EHC Olten

VR-Präsident Marc Thommen blickt zurück: «Es war nicht immer eine lustige Zeit»

EHCO-VR-Präsident Marc Thommen erlebte eine paar unliebsame Überraschungen.

EHCO-VR-Präsident Marc Thommen spricht im Interview über fehlende Strukturen in der Organisation, markante Veränderungen im Stadion Kleinholz und den grossen Spardruck, der an der GV im August ausführlich erläutert werden wird.

Sie haben sich kürzlich innerhalb des EHCO-Verwaltungsrats zu einer Retraite getroffen. Wie sehen die Erkenntnisse aus?

Marc Thommen: Wir haben uns auf dem Sälischlössli getroffen, um uns in vielerlei Hinsicht einen Überblick zu verschaffen. Einerseits sind wir als EHCO-VR nun zwei Jahre zusammen unterwegs. Wir haben diese schnelle Zeit Revue passieren lassen. Andererseits haben wir uns über Visionen, Strategien und Ziele ausgetauscht.

Wie viele böse Überraschungen haben Sie in diesen zwei Jahren als EHCO-VR-Präsident erlebt?

Sehr viele. Ich kann nicht alle aufzählen, das würde den Interviewrahmen sprengen. Klar ist: Es war in den letzten zwei Jahren nicht immer eine lustige Zeit. Vielleicht gehört das auch ein wenig dazu. Wir hatten klar definiert, wie der Klub daherkommen soll. Auf diesem Weg befinden wir uns, bauen am Gerüst. Da kommt die eine oder andere Baustelle zum Vorschein, die man nicht erwartet hat. Aber wir sind nach wie vor sehr motiviert, diesen Weg kontinuierlich zu beschreiten. Schon nur, was alles bewegt wurde seit dem Saisonende, ist einfach beeindruckend.

Können Sie sagen, welche Baustellen zum Vorschein gekommen sind? Und wie stark muss der EHCO aktuell dafür bluten?

Ich kann Ihnen versprechen: Wir werden an der Generalversammlung am 19. August unseren Aktionären ausführlich Auskunft geben. Wir wollen diese Transparenz schaffen und aufzeigen, was Tatsache war.

Wurden Sie überrascht, wie schwierig es ist, einen Klub wie den EHC Olten nach unternehmerischen Gesichtspunkten führen zu können?

Ich glaube nicht, dass es schwierig ist, einen Sportklub ordentlich zu führen. Aber eine Sportorganisation dorthinzubringen, wo sie sein sollte, ist die grosse Schwierigkeit. Wir hatten bislang keine Strukturen, wir mussten ganz einfache Grundlagen erschaffen, gewisse Basics erarbeiten. Wir mussten beispielsweise Pflichtenhefter für Mitarbeiter erstellen. Die gab es schlichtweg nicht. Der Klub ist aus dem Nichts stark gewachsen. Vor 14 Jahren war der EHC Olten quasi inexistent. Dann wuchs der Klub um einige wenige Leute herum, die unglaublich gewirbelt und gekämpft haben, dass es einen erfolgreichen EHCO gibt. Ich bin überzeugt, dass sie es aus tiefstem Herzen im guten Willen gemacht haben. Aber vielleicht hätte man einmal sagen müssen: Es ist nun die Maximalgrösse erreicht, jetzt müssen wir uns zuerst um Strukturen und die Prozesse bemühen. Ein Klub muss auf gesunden Füssen stehen.

Das tönt ziemlich aufwendig...

Das ist so und wir machen das Ganze ja nicht auf einer grünen Wiese, sondern während des laufenden Geschäfts. Aber man erlebt viel Positives. Wir konnten zum Beispiel Anfang Juni den Ticketvorverkauf für die Meisterschaft im September starten – ich glaube, das gab es schon lange nicht mehr.

Gab es bei Ihnen während dieser Aufräumarbeiten nie den Moment, in welchem Sie den Bettel hinschmeissen wollten?

(überlegt lange) Nein. Ich muss es vielleicht so sagen: Wo stehen wir heute? Für mich ist der EHCO in einer Auf- und Umbruchphase mit Herz und Leidenschaft. Klar gibt es Tage, an denen man die Hände verwirft und sagt: «Bitte das nicht auch noch.» Es kann die Nerven ziemlich strapazieren. Aber ganz ehrlich: In welchem Job gibt es solche Situationen nicht? Wir sind mit unserer Marke EHC Olten nun seit zwei Jahren unterwegs, während denen ich täglich positive Resonanz spüre. Der EHCO geniesst lokal und regional sehr viel Sympathie. Wir haben viele treue, langjährige Partner. Aber da können wir uns nicht darauf ausruhen.

Ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Genesung ist Geschäftsführer Patrick Reber, der seit acht Monaten amtet. Wie erleben Sie ihn?

Patrick ist sehr wertvoll für den EHC Olten. Er leitet das Operative ausgezeichnet, setzt auch unsere Ideen um. Auch auf der Geschäftsstelle ist sehr viel passiert. Man muss sehen: Wir haben eigentlich drei Teams: die sportliche Mannschaft, das Verwaltungsrat- und das Geschäftsleitungsteam. Auch diese drei müssen untereinander harmonieren, um Erfolge feiern zu können.

Wie wichtig war es, dass jemand wie Patrick Reber in die Organisation kommt, der eine Aussensicht mitbringt und nicht aus dem Oltner Kuchen kommt?

