Basketball
Trotz Pleite: Starke Leistung der Starwings zum Qualifikationsabschluss

Im letzten Quali-Spiel der Saison zeigen die Birsfelder Basketballer auch ohne ihren Topskorer Deondre Burns eine Parforceleistung und verlieren gegen Ligakrösus Fribourg Olympic nur mit 71:83 (39:39). In den Playoffs treffen die Starwings auf die Lions de Ge­nève.

Georges Küng
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Vid Milenkovic (links) zeigte gegen Fribourg Olympic eine überzeugende Leistung.

Vid Milenkovic (links) zeigte gegen Fribourg Olympic eine überzeugende Leistung.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Hätte es noch eines Beweises gebraucht, dass die Starwings jene Schweizer Basketballmannschaft sind, die am meisten von Widerwärtigkeiten (Corona, Krankheiten, Langzeitverletzungen, Rücktritten) heimgesucht wurde - am frühen Samstagabend wurde dieser Beweis er­bracht. Endlich konnten wieder ein paar Zuschauer dem Match gegen den aktuel­len Meister und Schweizer Renommierverein Fribourg Olympic beiwohnen. Sie freuten sich auch, oder wohl vor allem, auf den Auftritt von Deondre Burns. Der Starwings-Spielmacher ist Li­ga-Topskorer und längst im Fokus von europäischen Topklubs. Aber: Beim Spiel am Mittwoch in Lu­gano, das die «Wings» unerwartet ver­loren hatten, ver­letzte sich Burns am Knie und fällt bis auf weiteres aus.

Grosses Lob vom gegnerischen Trainer für eine Parforceleistung

Ohne den Langzeitverletzten Branislav Kostic und Burns fehlten die zwei Ballbringer und Spielgestalter. Seit dem Ausfall von Ko­stic macht Vid Milenkovic (25), der seine erste Nationalliga-A-Saison absolviert, den Auf­bau. Und er macht dies vor­züglich. Was die dezimierten Starwings gegen Fribourg Olympic zeigten, war gran­dios. Bis zur 30. Minute war der Vergleich ausgeglichen (56:59), obwohl der Gastgeber praktisch mit sechs Mann durchspielen musste. Der Gast aus der Saane­stadt brachte als achten Mann mit Dominic Morris einen gestandenen US-Profi ins Spiel. Der neunte Mann in Fribourgs Reihen ist der 212 Zentimeter lange US-Schweizer Alexander Hart. Ein Spieler, den es bei den Starwings nach all dem Unbill nicht mehr gibt. Aus ursprünglich 14 Kaderspielern blieben gegen Olympic noch sechs Akteure übrig. «Und diese sind alle­samt Rookies», so Starwings-Cheftrainer Dragan Andrejevic.

«Was mein Berufskollege und Landsmann Dragan Andrejevic mit einem derart dezimierten Kader und ohne Aufbauer leistet, ist phänomenal. Ein komplettes Starwings-Team wäre sehr ernst zu nehmen für die Landesgrössen», so Peter Alaksic, der seit acht Jahren Olympic-Trainer ist und lange Jahre auch Schweizer Nationalcoach war.

Redimensionierung in der neuen Saison

Welches Fazit zieht Klubpräsident Pascal Donati aus dieser «Corona»-Saison 2020/21? «Wir wurden zwei Mal vom Coronavirus befallen, teils waren sieben Spieler der ersten Mann­schaft schwer krank, einer der Profis (Nathan Krill) sogar in einem besorgniserregenden Zustand. Un­sere drei amerikanischen Profispieler (Krill, Burns und Matthew Milon) waren total 30 Tage, also einen ganzen Monat, in Qua­rantäne. Alle 14 Kaderspieler waren mal verletzt oder krank. Leistungsträger wie Captain Kostic oder Ilija Vranic fielen die halbe (Kostic) oder die ganze Spielzeit (Vranic) aus. Dazu gab es Spieler, wie Joël Fuchs, die aus beruflichen Gründen ihren Rücktritt gaben. Und auch unsere Jungs, die meisten davon sind Gymnasiasten, traten kürzer, weil sie schwierige Momente durch­machten. Emotional war es eine Achterbahnfahrt», sagt Donati, der bereits antönt, dass «all diese Widerwärtigkeiten dazu führen werden, dass wir in der nächsten Saison stark redimen­sionieren müssen. Vor allem aus finanziellen Gründen».

