Zürcher Sportkrise

«So ist eben der Sport»: Sportminister Filippo Leutenegger zur Zürcher Sportkrise

Zürichs Sportminister Filippo Leutenegger spricht über den Zustand des Sports in seiner Stadt.

Zürichs Sportminister Filippo Leutenegger spricht über den Zustand des Sports in seiner Stadt.

Die ZSC Lions verpassen die Playoffs, Kloten ist bereits ausgeschieden, GC taumelt dem Abstieg entgegen und auch dem FCZ gelingt momentan nicht viel. Zürichs Sportminister Filippo Leutenegger spricht über den Zustand des Sports in seiner Stadt.

GC in der Krise, der FCZ stagniert im Niemandsland, der ZSC verpasst die Playoffs, Kloten darbt in der NLB – wie sehr blutet dem Zürcher Sportminister das Herz?

Filippo Leutenegger: Natürlich tut das weh. Allerdings: So ist der Sport und es kommt immer wieder zu positiven, aber leider eben auch negativen Überraschungen. In der Fussballmeisterschaft sind noch 13 Runden zu spielen. GC kann den Ligaerhalt schaffen. Und der FCZ hat eine wirklich gute Europa-League-Kampagne gespielt, das darf man nicht einfach ausblenden. Und immerhin hat der FCZ noch die Möglichkeit, den Cupsieg zu verteidigen und damit einen wichtigen Titel in die Stadt Zürich zu holen. Dass der ZSC am Montag die Qualifikation für die Playoffs verpasst hat, ist für die ganze Organisation und natürlich auch die vielen Fans sehr bedauerlich.

Was gibt Ihnen Hoffnung auf baldige Besserung?

Gerade um die Lions mache ich mir wenig Sorgen. Die Organisation ist sehr professionell, sie wird gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse ziehen und der ZSC in der kommenden Saison wieder um den Titel mitspielen wird. Im Fussball ist es leider so, dass die beiden Stadtvereine nicht über die gleichen finanziellen Mittel verfügen wie die Konkurrenz aus Basel oder Bern. Beide Vereine leisten aber im Juniorenbereich sehr gute Arbeit. Diese wird sich über kurz oder lang auszahlen. GC wünsche ich, dass auch intern bald wieder Ruhe einkehrt, sodass sich der Verein auf die Kernaufgaben – den Fussball – fokussieren kann.

Wie ist das Verhältnis der Zürcher zum Sport?

Ich nehme Zürich als eine Sportstadt mit einer sportbegeisterten Bevölkerung wahr. Aber offenbar treibt die Stadtzürcher Bevölkerung lieber aktiv Sport, als Spielen vor Ort beizuwohnen. Darauf deuten zumindest die Zuschauerzahlen bei den Fussballspielen hin. Vom Potenzial her könnten die Zuschauerzahlen im Letzigrund weit höher liegen. Die Feststellung, dass Zürich keine Fussballstadt sei, ist daher wohl nicht ganz falsch. Im Eishockey sieht es allerdings etwas anders aus. Die ZSC Lions haben ihr Publikum gefunden und hatten in den vergangenen Jahren in der Qualifikation immer einen Zuschauerschnitt von rund 9500. Damit zählen sie auch europaweit zur Spitze. Und auch in der Stadt hat der «Z» eine grosse Fanbasis.

Wie sehr belasten Ausschreitungen wie vor FCZ - Napoli oder auch die wiederkehrenden Fan-Fehden die Stadt?

Solche Ausschreitungen sind unschön. Vor allem können sie dazu führen, dass noch weniger Fans ins Stadion gehen, was für die Klubs und den Fussball schade ist. In Bezug auf die Fan-Fehden zwischen den Anhängern der beiden Stadtklubs blieb es in diesem Jahr relativ ruhig. Hoffen wir, dass es so bleibt.

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