Ihre Augen sind den Tränen nahe. Natürlich ist Jenny Perret nach dem verlorenen Final enttäuscht. Sie sagt im TV-Interview direkt nach dem Spiel: «Kanada war klar besser. Sie haben verdient gewonnen, ihre super Woche gekrönt. Wir waren eindeutig zu fehlerhaft. Sind nie wirklich ins Spiel gekommen. Die Final-Qualifikation war sicher schön. Aber nun geht es wohl ein paar Tage, bis ich mich über die Silber-Medaille freuen kann.»

Etwas gefasster nimmt Martin Rios die Niederlage hin. Zuerst entschuldigt er sich bei seiner Partnerin: «Über weite Strecken musste Jenny gegen drei spielen. Ich habe meine beste Leistung nicht abrufen können. Warum? Ich kann es mir noch nicht erklären. Vielleicht war ich zu wenig nervös. Natürlich tut es momentan weh. Aber solche Erlebnisse gehören nun eben zum Sport. Nun heisst es: Daraus lernen und wieder aufstehen.»

Und wie geht es weiter? Rios: «Vielleicht geht es ja weiter bis Sion 2026. Da bin ich zwar ein noch älterer Sack. Aber irgendwann möchte ich ja mal der älteste Schweizer Teilnehmer sein.»

Der Final ist früh vorentschieden

Die hoch favorisierten Kanadier Kaitlyn Lawes und John Morris waren im Final zu stark und siegten 10:3. Nach sechs von acht Ends gaben die Schweizer in hoffnungsloser Lage auf.

Da sie die Round Robin im 1. Rang abgeschlossen hatten, startete das Duo aus Winnipeg (Lawes) und Calgary (Morris) mit dem Vorteil des letzten Steins in die Partie. Sie nutzten die Vorgabe mit einem schön herausgespielten Zweier. Diesen Rückstand machten Perret/Rios zwar umgehend wett, aber bereits im 3. End fiel die Vorentscheidung, als die Kanadier eine Reihe von Schweizer Fehlsteinen konsequent ausnützten und mit einem Viererhaus auf 6:2 davonzogen.

Vor 20 Jahren in Nagano erlebte das moderne Indoor-Curling der Viererteams seine olympische Feuertaufe. Die Formation von Lausanne Olympique um Skip Patrick Hürlimann gewann Gold. Dieser Tage in Japans Nachbarland Südkorea ist das erst vor zehn Jahren vom Curling-Weltverband WCF mit WM-Turnieren lancierte gemischte Doppel die brandneue Disziplin in den olympischen Curling-Wettkämpfen. Und wieder hat sich eine Schweizer Crew mit Edelmetall in den Vordergrund gespielt.

Die 26-jährige Perret und der zehn Jahre ältere Rios, die aktuellen Weltmeister, hatten gegen die übermächtig scheinenden Kanadier in der Vorrunde 2:7 verloren. Damals kam Jenny Perret bei weitem nicht an ihr mögliches Können heran. Die Seeländerin aus Sutz nahm sich nach eigenen Worten vor, sich im Final zu steigern. Dies glückte ihr jedoch nur teilweise, sodass die hochdekorierten kanadischen Curler - Morris und Lawes wurden 2010 respektive 2014 jeweils als Nummern 3 in den Teams von Kevin Martin und Jennifer Jones Olympiasieger - abermals früh im Match eine deutliche Differenz herstellen konnten.

Der 2. Platz des Duos Perret/Rios trägt dem Schweizer Curlingsport die sechste Medaille seit der Wiederaufnahme ins Olympia-Programm 1998 ein. Die stolze Sammlung umfasst einmal Gold (Patrick Hürlimann 1998), zweimal Bronze und nunmehr dreimal Silber.