Den Topteams Paroli geboten

Cheftrainer Dragan Andrejevic sagt: «Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat einen unglaublichen Charakter, sie ist noch homogener geworden. Jeder Ausfall hat uns substanziell geschwächt, aber als Gruppe noch stärker gemacht. Klar, uns fehlen fünf Siege. Wir mussten zeitweise drei Spiele innert fünf Tagen austragen, dann aber drei Wochen in Quarantäne gehen. Wir kamen zwei Mal direkt aus dem Krankenbett aufs Spiel­feld und verloren Heimspiele gegen Boncourt und Monthey, die wir unter normalen Um­ständen gewonnen hätten. Wir verloren im Oktober in Lugano, wo wir auf der Sie­gesstrasse waren, bis Burns nach 27 Minuten verletzt ausfiel. Alle Profis waren wäh­rend Monaten verletzt oder angeschlagen», so Andrejevic.

Es gab eine Phase, in der die Starwings (auch ohne Kostic und Vranic) mit Siegen in Neuchâtel, Boncourt und Monthey sowie dem Cup-Erfolg gegen Lugano aufzeigten, dass sie mit der Mittelklasse mehr als mithalten können. «Selbst mit nur sieben Akteuren boten wir allen Teams Paroli und wurden nie vorgeführt», so Andrejevic, der keinen Hehl daraus macht, dass er in der nächsten Saison die angefangene Arbeit gerne weiterführen würde. «Die Starwings haben ein enormes Potenzial, das man weiter entwickeln kann», sagt der Trainer. Neuchâtel, das die Saison auf Platz Vier beendete, verlor ge­gen die Starwings zuhause, als diese - auch ohne Kostic und Vranic - in «Bestbesetzung» auf­spielen konnten. Man stelle sich vor, was unter normalen Umständen möglich gewesen wäre.

In den Playoffs geht es gegen den Leader

In zehn Tagen wird es maximal drei, wohl eher aber zwei Playoff-Spiele gegen Genf geben. Zu hoffen ist, dass Burns dann wieder zeigen kann, dass er der attraktivste Akteur der ge­samten Nationalliga A ist. Und dass das Aushängeschild des Deutsch­schweizer Basketballs mehr Support erhält, denn «ohne all diesen Unbill hät­ten wir schon in dieser Saison 2020/21 ganz Grosses leisten können», ist Trainer Andreje­vic überzeugt.

Telegramm

Starwings – Fribourg Olympic 71:83 (39:39)

Sporthalle Birsfelden. - 50 Zuschauer. - SR: Herbert/Marmy/Gonçalves.

Starwings: Milenkovic (9), Milon (16), Davet (7), Krill (21), Sane (12); Haile (6), Weibel, Pausa.

Fribourg: Jackson (17), Mbala (2). Gravet (18), Cotture (10), Krajina (10); Barnette (14), Zinn (11), Morris (1), Hart, Schommer, Lan­gura, Memishi.

Bemerkungen: Starwings ohne Topskorer Burns, Captain Kostic, Vranic (beide verletzt) und Fas­nacht (Studium). - Fribourg ohne Solcà (verletzt). - Viertelsresultate: 18:19, 21:20 (39:39); 17:20 (56:59) und 15:24 (71:83). - Fouls: Starwings 18. Fribourg 28. - Zu den besten Spielern wurden ge­wählt: Krill und Jackson (beide USA).