Fussball
Co-Präsident Kalousek : «Unser Ziel ist es, mit einer FC Solothurn-Elf den Aufstieg zu schaffen»

Marc Kalousek ist seit diesem Jahr Co-Präsident des FC Solothurn. Der 32-Jährige zeichnet für den sportlichen Bereich verantwortlich.

Pius Rüegger
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Das Co-Präsidium des FC Solothurn mit Samuel Scheidegger (l.) und Marc Kalousek

Das Co-Präsidium des FC Solothurn mit Samuel Scheidegger (l.) und Marc Kalousek

Pius Rüegger

«Ich trage Rot-Weiss in meinem Herzen. Ich habe Rot-Weiss immer vor meinen Augen», umschreibt Marc Kalousek seine Motivation, den FC Solothurn zusammen mit dem bisherigen Allein-Präsidenten Samuel Scheidegger im Co-Präsidium zu leiten. Seine Verbundenheit mit dem Stadtklub begann als F-Junior. Anschliessend durchlief er sämtliche Juniorenstufen und klopfte sogar an die Tür der ersten Mannschaft.

«Als der FC Solothurn den Nachwuchsbereich auf Spitzenfussball umstellte, wechselte ich für ein halbes Jahr zu Blustavia Solothurn und hatte dort unseren heutigen Marketing-Chef Raphael Scheidegger bei den D-Junioren als Co-Trainer», erzählt der 32-Jährige. Sein sportlicher Höhepunkt war, als er es als 17-Jähriger gegen den FC Basel bei der 1:4-Niederlage in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups 2005/06 auf die Ersatzbank schaffte.

In der 1. Liga zum Zuge kam er nur einmal im Spitzenspiel gegen Biel. Anschliessend wurde Kalousek an den FC Subingen ausgeliehen, kehrte aber wegen Heimwehs bald in die Hauptstadt zurück. «Dann ging ich meinen eigenen Weg und fasste bei Blustavia Fuss. Wir stiegen nach zwei Jahren in die 2. Liga auf.» Danach unterbrach er seine fussballerische Karriere wegen eines halbjährigen Auslandaufenthalts in Los Angeles 2010. Der Kontakt zum FC Solothurn blieb. Nach seiner Rückkehr spielte er im U21-Team, ehe er mit 24 Jahren aus beruflichen Gründen aufhörte.

Seit dem Jahr 2014 gehört er zum Vorstand des FCS

In Solothurn geboren und ab der 3. Klasse bis zum 21. Altersjahr in Oberdorf wohnhaft, lebt Kalousek nach seinem Aufenthalt in den USA und einer Zwischenstation in der Solothurner Vorstadt jetzt in Feldbrunnen. Nach seiner Lehre als Polymechaniker bildete er sich berufsbegleitend zum Technischen Kaufmann aus, um mit 22 Jahren in den Familienbetrieb Kalant AG im Bereich allgemeine Antriebstechnik vor allem für die Automobil- und Medizinalindustrie einzutreten. Vor drei Jahren übernahm er die Geschäftsführung des am 1. Mai 2020 30 Jahre alt gewordenen Unternehmens am Hunnenweg beim Vorstadtschulhaus.

Im Jahr 2014 wurde Kalousek von seinen Freunden Sylvan Studer, Samuel Scheidegger und Fabian Brunner angefragt, im Vorstand des FC Solothurn mitzuarbeiten. «Ich wurde angefragt, weil ich den Verein als ehemaliger Spieler am besten kannte und an die Heimspiele ging», dies die Beweggründe. «Wir wussten von den vielen Schulden. Unser Ziel war es, mit unserem Netzwerk und Elan die Finanzen ins Lot zu bringen. Der sportliche Bereich lag bei Rony Vetter und Francisco Fernández, der soeben den Berufstrainerlehrgang (BTL) in Magglingen erfolgreich abgeschlossen hatte, in besten Händen», schildert Kalousek weiter.

