Die Toskana hat zwei der aktuell bekanntesten italienischen Komiker hervorgebracht. Roberto Benigni kennt man spätestens seit dem Oscar prämierten Welterfolg «La vita è bella» auch ausserhalb Italiens. Und der in Florenz geborene Leonardo Pieraccioni gehört im «Bel Paese» nach zahlreichen Kinohits mittlerweile ebenso zu den Stars der Branche.

Wenig Sinn für Humor zeigten letzte Woche jedoch einige Anhänger der AC Fiorentina. Nachdem sich die Anzeichen verdichtet hatten, dass der Portugiese Paulo Sousa das Traineramt bei den Florentiner übernehmen würde, besprühten Unbekannte an mehreren Orten der Stadt diverse Hauswände, Trottoirs und Mülltonnen mit Schmähschriften gegen den Noch-Basel-Coach.

Sousa schoss Juve auch schon einmal ab

Das Motiv? Sousas Vergangenheit als Spieler von Rekordmeister Juventus Turin stösst dem harten Kern der Fiorentina-Anhänger sauer auf. Mit den Bianconeri wurde Sousa italienischer Meister und gewann 1996 die Champions League. Dass der brillante Techniker nur ein Jahr später im Trikot von Borussia Dortmund dasselbe Juventus im Champions-League-Final von München besiegte, scheinen die Sprayer absichtlich vergessen zu haben.

Um die Rivalität zwischen den «Bianconeri» und der «Viola» (benannt nach den Klubfarben) zu verstehen, muss man in der Geschichte weiter zurückgehen. Vor dem letzten Spieltag der Saison 1981/82 lagen Turiner und Florentiner punktegleich an der Tabellenspitze. Der Fiorentina wurde beim Auswärtsspiel in Cagliari ein reguläres Tor von Stürmer Graziani annulliert.

Theater und ein amerikanischer Mafioso

Die Begegnung endete unentschieden während Juventus in Catanzaro durch einen Foulelfmeter in der 75. Minute das Spiel und somit die Meisterschaft für sich entscheiden konnte. Der bekannte Film- und Opernregisseur Franco Zefirelli, ein leidenschaftlicher Fan Fiorentinas, beschimpfte daraufhin den damaligen Juventus-Präsidenten Gianpiero Boniperti als «amerikanischen Mafioso». Dieser klagte vor Gericht.

Zwei Monate später gewann Italien in Spanien seinen dritten WM-Titel – mit Spielern aus beiden Teams. Das eklatanteste Beispiel allerdings betrifft das Wechseltheater um Roberto Baggio im Mai 1990. Der damals 23-jährige Baggio galt als kommender Star der Branche: Dribbelkünstler, Spielmacher und Vollstrecker in einem. 17 Saisontore hatte er erzielt, eines weniger als Torschützenkönig Marco van Basten, aber zwei mehr als der grosse Diego Armando Maradona.

Sousa wäre nicht der Erste

Fiorentinas Präsident Flavio Pontello war daran, den Verein an den Filmproduzenten Mario Cecchi Gori zu verkaufen. Dieser wollte Baggio unbedingt in Florenz halten. Aber Pontella hatte den Jungnationalspieler bereits verkauft. So wechselte Baggio für die damalige Rekordablösesumme von 25 Milliarden Lire (etwa 20 Millionen Franken) zu Juventus. In Florenz kam es daraufhin zu Tumulten und Strassenschlachten mit der Polizei. Sogar die italienische Nationalmannschaft, die sich im nahe gelegenen Coverciano auf die Heim-WM vorbereitete, wurde durch erboste Fans heimgesucht.

Die Ursache für den Widerstand gegen Sousa ist in diesem historisch gewachsenen Dualismus zu finden. Dabei geht allerdings vergessen, dass es zwischen den beiden Teams immer wieder Wechsel gegeben hat, beispielsweise Giovanni Trapattoni und Cesare Prandelli als Trainer sowie Claudio Gentile und Angelo Di Livio als Spieler.

Der Portugiese soll anfans nächster Woche vorgestellt werden

Für die Klubführung ist der Wechsel Sousas an den Arno bereits beschlossene Sache. Fiorentinas Generaldirektor Andrea Rogg meinte nach einer Vorstandssitzung, er könne die Befürchtungen der Fans zwar verstehen, aber der 44-jährige Lusitaner passe perfekt ins Anforderungsprofil der Vereinsführung. Das Team brauche jetzt einen Übungsleiter, der die Werte des Vereins und den bisherigen Spielstil weiterführe.

Sousa wird eine spielstarke Mannschaft vorfinden, welche unter Vorgänger Vincenzo Montella einen erfrischenden Angriffsfussball mit viel Ballbesitz und schnellem Umschalten von Defensive auf Offensive praktizierte. In Florenz geht man davon aus, dass Sousa Anfang nächster Woche einen Zweijahresvertrag plus Option auf eine dritte Saison unterschreiben wird. Das Jahressalär soll sich wie schon in Basel auf etwa 1,4 Millionen Euro belaufen.