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Spitzenschwinger suchen die Topform: Die grosse Übersicht

Die vier meistgenannten Königsanwärter hinterlassen sechs Wochen vor dem Saisonhöhepunkt keinen unwiderstehlichen Eindruck. Auf der Rigi, am Oberländischen und am Südwestschweizer Verbandsfest folgen am Wochenende die nächsten Bewährungsproben.

Königsanwärter

Armon Orlik (24)

© Alexandra Wey/Keystone

Teilverband: Nordostschweiz. – Kränze: 40. – Kranzfestsiege (Total/2019): 16/5.

Am Nordostschweizer Verbandsfest gelang Orlik vor zwei Wochen bereits der fünfte Saisonsieg. Nach dem Triumph kam mediale Unruhe auf. Der Boulevard meldete mit Hilfe eines Leservideos, Orlik sei von Domenic Schneider bezwungen worden. Der ruhige Bündner nahm dazu keine Stellung. Eine Woche später riss am Innerschweizerischen seine Serie. In Flüelen wirkte er erstmals in dieser Saison verwundbar.

Joel Wicki (22)

© Alexandra Wey/Keystone

Teilverband: Innerschweiz. – Kränze: 41. – Kranzfestsiege: 10/2.

Wicki lächelt uns zurzeit in den Filialen eines Grossverteilers oder von dessen Lastwagen entgegen. Dass der Entlebucher König werden will, ist längt bekannt. Seine Schwäche ist die verhältnismässig geringe Körpergrösse. Er misst nur 1,82 m. Die Konkurrenten Orlik (1,90 m), Giger (1,93 m) und Reichmuth (1,98 m) überragen ihn. Dafür ist seine Explosivität einzigartig. Von der Topform ist er noch ein kleines Stück entfernt.

Samuel Giger (21)

© Ennio Leanza/Keystone

Teilverband: Nordostschweiz. – Kränze: 33. – Kranzfestsiege: 13/0.

Dieses Wochenende wird nächste Erkenntnisse über den Formstand des Naturtalents liefern. Giger, zuletzt länger verletzt und erst vor zwei Wochen zurückgekehrt, wird am Sonntag am Südwestschweizer Verbandsfest als Gast antreten – auch Joel Wicki nimmt dort teil. Bei seinen beiden Kranzfesteinsätzen in dieser Saison kassierte er vier Gestellte. Und das gegen Kontrahenten, die er besiegen muss, wenn er in Zug den Titel will.

Pirmin Reichmuth (23)

© Alexandra Wey/Keystone

Teilverband: Innerschweiz. – Kränze: 15. – Kranzfestsiege: 3/3.

Die ersten drei Kranzfeste gewann er überlegen. Am Luzerner Kantonalen triumphierte er sogar, ohne richtig fit zu sein. Die Überlegenheit schien ihn einzulullen. Am Innerschweizerischen wurde er wachgerüttelt, als ihn der Obwaldner Benji von Ah auf den Boden drückte. Reichmuth ist die Selbstverständlichkeit abhanden gekommen. Am Sonntag auf der Rigi wird er trotzdem wieder zu den Favoriten gehören.

Mitfavoriten

Christian Stucki (34)

© Marcel Bieri/Keystone

Teilverband: Bern. – Kränze: 126. – Kranzfestsiege: 41/0.

Irgendwann im Leben muss jeder Sportjournalist einmal die Wendung «Der Seeländer Hüne» einsetzen. Und im selben Anlauf sollte man schreiben, dass der Seeländer Hüne Mühe hat, über zwei Tage Topleistungen zu bringen. Weil das Eidgenössische zwei Tage dauert, hat Stucki keine Chance, heisst es. Gewichtiger dürfte die Frage sein: Ist Stucki bis im August von seiner Verletzung erholt? Wenn ja, gehört er zum Favoritenkreis.

Bernhard Kämpf (31)

© Peter Klaunzer/Keystone

Teilverband: Bern. – Kränze: 76. – Kranzfestsiege: 7/2.

Er steht im Schatten der grossen Berner Namen. Seine beiden Brünig-Siege sprechen dennoch für sich. In der vergangenen Saison fiel Kämpf wegen einer Hüftoperation komplett aus. Dieses Jahr gewann er bereits zwei Kranzfeste. Trotzdem ist schwer abzuschätzen, wie stark er tatsächlich ist. Bei den Siegen am Mittelländischen und am Oberaargauischen musste er nur einmal einen Eidgenossen anfassen.

