Eishockey

Auf die Enttäuschung folgt das Verständnis: Wie der Solothurner Eishockeyprofi Samuel Walser die Coronakrise erlebt

Der einstige EHC-Olten-Junior Samuel Walser im Kreise seiner Teamkollegen bei Fribourg-Gottéron

Der einstige EHC-Olten-Junior Samuel Walser im Kreise seiner Teamkollegen bei Fribourg-Gottéron

Wie der einstige Oltner Eishockey-Junior Samuel Walser aus Gunzgen bei Fribourg-Gottéron den Saisonabbruch erlebte und mit dem verfrühten Saisonende umgeht: «Man steht vor den Playoffs, der besten Zeit der Saison – und kann dann nicht spielen. Da war zuerst schon eine Leere da.»

Da sitzen sie alle in der Gar­derobe, die Spieler des HC Fribourg-­Gottéron. Mittendrin: Stürmer Samuel Walser aus Gunzgen. Es ist Mittwochmorgen, gegen 9 Uhr, als Trainer und Sportchef Christian Dubé seinem Team mitteilt, dass die Playoffs wegen des Coronavirus wohl doch nicht starten können und die Saison abgesagt wird. Am Abend zuvor bestritt ­Fribourg noch ein Testspiel gegen Biel, alle Beteiligten waren hoffnungsvoll, es zeichnete sich ab, dass die Playoffs wenigstens ohne Zuschauer über die Bühne gehen könnten. Doch der Wind drehte innert weniger Stunden, am Donnerstag folgte die Bestätigung: Saison abgebrochen.

Die Enttäuschung in diesem Moment war gross: «Man kann es kaum glauben. Man arbeitet den ganzen Sommer und Winter für ein Ziel, steht dann vor den Playoffs, der besten Zeit der Saison – und dann kann man nicht spielen», sagt Samuel Walser im Telefongespräch. «Wir haben daraufhin die Taschen gepackt und noch etwas die Saison Revue passieren lassen. Ich war zu Beginn schon in einem Loch, da war eine grosse Leere.»

Samuel Walser am Puck im Auswärtsspiel von Fribourg Gottéron in Lausanne im Februar.

Samuel Walser am Puck im Auswärtsspiel von Fribourg Gottéron in Lausanne im Februar.

Insbesondere auf Grund des Saisonverlaufs hätte Samuel Walser nur zu gerne die Playoffs gespielt. Mit 12 Siegen aus 16 Spielen setzte Fribourg im Schlussviertel der Qualifikation ein starkes Ausrufezeichen. «Wir haben am Schluss die Kurve nach einem schwierigen Start gekriegt, waren im Saft und haben uns riesig gefreut, als wir uns das Playoffticket sicherten. Wir hätten eigentlich nichts mehr, zu verlieren gehabt», bedauert Walser.

Auch der Playoffgegner Zug wäre ein äusserst attraktiver Gegner gewesen, in der Regular Season siegte zweimal Fribourg, zweimal Zug. «Die Qualifikation war so eng wie noch nie. Ich denke, das wäre auch in den Playoffs der Fall gewesen. Alles wäre möglich gewesen», glaubt Walser. Wer den Meistertitel gewonnen hätte, sei deshalb bloss ein grosses Ratespiel. «Ich hätte mich gefreut, wenn wir es geschafft hätten, aber vielleicht wären die ZSC Lions als Sieger der Qualifikation schon eher in einer der Favoritenrollen gewesen.»

Samuel Walser weiss, wie man erfolgreich Eishockey-Playoffs spielt: 2015 wurde er mit dem HC Davos Meister. Ein bislang einmaliges Highlight, das der 27-Jährige genauso wenig vergisst wie seine Anfangszeiten beim EHC Olten. Im Kleinholz lernte er das Hockey-Abc, ehe er via Zugs Junioren zu Kloten stiess und sich dort zu einem verlässlichen National-League-Spieler entwickelte. «Ich verfolge immer die Resultate des EHC Olten mit und nehme jeweils auch gerne am Swiss Hockey Day in Olten teil.»

Auch mit seiner Heimat, aufgewachsen ist Samuel Walser in Gunzgen, ist er nach wie vor verbunden, besucht Kollegen oder seine Eltern, die nach Boningen zogen. «Ich pflege noch einige Kontakte und besuche den einen oder anderen Event.»

Das etwas umständlichere Training

Zwei Wochen sind seit dem Saisonabbruch vergangen. Zwei Wochen, in denen bei Samuel Walser die letzte Enttäuschung dem absoluten Verständnis für die Massnahmen des Bundes wich. «Der Entscheid ist natürlich richtig. Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung. Wir müssen nun alles Mögliche tun, um das Virus eindämmen zu können», sagt er.

Walser nutzte die freie Zeit, um herunterzufahren, dem Körper die Regeneration zu geben, die er nach einer letztlich doch intensiven Saison brauchte, lüftete auf Spaziergängen mit seiner Freundin und seinem Hund den Kopf durch. Oder trieb beim Büffeln seine Ausbildung zum Betriebswirtschafter voran.

Erst seit dieser Woche hat Samuel Walser sein ganz persönliches Individualtraining wieder aufgenommen. Weil die Fitnesscenter geschlossen sind und nicht zuletzt Kontakte zu Teamkollegen nur über das Smartphone möglich sind, gestaltet sich das Training auch für Eishockeyprofis etwas schwieriger: Schweisstreibende Übungen mit Eigengewicht auf der Trainingsmatte, Velofahren auf dem Hometrainer oder Joggen stehen auf dem Programm.

«Der Sport gibt mir so viel, aber ...»

Immerhin lässt die Coronakrise die Möglichkeit zu, innezuhalten, um den Sport in Relationen zu setzen: Es zeigt auf, dass der arg gebeutelte Sport eben bloss die schönste Nebensache bleibt. «Der Sport gibt mir so viel. Ich bin der Erste, der hadert und beginnt, alles zu hinterfragen. Aber gerade jetzt sollte man einfach wieder froh sein, wenn man gesund ist. Vielleicht hilft mir diese Zeit, in Zukunft eine Niederlage gelassener zu nehmen», sagt Walser nachdenklich.

Wann es für Samuel Walser, der bei Fribourg noch einen Vertrag bis Ende Saison 20/21 besitzt, weitergeht, ist noch offen. Noch hat auch Fribourg den Start des Sommertrainings nicht terminiert. Klar ist, dass der 19. April abgewartet werden muss. Bis dann heisst es fortan selber trainieren – am besten in den eigenen vier Wänden.

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