Sport

«Stresstest» für ein Hockey-Wunder

Der HC Davos ist das Überraschungsteam des Herbstes – nun folgt die Bewährungsprobe.

Vor sieben Monaten war Zug ganz oben und Davos tief unten. Der EVZ unterlag dem SC Bern im Finale um die höchste nationale Ehre. Der HCD (am Freitag gegen Zug) entkam in den Playouts gegen die Lakers gerade noch dem letzten Platz.

Inzwischen ist Davos (5.) vor Zug klassiert (6.). Hochgerechnet auf Punkte pro Spiel sind die Davoser mit 2,07 Punkten sogar auf Rang zwei hinter den ZSC Lions (2,15) und auch klar vor Zug (1,59/6.). Die Steigerung gegenüber der letzten Saison ist eines der erstaunlichsten Comebacks der Historie. In Zahlen:

2018/19: 14 Spiele, 11 Punkte, 25:53 Tore, Rang 11.

2019/20: 14 Spiele, 29 Punkte, 49:38 Tore, Rang 5.

Die Verbesserung ist nicht durch teure Transfers «erkauft» worden. Sie ist das Resultat einer klugen, behutsamen Revolution: Die sportliche Führung im Büro und an der Bande ist mit Sportdirektor Raeto Raffainer, Trainer Christian Wohlwend und mehreren neuen Assistenten umfassend erneuert worden. Zudem werden drei neue Ausländer beschäftigt. Die Steigerung ist für Raeto Raffainer kein unerklärliches Wunder: «Wir haben auch vom Spielplan profitiert.» Dabei geht es nicht um eine Manipulation von Spielplanchef Willi Vögt­lin, der ja auch beim Spengler Cup die Partien einteilen darf. Der Grund ist ein anderer: die Davoser konnten wegen des Umbaus ihrer Arena bis Mitte Oktober keine Heimpartien austragen und sind mit ihrem Programm im Rückstand: sie haben erst 14 Partien ausgetragen. Die ZSC Lions, Biel und Servette beispielsweise bereits 20 und auch Zug schon 17.

«Die Zeit der Wahrheit kommt für uns erst noch»

Die Konkurrenz hatte also bisher erheblich mehr Stress, Zug zusätzlich durch die Champions League. Raeto Raffainer sagt: «Unser bisheriges Programm dürfte ein Grund sein, warum wir abgesehen von unseren Langzeitverletzten bisher von Ausfällen weitgehend verschont geblieben sind.» Man habe sich besser erholen können und auch genug Zeit gehabt, um Partien zu analysieren und das Spiel zu justieren.

Der HCD-Sportdirektor ist mit dem Start mehr als zufrieden und blickt doch der Fortsetzung der Meisterschaft mit gemischten Gefühlen entgegen: «Die Zeit der Wahrheit kommt für uns erst noch mit der hohen Belastung, vor allem im Januar.» Nach dem Zusatzprogramm Spengler Cup hat der HCD im Januar 12 Partien auszutragen.

Trainer Wohlwend ist zuversichtlich, diesen «Stresstest» zu bestehen. «Es wird schwierig. Wir haben einige Partien so knapp gewonnen, dass es auch anders hätte ausgehen können. Aber wir Bündner sind von Haus aus gewohnt, zu kämpfen.» Er vertraue auf das Erbe, das er von Arno Del Curto übernommen habe. Hohe Belastung, Leidenschaft und Intensität gehöre ja zur DNA des HC Davos.

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