Sven Schurtenberger (27)

© Alexandra Wey/Keystone

Teilverband: Innerschweiz. – Kränze: 44. – Kranzfestsiege: 5/1.

Ausserhalb des Sägemehls muss sich keine Fliege vor Schurtenberger fürchten. Der 133 Kilogramm schwere Schwinger aus Buttisholz ist ein sympathischer, aufrichtiger Mensch. Doch innerhalb des Sägemehls hat er sich den Ruf des Grobians eingehandelt. Er kämpft mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. In Zug gehört er zu denjenigen Athleten, die eine Überraschung landen könnten.

Nick Alpiger (22)

© Alexandra Wey/Keystone

Teilverband: Nordwestschweiz. – Kränze: 41. – Kranzfestsiege: 5/2.

Wer sich erdreistet, den Innerschweizern am eigenen Fest den Sieg zu nehmen, gehört theoretisch auch am Eidgenössischen zu den Gejagten. Alpigers Pech ist, dass er dem Nordwestschweizer Teilverband angehört. Hätte er ein besseres Team im Rücken, wäre er ein Königsanwärter. Ein Spitzenplatz ist ihm zuzutrauen, für mehr wird es wohl nicht reichen. Am Sonntag gastiert er auf der Rigi: Die Innerschweizer sind gewarnt.

Aussenseiter

Daniel Bösch (31)

Der Toggenburger Daniel Bösch vor dem vierten Gang am 105. St.Galler Kantonalschwingfest in Widnau.

Der Toggenburger Daniel Bösch vor dem vierten Gang am 105. St.Galler Kantonalschwingfest in Widnau.

Teilverband: Nordostschweiz. – Kränze: 104. – Kranzfestsiege: 22/2.

Bösch ist ein Schwergewicht, wie Stucki und Schurtenberger. Seine 130 Kilogramm bewegt er in dieser Saison aber besonders dynamisch. Zwei Kranzfestsiege holte er sich bereits. Am Sonntag wäre er auf der Rigi zu Gast gewesen. Eine Schleimbeutelentzündung im Ellbogen verhindert jedoch einen Einsatz. Für ihn gilt, wie für alle anderen auch: Ist er nicht 100-prozentig fit, wird er in Zug ein Statist sein.

Christian Schuler (31)

Christian Schuler.

Christian Schuler.

Teilverband: Innerschweiz. – Kränze: 93. – Kranzfestsiege: 15/0.

Dass man Christian Schuler nicht abschreiben darf, bewies er am Innerschweizerischen in Flüelen. Der Rothenthurmer legte unter anderem Sven Schurtenberger auf den Rücken und stand letztlich im Schlussgang. Schulers Vorstellungen waren in dieser Saison längst nicht über alle Zweifel erhaben. Doch je näher der Saisonhöhepunkt rückt, desto mehr scheint er den Tritt zu finden. Ein Spitzenplatz ist ihm zuzutrauen.

Kilian Wenger (29)

Er wurde bereits früh zurückgebunden: Schwingerkönig Kilian Wenger verlor im ersten Gang gegen Sven Schurtenberger. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Er wurde bereits früh zurückgebunden: Schwingerkönig Kilian Wenger verlor im ersten Gang gegen Sven Schurtenberger. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Teilverband: Bern. – Kränze: 85. – Kranzfestsiege: 21/1.

Seit seinem Königstitel von 2010 hatte Wenger Mühe bei eidgenössischen Anlässen. Nimmt man die Resultate der laufenden Saison als Massstab, dürfte das 2019 nicht anders sein. Um mit den Besten mithalten zu können, hat Wenger an Gewicht zugelegt. Ein einziger Sieg holt er in diesem Jahr – bei einem höchstens durchschnittlich besetzten Fest. Ein Härtetest folgt nun am Oberländischen, wo auch Glarner, Kämpf oder Anderegg antreten.

Matthias Aeschbacher (27)

© Melanie Duchene/Keystone

Teilverband: Bern. – Kränze: 54. – Kranzfestsiege: 6/1.

Seine Ergebnisse sind sehr konstant, sein grösster Sieg liegt erst drei Wochen zurück. Aeschbacher gewann den prestigeträchtigen Schwarzsee-Schwinget, eines von sechs Bergfesten. Wie schwer dort nur schon der Kranzgewinn ist, zeigte das Beispiel von Kilian Wenger – der König reiste ohne Eichenlaub ab. Aeschbacher wird in Zug nicht der grösste Berner Trumpf sein. Für das Team ist er aber enorm wertvoll.

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