Schiessen
Auf Lochbihler lastet der Druck des ganzen Schweizer Teams

Wenn an diesem Wochenende in Baku die ersten Europaspiele eröffnet werden, dann zählt für die Schützen der Schweizer Delegation nur eines: Möglichst einen oder gar mehrere Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu holen.

Michael Forster
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Jan Lochbihler ist Schweizer Rekordhalter im Liegendmatch.

Jan Lochbihler ist Schweizer Rekordhalter im Liegendmatch.

Nur, wer in den ausgewählten Wettbewerben stark genug abschneidet, holt einen der begehrten und begrenzten Startplätze für den sportlichen Grossanlass schlechthin. Das weiss auch Jan Lochbihler. Und deshalb stellt er die persönlichen Ziele in Baku hinter jene des Teams.

«Im Moment sieht es danach aus, als ob es für eine Finalqualifikation reichen könnte», ist er optimistisch, den Sprung unter die Ersten acht schaffen zu können.

Das eigene Resultat, ergänzt er postwendend, sei bei seinen beiden Starts – Lochbihler tritt in den Disziplinen 3x40 (50 m, Dreistellung) sowie über 10 m im Liegendmatch an – aber nur zweitrangig. «Natürlich wäre ein Podestplatz der Hammer, doch wichtiger ist ein Quotenplatz für die Olympischen Spiele.»

Der Teamgedanke

Jeweils zwei Tickets werden pro Disziplin vergeben; welcher Rang aber effektiv ein Ticket für Rio bedeutet, das hängt von der Konstellation im entsprechenden Wettkampf ab. «Viele Europäer haben bereits solche Quotenplätze geholt», weiss Lochbihler, einen zweiten können sie nicht holen.

So rutschen die Nächstrangierten nach, womit auch ein 6. oder gar 10. Platz auf einmal für einen Quotenplatz ausreichen könnte. Dass nicht automatisch jener Schütze für Rio gesetzt ist, welcher das Ticket im Vorfeld gelöst hat, spielt für Lochbihler keine Rolle.

«Wir haben ein brutal starkes Team, das macht Spass und pusht einen zusätzlich.» Sprich, man macht umso mehr, an den anderen dranzubleiben oder noch besser zu schiessen: «Gleichzeitig gönnt man einander den Erfolg aber auch.»

Neuer Schweizer Rekordhalter

Die ausgezeichnete Stimmung unter den Schweizer Spitzenschützen ist mit ein Teil des Erfolgsrezepts des 23-jährigen Holderbankers, jedoch nicht der einzige.

Er hatte zuletzt Mühe, an seine Leistungen von vor zwei Jahren anzuknüpfen. «Die Liegendschiessen waren zwar immer okay, allein, es fehlte der Exploit», so der frühere Junioren-Europameister im Dreistellungsmatch.

«Dann habe ich ein paar Einstellungen am Gewehr und der Jacke justiert, und schon war das Feeling deutlich besser. Jetzt», sagt er selbstbewusst, «kann ich gar sagen, ob ich eher einen inneren oder äusseren Zehner geschossen habe.» Anpassungen im Millimeterbereich, wenn überhaupt, sind dafür nötig gewesen, und die Aufwärtstendenz in den letzten zwei Monaten ist unverkennbar.

Was er drauf hat, zeigte er zum Beispiel Mitte Mai an der Rifle Trophy in Pilsen (Tsch), als der den Schweizer Rekord im Liegendmatch auf 628,6 Punkte verbesserte.

«Es freut mich besonders, dass es ausgerechnet der Rekord in dieser, meiner Lieblingsdisziplin, geworden ist. Da war ich eigentlich immer gut, umso mehr habe ich darauf geplangt, diesen Rekord einst zu holen.»

Besuch beim Mentaltrainer

Dass es Lochbihler in jüngster Zeit wieder besser läuft, hängt aber noch mit einem zweiten entscheidenden Punkt zusammen: dem Kopf. «Ich musste kämpfen, an die Leistungen von früher heranzukommen», so der Thaler, «verbunden mit einem leicht gesteigerten Trainingspensum.»

Es brauchte einerseits die Erfahrung, diese letzten kleinen Ungereimtheiten eliminieren zu können, andererseits musste er aber verhindern, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Das nächste (Erfolgs-)Puzzleteil soll nun ein Mentaltrainer sein. Bereits einmal habe ihm Swiss Olympic das Angebot gemacht, jetzt, beim zweiten Mal, habe er es angenommen. Vielleicht ist gerade diese Entscheidung die richtige im Hinblick auf das Erreichen des Quotenplatzes – oder gar auf ein erfolgreiches Abschneiden in Rio 2016.