Super League

Stürme in alle Richtungen - Die Bilanz nach einem Drittel der Saison

Ein gewohntes Bild: jubelnde YB-Spieler – wie hier Sulejmani (l.) und Lotomba nach dem 1:0 in Luzern.

Ein gewohntes Bild: jubelnde YB-Spieler – wie hier Sulejmani (l.) und Lotomba nach dem 1:0 in Luzern.

Der Fussball-Abend endet mit einer Entlassung. Sion stellt Trainer Paolo Tramezzani nach dem 2:2 gegen Lugano frei. Die Massnahme kommt nicht überraschend – weil die Walliser bereits abgeschlagen sind. Und sonst? Die Lage der Liga nach einem Drittel der Saison.

YB: Das zarte Pflänzchen

Am Anfang stand dieses 2:0 gegen Basel. Es hat eine Euphorie ausgelöst, wie es sie häufig gibt Anfang Saison in Bern. Doch dieses Mal hält sie an. YB steht an der Tabellenspitze. Klar, es profitiert von den Anlaufschwierigkeiten des Serienmeisters aus Basel. Klar, es gab auch jetzt wieder diese YB-typischen Aussetzer wie das 0:4 gegen Thun oder das 1:2 in Lausanne. Aber irgendetwas ist trotzdem anders. Es gibt Spiele wie gestern beim 1:0 in Luzern, die YB gewinnt, obwohl die Leistung nicht überragend ist.

YB steht an der Tabellenspitze

YB steht an der Tabellenspitze

Typisch FCB hiess es dafür in den vielen, vielen letzten Jahren. Kann YB diese neue Qualität tatsächlich institutionalisieren? Das ist die eine richtungsweisende Frage. Die andere lautet: Gelingt es Sportchef Christoph Spycher weiterhin, die Zwischentöne abseits des Rasens auf ein Minimum zu beschränken? Der Abgang von Yoric Ravet hat das Team nicht aus der Bahn geworfen. Doch wie sieht es aus mit der Zukunft von Trainer Adi Hütter? Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Und jeder in Bern weiss, dass Hütter gerne einmal in der Bundesliga arbeiten möchte. Spycher wird trotzdem alles daransetzen, den Vertrag bald zu verlängern.

FCB: Mit Schwung aus der Krise

Der Saisonstart ist dem Meister gründlich missglückt. Nicht nur der Auftakt bei YB. Vor allem die vier Spiele gegen Lugano, Sion, Lausanne und St. Gallen in August und September, in denen Basel gerade einmal zwei Pünktchen gewann, stimmten nachdenklich. Nach einem weiteren 0:0 gegen Murat Yakins GC betrug der Rückstand auf YB plötzlich acht Punkte. Nun sind es nach zwei Pflichtsiegen nur noch fünf.

Ist der FCB zurück auf dem richtigen Weg?

Ist der FCB zurück auf dem richtigen Weg?

Und vor allem die tollen Siege in der Champions League gegen Benfica Lissabon und ZSKA Moskau haben für die FCB-Neulinge in der Führung (Burgener, Streller, Brigger) und an der Seitenlinie (Wicky) zur Beruhigung beigetragen. Mittlerweile scheint es, als wäre der FCB zurück auf dem richtigen Weg. Die Sorgen sind fast gänzlich verflogen. Wobei bis zur Länderspielpause die Duelle mit dem FCZ und YB anstehen – sie werden die Wahrheit über den derzeitigen Basler Leistungsstand noch etwas detaillierter aufzeigen.

FCZ: Zeichen von Mittelmass

Ein famoser Start. Ein solides Abwehrfundament. Wochen an der Tabellenspitze. Der FCZ löst wieder Frühlingsgefühle aus! Und das als Aufsteiger. Es waren träumerische Wochen im Sommer, die vielleicht bereits ganz dezente Träume ausgelöst haben, ob man denn im Wind der Aufstiegseuphorie gar längerfristig ganz oben mitsurfen könne. Die letzten Wochen haben eine leise Ernüchterung hervorgebracht.

Im Derby mit dem FC Zürich von den Grasshoppers vorgeführt: Stürmer Michael Frey

Im Derby mit dem FC Zürich von den Grasshoppers vorgeführt: Stürmer Michael Frey

Weniger Siege, mehr Knorz. Wenig Gegentore, aber auch viel zu wenig erzielte Tore. Dazu das Theater um Stürmer Raphael Dwamena, der eigentlich schon in die Premier League wechselte – dann aber aus medizinischen Gründen doch nicht. Und damit die Mannschaft wohl etwas mehr belastete, als manch einer zugeben mag. Noch ist alles im Lot beim FCZ. Aber das 0:4 gegen GC im Derby war eine ziemlich grosse Ernüchterung.

