichtathletin Konstanze Klosterhalfen, kann eine derartige Entwicklung bei jungen Sportlerinnen katastrophale Auswirkungen haben, fatalen Druck erzeugen.

«Ich bin glücklich. Gesundheitlich geht es mir gut wie vielleicht noch nie», sagte Lundby. Dies «nur» für den Sport zu gefährden? Kein Thema für sie, die sich zuletzt «unprofessionell» schimpfen lassen musste, weil sie die Sommersaison ausliess und bei der norwegischen «Let’s dance»-Variante im TV tanzte.

Mit dem Standing und Selbstbewusstsein einer der erfolgreichsten Springerinnen der Geschichte lässt sich leichter die Bremse ziehen als für eine Nachwuchsathletin, das weiss Lundby. Dennoch wolle sie ein Signal setzen – alles zu opfern, dazu sei sie nicht bereit: «Ich liebe Skispringen. Aber ich will lieber eine lange Karriere haben.» (sid)

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