Das ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Wenn man lange in einer Organisation eingebunden ist, wird man mit der Zeit fast «betriebsblind». Man hinterfragt vieles gar nicht mehr. Kommt dann jemand von aussen, bringt dieser einen neuen Blickwinkel mit. Und ich stelle fest: Der EHC Olten hat schweizweit einen hervorragenden Ruf, man wird ernst genommen und hat ein Gewicht in der Swiss League. Mir ist wichtig, dass wir in vielerlei Hinsichten eine Vorreiterrolle einnehmen.

In den vergangenen Monaten ist auch bei der Planung neben dem Eis viel passiert. Zum Beispiel beim Catering.

Nun, wir sind Ende Saison mit der Migros an den Tisch gesessen und zur Erkenntnis gekommen, dass es für beide Parteien am besten ist, den um ein Jahr weiterlaufenden Vertrag vorzeitig zu beenden. Die Migros war dabei immer sehr fair und konstruktiv. Nun haben wir mit Dani Peyer einen sehr erfahrenen Mann gefunden. Er hat mit seinem Catering-Service und seinen Gastronomiebetrieben über viele Jahre einen exzellenten Job in unserer Region gemacht, zuletzt auch als Cateringpartner in Langenthal. Wir sind froh, konnten wir ihn für uns gewinnen.

Was dürfen die EHCO-Fans punkto Catering erwarten?

Wir konnten mit Feldschlösschen einen starken Getränkepartner finden. In diesem Zusammenhang werden wir in der Curling-Halle eine Feldschlösschen-Lodge eröffnen, die eine Begegnungszone aller EHCO-Fans werden soll. Sie wird neben dem Mobi-Beizli installiert und erhält aussen einen direkten Treppenzugang für die Stehplatzbesucher. Eröffnet werden soll sie anlässlich des ersten Heimspiels. Vor der Lodge werden drei Chalets mit Buvetten zu stehen kommen. Ich freue mich riesig darauf, weil es ein Mehrwert für jeden einzelnen EHCO-Matchbesucher sein wird. Die entsprechenden Baugesuche für die Umsetzung wurden in diesen Tagen eingereicht.

Wer viel Bier trinkt, muss aber auch hin und wieder auf die Toilette ...

Auch da sind wir auf einem guten Weg. Konkret geplant ist beim bisherigen provisorischen WC-Wagen eine fixe Anlage. Ob die bauliche Umsetzung auf Anfang Saison klappt, kann ich nicht versprechen. Zudem müssen wir noch eine Vereinbarung mit der Sportpark AG treffen, da wir ja nur Mieter im Kleinholz sind.

Kann man zusammenfassend sagen, dass man mehr in die Infrastrukturen und Strukturen im Verein investiert hat und weniger in den sportlichen Bereich?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Der sportliche Teil ist immer noch der grösste Brocken des Budgets. Ich bin der Meinung, dass wir heute eine sehr kompetitive Mannschaft haben. Sportchef Marc Grieder hat sehr gute Arbeit geleistet. Unsere Vision ist klar: Wir wollen der führende Eishockeyklub im Mittelland sein mit Stabilität, Nachhaltigkeit und Kontinuität. Für uns ist deshalb wichtig, dass wir das mal alles strukturiert haben. Ich behaupte, dass unsere Mannschaft sicher nicht schlechter ist als letzte Saison. Dabei finde ich wichtig, dass all unsere Mitarbeitenden die vier P verfolgen, die uns wichtig sind: Passion, Perspektive, Professionalität und Power.

Man hatte in den vergangenen Jahren das Gefühl, dass sehr viel Geld in die Mannschaft geflossen ist, aber nicht immer mit einem konkreten Plan.

Ich will nicht sagen, dass alles falsch gemacht wurde. Aber man muss sehen: Man hat Spieler für gutes Geld nach Olten geholt, die in anderen Klubs gute Leistungen erbracht haben, aber hier im Kleinholz nicht mehr an diesen anknüpfen konnten. Heute möchten wir einen anderen Weg gehen. Es war auch ein Weg, den wir uns schlicht und einfach nicht mehr leisten konnten. Das hören Sie übrigens auch in Kloten oder Langenthal. Da werden nicht alle gewünschten Lohnsummen bezahlt.

Wie ist Ihr Eindruck des neuen Trainers Fredrik Söderström?

Sehr positiv! Fredrik hat uns überzeugt, mit seiner Philosophie, seinem Denken, seinem Spirit. Man muss sich vorstellen: Sein Vertrag läuft erst ab August, aber er war schon zweimal hier in Olten, wollte das Team, den Klub, die Gegend kennen lernen. Er identifiziert sich und ist bereits jetzt mit grossem Elan an der Arbeit. Er verfolgt klare Ziele.

In diesen Tagen wird der Spielplan veröffentlicht. Die Swiss League hat dank des Aufstiegs von Sierre endlich wieder 12 Mannschaften. Zufrieden?

Das ist eine grossartige Sache. Die Situation, die wir hatten, mit acht Spielen gegen Langenthal und dazu noch sechs weitere Playoff-Begegnungen, das war sehr unbefriedigend. Nun spielt jedes Team je zweimal daheim und auswärts gegen jeden. Die Bedeutung der einzelnen Spiele nimmt wieder zu. Ich bin gespannt auf Aufsteiger Sierre und den Einfluss von dessen Partnerorganisation Servette Genf – vor allem, wenn es um das Abstimmungsverhalten an den Ligaversammlungen geht. Es gibt ja auch wieder einen Absteiger, was am Tabellenende die Spannung erhöht. Nun müsste man nur noch eine Reform hinkriegen mit dem Aufstiegsmodus in die National League.

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