Sport-Trend

Sogar Roger Schawinski spricht darüber: Warum das Sixpack das Accessoire der Coronakrise ist

Nur trainieren reicht nicht: Zu einem definierten Bauch gehört auch die richtige Ernährung.

Nur trainieren reicht nicht: Zu einem definierten Bauch gehört auch die richtige Ernährung.

Im Coronalockdown achten viele Schweizer mehr als sonst auf ihre Fitness. Das Nonplusultra im Körperkult ist der Waschbrettbauch. Sportexperten erklären, was es dafür braucht.

Ende März moderierte Roger Schawinski zum letzten Mal einen Talk auf SRF. Seither ist er zu Hause und nimmt dort täglich seine Radiosendung auf. Daneben hat Schawinski viel Zeit. Zeit, die er nutzt, um sich Dingen zu widmen, für die er im Berufsleben immer eine Ausrede parat hatte. Sport zum Beispiel. So liess er kürzlich durchblicken, er wolle im hauseigenen Fitnessraum ein strenges Work-out-Programm durchziehen. Endziel: ein Sixpack.

Werden wir den bald 75-jährigen Medienpionier in Kürze mit gestählten Bauchmuskeln sehen? Wohl eher nicht. «Das war ein Witz», sagt Schawinski, angesprochen auf sein forsches Fitnessvorhaben. Er stemme zwar Gewichte, mache Liegestütze und schwitze auf dem Stepper. Aber sich in seinem Alter noch ein Sixpack anzutrainieren – das sei dann doch ein «impossible dream».

Medienpionier Roger Schawinski achtet auf seine Fitness.

Medienpionier Roger Schawinski achtet auf seine Fitness.

Schawinski mag für sich selbst den Daumen nach unten zeigen. Dass er übers Sixpack spricht, ist jedoch kein Zufall. Definierte Bauchmuskeln haben einen hohen ästhetischen Wert und gelten im Körperkult als Nonplusultra, vor allem unter Männern, immer häufiger auch bei Frauen. Der Vorteil: Auch ohne schwere Gewichte lässt sich am Sixpack feilen. Das macht es gewissermassen zum perfekten Corona-Accessoire.

In der Badi sieht man, wer trainiert hat und wer nicht

Ohnehin fügt es sich ein in eine Zeit, in der viele Schweizer die Lust entdeckt haben, mehr für ihren Körper zu tun als nur das Nötigste. An Bilder von gut besuchten Vitaparcours, joggende Städter und Homefitness-Videos auf Instagram haben wir uns in den vergangenen beiden Monaten gewöhnt. Die Coronakrise löst scheinbar einen Effekt aus, wie es ihn normalerweise nur zum Jahreswechsel gibt: Auf einmal werden wieder gute Vorsätze gemacht.

Woran liegt das? Sportarzt Roman Gähwiler ortet verschiedene Faktoren. «Man hat jetzt mehr Zeit für sich und die Leute spüren, wie ungesund es auf Dauer sein kann, wenn man zu viel daheim rumsitzt.» Eine Rolle spiele sicher auch das schöne Wetter, das nach draussen lockt, meint Gähwiler. Bis zum Sommer ist es nicht mehr weit, vielen sei es da besonders wichtig, dass sie sich im besten Licht präsentieren könnten. «In der Badi hat man die Chance zu zeigen, für was man trainiert hat.» Ob die Schwimmbäder wirklich in gewohnter Art offen haben werden, ist noch unklar. «Aber», so Gähwiler, «man will ja auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.»

Und da gehört eben auch ein definierter Bauch dazu. Mit dem nötigen Aufwand und den richtigen Übungen könne grundsätzlich jeder seine Bauchmuskeln trainieren, sagt Alexander Baumgartner, Sportphysiotherapeut aus Aarau. «Ob die Muskeln dann auch sichtbar sind, wird durch den Anteil des Fettgewebes mitbestimmt, das darüberliegt.» Das bedeutet: Neben dem Bauchmuskeltraining muss man für ein erkennbares Sixpack unter Umständen auch abnehmen und sein Bauchfett reduzieren.

Ungesunde Alternativen für Ungeduldige

Nur gut zu trainieren, reicht also nicht, auch gut essen sollte man. Barbara Harisberger ist Ernährungsberaterin im Haus des Sports in Ittigen bei Bern. Bei Harisberger melden sich Spitzenathleten, Menschen mit Krankheitsbildern und Hobbysportler mit unterschiedlichen Anliegen und Interessen. In aller Regelmässigkeit stellen Klienten ihr dieselbe Frage: Wie muss ich essen, damit ich ein Sixpack bekomme?

Die Rechnung sei eigentlich ganz einfach, sagt Harisberger. «Das Verhältnis zwischen Bedarf und Zufuhr muss stimmen.» Wer sich zu kalorienreich ernähre und nebenher zu wenig Sport treibe, der habe schlechte Karten. Das Mass mache es aus, meint Harisberger. Man dürfe nicht über die Stränge schlagen. Burger, Pizza und Schokoladentorte lassen sich mit dem Sixpack-Wunsch nur schwerlich kombinieren.

Für einen Waschbrettbauch braucht es auch Beharrlichkeit. Mit gezieltem Training und gesunder Ernährung bemerke man in der Regel nach sechs Wochen erste Resultate, erklärt Roman Gähwiler. «Entscheidend ist, welche Voraussetzungen jemand mitbringt.» Es könne Monate oder bei vorher völlig untrainierten Personen sogar Jahre bis zum Sixpack dauern.

Doch so lange warten wollen nicht alle. Immer wieder gibt es solche, die Abkürzungen nehmen. Gähwiler erzählt von der «brasilianischen» Variante, bei der Silikoneinlagen für kosmetische Zwecke ins Fettgewebe der Unterhaut operiert werden. Andere wüssten sich mit anabolen Steroiden zu helfen. Diese lassen Wasser- und Fetteinlagerungen im Körper schmelzen. «Das sind Methoden, die ich als Mediziner niemals empfehlen würde», hält Gähwiler fest. Er empfiehlt stattdessen, diszipliniert und geduldig zu sein.

Schawinski will gar keinen Waschbrettbauch

Ein Sixpack ist im Übrigen nicht nur jungen Menschen vorbehalten. Gelegentlich treffe er beeindruckende Kraftsport-Senioren mit imposanten Bauchmuskeln an, sagt Gähwiler. Aber: «Im Alter wird es deutlich schwieriger, die Muskeln sichtbar zu machen.» Einerseits werde mit den Jahren tendenziell mehr Bauchfett angesammelt. Zudem erforderten Übungen für den Bauch auch eine gewisse Beweglichkeit. «Unmöglich ist es jedoch definitiv nicht.»

Das dürften auch für den einstigen Marathonläufer und Sportfanatiker Roger Schawinski gute Nachrichten sein. Doch der scheint an einem antrainierten Sixpack letztlich kein sonderliches Interesse zu haben: «Mich mit nacktem Oberkörper ablichten zu lassen à la Wladimir Putin wäre nichts für mich. Das wäre mir zu peinlich.»

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