Eishockey ist im Prinzip ein einfaches Spiel, wenn man gewissen Grund-Prinzipien beherzigt. Mit Mut, Kampfkraft und vor allem Leidenschaft kommt man schon mal sehr weit. Gesellen sich auch noch Talent und Glück dazu, dann sind die Zutaten für einen gelungenen Auftritt eigentlich schon beisammen. Der EHC Olten legte in Biasca viele dieser Tugenden an den Tag. Vor allem Mut, Kampfkraft und – ganz wichtig – Leidenschaft.

Da war eine Mannschaft am Werk, die zwar bei weitem keinen fehlerlosen Auftritt hinlegte, einen unangenehmen und unberechenbaren Gegner aber trotzdem mehrheitlich im Griff hatte. Am Ende resultierte ein deutlicher 5:1-Sieg, der den Oltnern weiterhin die Option, den vierten Tabellenplatz und somit das Heimrecht in der ersten Playoff-Runde zu erringen, offen hält.

Viel wichtiger war aber, dass der EHC Olten im Tessin an die Leistung beim 4:3-Sieg in Ajoie vom letzten Samstag anknüpfen konnte. Da war endlich eine Mannschaft am Werk, die diesen Namen verdiente. Und – so abgedroschen es tönt – wer auf dem Eisfeld Vollgas gibt und die oben genannten Prinzipien beherzigt, der zwingt dann auch das Glück auf seine Seite.

Exemplarisch war dabei der entscheidende Treffer zum 3:1 für die Oltner. Justin Feser spielte die Scheibe halbhoch vor das Rockets-Tor. Dorthin unterwegs war auch Diego Schwarzenbach und spedierte den Puck schliesslich mit seinem Körper ins gegnerische Netz. Ausgerechnet Schwarzenbach, einer der Oltner «Kummerbuben», erzielte ein typisches «Müll-Tor» durch ganz simplen Körpereinsatz. Getreu dem Motto: «Wer dorthin geht, wo es weh tut, der wird belohnt.»

Mehr kreativer Spielraum

Es ist spürbar, dass der neue EHCO-Trainer Bengt-Ake Gustafsson die taktischen Fesseln etwas gelöst hat und seinen Spielern mehr kreativen Freiraum gewährt. Das sah zwar über weite Strecken sehr spektakulär aus, offenbarte dafür auf der anderen Seite aber erhebliche defensive Mängel. Die Tessiner kamen besonders im zweiten Drittel und gegen Ende des Spiels zu mehreren hochklassigen Chancen, bei welchen Dominic Nyffeler ein paar Mal seine ganze Klasse zeigen musste.

Er macht im Kampf um die Position des Goalie Nummer eins in den Playoffs beste Werbung in eigener Sache. Apropos Defensive: der neue Verteidiger Simon Barbero, der erst am Spieltag zur Mannschaft stiess, zeigte in Biasca einen überzeugenden Einstand und gefiel vor allem mit seinem guten Stellungsspiel und seiner physischen Präsenz. Er könnte für die Oltner im weiteren Verlauf der Saison eine echte Verstärkung sein.

Letztlich war dieser Sieg in Biasca auch ein weiterer Schritt in Richtung Wiederherstellung des Selbstvertrauens. Mit Schwarzenbach, Stefan Mäder, Remo Hirt und Marco Truttmann trafen alles Spieler, die jedes Erfolgserlebnis brauchen können. Ein Musterbeispiel eines Spielers, dem in den letzten Wochen fast alle Qualitäten abhanden gekommen waren und der nun wieder aufblüht, ist Mäder, der in Biasca zwei Skorerpunkte buchte, physisch sehr präsent war und zurecht zum besten Akteur seiner Mannschaft gewählt wurde.

Er war nicht rundum zufrieden mit dem Auftritt («Es hätte auch viel knapper ausgehen können»), freute sich aber an der Tatsache, dass man den Ajoie-Sieg bestätigen konnte. «Jetzt müssen wir zu Hause gegen La Chaux-de-Fonds beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind», blickte der kräftige Center bereits auf die nächste Aufgabe voraus.

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