«Seit drei Jahren steht der Verein finanziell gut da. Es war ein harter Kampf um die Sponsoren», fügt er an. Kalousek wuchs «Schritt für Schritt» in seine Aufgaben hinein. Weil sich Präsident Scheidegger aus beruflichen Gründen entlasten wollte, musste nach einer neuen Führungslösung gesucht werden. Die Firmenleitung und das Vereinspräsidium passen für Kalousek vom Aufwand her nicht zusammen, deshalb kommt für ihn eine alleinige Präsidentschaft nicht in Frage. So kam es zum Co-Präsidium.

Während sich Scheidegger um die Finanzen kümmert, ist Kalousek für den sportlichen Bereich mit den zwei Geschäften 1. Mannschaft und Nachwuchs mit 250 Junioren sowie das Marketing und die Anlässe zuständig. «Ich bin stolz, jetzt Co-Präsident und in der Vereinsführung zu sein, denn als kleiner Bub konnte ich nicht mal meine Fussballschuhe selber binden», erfreut er sich an diesem Ehrenamt.

Die Sponsoren halten dem Klub weiter die Treue

Das Engagement von Hans-Peter «Bidu» Zaugg im Dezember 2015 als Trainer und sein Wechsel zum Sportchef auf die Saison 2017/18 hin bildeten den Startschuss zu einer sportlichen Offensive. Nachdem der erste Dreijahresplan mit der schmerzhaften 0:3-Niederlage im Aufstiegsrückspiel in Münsingen am 9. Juni 2018 scheiterte, wurde das sportliche Ziel mit einem Aufstieg in die Promotion League zuerst während der zwei Spielperioden bis 2018/19 mit Dariusz Skrzypczak und jetzt mit Jürg Widmer neu definiert. «Wir haben einen Businessplan, wollen uns aber zeitlich nicht unter Druck setzen. Unser Ziel ist es, mit einer FCS-Elf, also mit eigenen Spielern, den Aufstieg in Ruhe zu schaffen; auf dem Papier ist es möglich, aber es braucht auch etwas Glück», blickt der Co-Präsident in die Zukunft.

Vorerst ist der FC Solothurn durch die Coronapandemie zusätzlich gefordert. Der Betrieb der ersten Mannschaft musste gänzlich eingestellt werden. Das Erstliga-Komitee bereitet entsprechende Szenarien vor, um je nach Behördenentscheid zum Amateursport den Trainings- und Spielbetrieb mit einer einmonatigen Vorlaufzeit wieder aufnehmen zu können. Dies gilt auch für den auf den 10. Februar 2021 angesetzten Cup-Achtelsfinal gegen den Challenge- League-Klub Kriens.

Kadermässig wird auf die bestehende Mannschaft gesetzt. Den dritten Rang beim Unterbruch wollen die Ambassadoren nützen, das führende Duo Biel und Baden unter Druck zu setzen. Im Juniorenbereich konnte der kontaktlose Trainingsbetrieb im technischen Bereich in Kleingruppen wieder aufgenommen werden. «Unsere Junioren-Trainer sind durch diese Gruppenbildung mit zusätzlichem Aufwand gefordert, auch die Garderoben-Benützung ist weiterhin nicht gestattet», sagt Kalousek.

Finanziell fallen die Einnahmen-Ausfälle aus dem Stadion- Restaurant und den Matchbällen ins Gewicht. Im Sponsoring sieht es hingegen gut aus. «Wir haben keine Fälle, in denen sich Sponsoren zurückgezogen haben, weil uns lokale und regionale Firmen unterstützen. Sehr erfreulich ist, dass wir in dieser schwierigen Zeit mit unserem Hauptsponsor BMW Autoverkehr Zuchwil um zwei Jahre verlängern konnten», verweist Kalousek auf das Budget. «Wir haben vorsichtig gerechnet, um auf Ausfälle gerüstet zu sein, was uns Sicherheit gibt.»