St. Gallen: Machtspiele

Es ist eine ziemlich aufregende Saison in der Ostschweiz bis anhin. Der Blick auf die Tabelle verrät das. Niemand hat damit gerechnet, dass St. Gallen mehr oder weniger mit der Spitze mithalten kann. Vor allem nicht, weil neben dem Rasen ein beispielloser Machtkampf tobt. Die Querelen sind noch nicht ausgestanden.

Die Ostschweizer hatten bislang eine aufregende Saison

Die Ostschweizer hatten bislang eine aufregende Saison

Und so langsam mehren sich auch die Enttäuschungen auf dem Rasen wieder. 1:6 bei YB, 0:4 gestern gegen Lausanne, dazwischen ein glückhafter Sieg in Sion. Die Tendenz zeigt abwärts. Da hilft es auch nicht, dass Stürmer Albian Ajeti doch noch zum FCB wechselte.

GC: Der Yakin-Effekt

Murat Yakin. Es ist alleine dieser Name, der vieles über die Verwandlung von GC erzählt. Yakin strahlt Überzeugung und Siege aus. Und es scheint ganz so, als würden nun auch die Grasshoppers von diesem Yakin-Effekt erfasst. Sechs Spiele unter ihm in der Super League – drei Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage.

Unter Yakin hat GC noch nicht verloren

Unter Yakin hat GC noch nicht verloren

Gäbe es eine «Yakin-Tabelle», dann wäre GC hinter YB und Lausanne sogar Dritter. Bemerkenswert ist, dass zuletzt auch einige Talente Tore schossen. Chaos und Verunsicherung sind wie weggeblasen.

Die zweite Tabellenhäfte: Möglichst gegen den Abstieg

Für die Teams in der zweiten Tabellenhälfte der Super League gilt: Möglichst nichts zu tun haben mit dem Abstieg! Im Fall von Sion entspricht das natürlich nicht den eigenen Ansprüchen. Es ist faszinierend, wie sich die Walliser immer wieder selbst ein Bein stellen – oder sogar mehrere. Nun ist bereits der nächste Trainer Geschichte. Gestern Abend kurz nach 20 Uhr teilte der FC Sion mit, dass Paolo Tramezzani entlassen ist. Das 2:2 gegen Lugano besiegelte sein Schicksal. Noch im Sommer war Tramezzani der grosse Hoffnungsträger, abgeworben von ebendiesem Lugano. Und da wäre ja noch der Eklat zwischen Präsident Christian Constantin und Rolf Fringer. Fortsetzung folgt.

Im Schatten aller hat sich Lausanne in den letzten Wochen klammheimlich auf den sechsten Platz gehievt. Trainer Celestini ist es geglückt, den offensiven Wahnsinn etwas zu zügeln. Vier Siege und drei Unentschieden gab es zuletzt, seit dem 19. August hat Lausanne nicht mehr verloren. Chapeau!

Lausanne hat seit August nicht mehr verloren

Lausanne hat seit August nicht mehr verloren

Der FC Thun ist und bleibt ein sehr sympathischer Klub in der Super League. Marc Schneider ein innovativer Trainer. Andres Gerber ein hervorragender Sportchef. Wie stets hat auch in diesem Jahr ein Spieler einen plötzlichen Aufschwung hinter sich – Marvin Spielmann. Doch das ändert nichts daran, dass jeder Punkt erkämpft sein will.

In Luzern dagegen stehen die Zeichen auf Sturm. Markus Babbel ist der dienstälteste Trainer der Super League. Doch auch er wird nicht ewig weiter verlieren dürfen. Vor der Niederlage gegen YB holte er sich Inspiration aus der Fussball-Hymne «You’ll never walk alone», sagte: «Wenn du einmal in einen Sturm gerätst, dann schaue, dass du den Kopf oben halten kannst.» Mal sehen, wie sich der Luzerner Sturm entwickelt – acht Super-League-Partien in Serie hat der FCL nicht gewinnen können.

Bleibt der FC Lugano. Die Tessiner können die Abgänge nach der erfolgreichen letzten Saison (3. Platz) nicht kaschieren.
Dazu bindet die Europa League Kräfte. Trainer Pierluigi Tami steht vor einer grossen Aufgabe, die Luganesi zu retten.

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