Super League
Der FC Basel hat ein Zweikampfproblem und eine Idee, wie das zu lösen ist

Nur drei Klubs gewinnen in der Liga noch weniger Zweikämpfe als der FCB. Das ist eines Meisterkandidaten nicht würdig. Mit der Verpflichtung von Amir Abrashi soll es besser werden. Aber kann er die Erwartungen erfüllen?

Jakob Weber
Merken
Drucken
Teilen
Amir Abrashi zeigt gegen die Bayern ein vorerst letztes Mal im Trikot des SC Freiburg, was ihn so wertvoll macht. Absoluter Wille und Einsatz, auch wenn Serge Gnabry hier wohl über die Grätsche springt.

Amir Abrashi zeigt gegen die Bayern ein vorerst letztes Mal im Trikot des SC Freiburg, was ihn so wertvoll macht. Absoluter Wille und Einsatz, auch wenn Serge Gnabry hier wohl über die Grätsche springt.

Keystone (17. Januar 2021)

Amir Abrashi ist auch in Winterschuhen und Mantel voll dabei. Von der Tribüne des Tourbillon aus feuert der FCB-Neuzugang seine Kollegen auf dem Rasen über 90 Minuten lang an. «Pajtim, der Nächste sitzt!», ruft er in Richtung Kasami, als der kurz vor seinem Tor nur die Latte trifft. «Eeeedon komm mit zurück!», ist einer seiner Lieblingssätze und Julian von Moos wird mit einem lauten «guuuuut Junge!» motiviert, nachdem er sich den verlorenen Ball zurück erkämpft hat.

Beim 2:0 und beim 3:1 für den FCB drischt Abrashi mit einem lauten «Yeeees!» auf den Stuhl vor sich ein, als wäre dieser ein Schlagzeug. Obwohl er nicht spielt, ist der 30-jährige Albaner aus dem thurgauischen Bischofszell als zwölfter Mann mit dabei. Er ist auch der einzige FCB-Spieler ohne Aufgebot, der die Reise ins Wallis mit angetreten hat. Schon am Sonntag gegen Lugano könnte der am Freitag verpflichtete Abräumer im Joggeli auflaufen. Dann ist die Spielbewilligung da.

Durch die Abrashi-Leihe mit Option auf eine definitive Übernahme versucht der FCB eines seiner grössten Probleme der bisherigen Saison zu lösen: die Zweikampfschwäche im Mittelfeld. Insgesamt gewinnt der FCB nur 50,1 Prozent aller Duelle. Das ist Platz 7 in der Liga. Nur Servette, Vaduz und Sion sind schlechter.

Am prekärsten ist die Situation im Zentrum. Dort hinkt der FCB mit Kasami (50,9%), Frei (47,1%) und Zuffi (nur 40%) im Vergleich zur Konkurrenz aus Bern, Zürich, Lugano oder St.Gallen deutlich hinterher. Die fehlende Durchsetzungskraft in der Mitte ist auch ein Hauptgrund, warum der FCB so viele gegnerische Chancen zulässt. In dieser Statistik sind die Basler Vorletzter. Nur Sion lässt noch mehr Torchancen zu als der FCB.

FCB-Trainer Ciriaco Sforza will das Zweikampfproblem nicht bestätigen. Wahrscheinlich, weil er seine Spieler nicht öffentlich kritisieren will. Stattdessen sagt er: «Wir müssen eine gute Mischung haben. Da sind wir dran, diese zu korrigieren.» Abrashi kennt Sforza gut. 2010 verhalf er ihm als GC-Trainer zu seinem Profi-Début. Mehr als zehn Jahre später schliesst sich für die beiden der Kreis. Sforza sagt: «Wenn Amir auf dem Markt ist und er zu unserer Mannschaft passt, müssen wir zuschlagen. In München (als Abrashi im Januar zuletzt mit Freiburg gegen die Bayern spielte. Anm. d. Red) hat man gesehen, was Amir kann. Läuferisch und kämpferisch. Ich, die Mannschaft und der ganze Verein sind happy, dass er da ist.»

Ciriaco Sforza und Amir Abrashi kennen sich gut aus gemeinsamen Zeiten bei GC. Dort debütierte Abrashi 2010 unter Sforza in der Super League.

Ciriaco Sforza und Amir Abrashi kennen sich gut aus gemeinsamen Zeiten bei GC. Dort debütierte Abrashi 2010 unter Sforza in der Super League.

Keystone (19. August 2010)

FCB-Captain Valentin Stocker bestätigt das. Angesprochen auf die schlechten Zweikampfwerte sagt er: «Es ist klar, dass wir Taulant Xhaka vermissen. Er wird leider in nächster Zeit nicht fit. Deswegen sind wir alle froh, dass wir mit Amir Abrashi einen Ersatz haben, der das Element Zweikampfstärke ins Zentrum bringt. Er zerreisst sich für die Farben, die er trägt. Genau das brauchen wir.»

«Ich werde mich für den FCB zerreissen», hatte Abrashi in seinem Vorstellungsvideo bereits selber gesagt. Zwar kam er in dieser Saison bei fünf Einwechslungen nur auf 56 Minuten Spielzeit. Doch in fünf Jahren und 98 Bundesliga-Spielen für den SC Freiburg waren seine Zweikampfwerte im Saison-Durchschnitt stets zwischen 50 und 52 Prozent. Damit ist Abrashi zwar noch nicht ganz so stark wie Kollege Xhaka, der im Schnitt 54 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt. Doch wenn er den Enthusiasmus von der Tribüne auch auf den Rasen bringen kann und verletzungsfrei bleibt, kann er helfen, den FCB zu stabilisieren.