Super League
Die Luft ist raus, das Glück aufgebraucht: So kam es zur 0:1-Niederlage des FC Basel gegen St. Gallen

Der FC Basel verliert in der 13. Runde der Super League ein Spiel, das er nicht unbedingt verlieren muss. Beim 0:1 gegen gut aufgelegte St. Galler zieht er aber trotz zwei Pfostenschüssen den Kürzeren und freut sich jetzt umso mehr auf die Pause.

Jakob Weber
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Andy Pelmard verpasst den Absprung, Elie Youan entwischt ihm und erzielt in der 87. Minute das einzige Tor des Nachmittags.

Andy Pelmard verpasst den Absprung, Elie Youan entwischt ihm und erzielt in der 87. Minute das einzige Tor des Nachmittags.

Es ist ein Spektakel, was der FC Basel und St. Gallen zeigen. Hin und her geht es und das in einem rasanten Tempo. Wie ein aufgezogenes Flitzeauto ziehen Dan Ndoye, Liam Millar oder auf St. Galler Seite Elie Youan und Kwadwo Duah immer wieder los und an ihren Gegenspielern vorbei. Doch wie so oft bei Flitzeautos – die bekanntlich gerne Mal ungebremst in die Kinderzimmerwand brausen – nehmen es auch die Spieler mit der Richtung nicht so genau. Pajtim Kasami scheitert in der 10. Minute gleich zweimal an St. Gallen-Goalie Zigi, der den zweiten Schuss aus kurzer Distanz an den Pfosten lenkt. Und auf der Gegenseite scheitert zehn Minuten später auch Youan am Gebälk, ehe der erneut für Eray Cömert verteidigende Nasser Djiga einen Ball auf der Linie blockt.

Ein Fan-Protest gegen das Trainingslager in den Emiraten

Die Muttenzerkurve kann sich mit den Plänen der Bosse, das FCB-Wintertrainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchzuführen, nicht anfreunden. Die Fans fordern: Brecht die Übung ab.

Die Muttenzerkurve kann sich mit den Plänen der Bosse, das FCB-Wintertrainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchzuführen, nicht anfreunden. Die Fans fordern: Brecht die Übung ab.

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Es geht weiter nur in eine Richtung. Auch das Protestplakat der Muttenzerkurve gegen das vom FCB in den Vereinigten Arabischen Emiraten angedachte Winter-Trainingslager weckt die Herren auf dem Rasen nicht auf. In der 27. Minute trifft Isaac Schmidt aus der Distanz den Pfosten, dann trifft Duah aus Offsideposition ins Tor und später scheitert Duah auch noch per Distanzversuch. 15 zu 3 steht es nach Torschüssen für St. Gallen zur Pause. Doch auf dem Scoreboard steht zweimal die Null. Eigentlich unglaublich.

«St. Gallen war nach dem YB-Sieg sehr geladen. Wir haben die Bälle zu einfach hergegeben und auf die zweiten Bälle waren sie besser», analysiert Jubilar Valentin Stocker nach seinem 400. Spiel für den FCB. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, denn vor allem im Zentrum ist St. Gallen bissiger. Dazu kommt, dass die Ostschweizer auch bei eigenem Ballbesitz dynamischer agieren. Stocker weist aber auch daraufhin, dass sein Team hätte in Führung gehen müssen. Doch verdient wäre diese höchstens nach dem Seitenwechsel gewesen.

Der FCB hat jetzt mehr vom Spiel und in Person von Kasami stellt er – zumindest was die Aluminium-Treffer angeht – auf 2:2. «In dieser Saison ist es oft für uns gelaufen. Heute war es mal anders und jetzt sind wir frustriert», sagt Kasami nach dem Spiel. Auch diese Analyse ist richtig, denn in den Spielen gegen GC, daheim gegen Zürich oder in St. Gallen hätte der FCB gut und gerne auch schon früher die erste Saisonniederlage in der Liga kassieren können. Doch das Glück war erst jetzt aufgebraucht, die Luft nach den vielen englischen Wochen draussen.

Kasamis Frust ist verständlich. Denn in einer Phase, in der Rotblau das Geschehen eigentlich im Griff zu haben scheint, fällt das 0:1. Andy Pelmard ist in der 87. Minute nach einer Ecke einen Moment unkonzentriert, verliert so den Kontakt zu Gegenspieler Youan und der steht kurz nach seinem Kopfball ins Tor jubelnd vor dem Gästesektor. «Das Glück des Tüchtigen war heute nötig», sagt St. Gallens Trainer Peter Zeidler, der damit in sieben der letzten acht Spiele im Joggeli mit Punkten im Gepäck zurück in die Ostschweiz gefahren ist.

Für Kollege Patrick Rahmen endet mit der ersten Niederlage in der Liga eine persönliche Serie. Die ersten 15 Spiele hatte er als Cheftrainer im Joggeli nicht verloren, jetzt ist es passiert. «Wir haben gegen starke St. Galler den Kürzeren gezogen. Die Spritzigkeit und die Effizienz haben heute etwas gefehlt», analysiert Rahmen, der froh ist, dass seine Spieler jetzt eine kleine Pause bekommen.

Die Länderspielpause ist länger als gedacht

Durch die Absage des YB-Spiels hat der FCB seinen nächsten Auftritt nach der Länderspielpause erst am 25. November in Almaty. Anschliessend geht es am Sonntag auswärts zu Luzern. Auch hier schiebt Basel Frust, denn anders als die Partie YB gegen Lugano kann die Liga das FCB-Spiel in Luzern nicht verschieben, um Rotblau nach seiner Reise nach Zentralasien etwas zu entlasten. Eine Randnotiz, die Rahmen zwar ärgert, aber nicht ganz so sehr, wie die verpasste Chance, den Vorsprung auf das ebenfalls erneut gestrauchelte YB auszubauen.

Das Telegramm

Basel - St. Gallen 0:1 (0:0)

St. Jakob-Park. – 23599 Zuschauer. – SR Urs Schnyder. – Tor: 87. Youan 0:1 (Ruiz).
Basel: Lindner; López, Djiga, Pelmard, Petretta; Frei (58. Burger), Kasami; Ndoye (82. Palacios), Stocker (58. Males), Millar (88. Fernandes); Arthur Cabral.
St. Gallen: Zigi; Euclides Cabral, Nuhu, Stillhart, Traoré (87. Sutter); Fazliji; Görtler, Schmidt (61. Ruiz); Diarrassouba (69. Besio); Duah (69. Guillemenot), Youan.
Bemerkungen: Basel ohne Esposito, Padula, Xhaka (alle verletzt) und Zhegrova (krank). St. Gallen ohne Diakité, Kempter, Kräuchi, Lüchinger und Stergiou (alle verletzt). – Verwarnungen: 24. Nuhu. 46. Millar. 70. Burger. 76. Ndoye (alle Foul). 82. Zigi (Zeitspiel). – 10. Zigi lenkt Schuss von Kasami an den Pfosten. 20. Pfostenschuss Youan. 27. Pfostenschuss Schmidt. 67. Lattenschuss Kasami.

Die Bilder vom Spiel:

Vor dem Spiel scheint St. Gallen-Trainer Peter Zeidler noch skeptisch zu sein.
21 Bilder
Noch vor Anpfiff wird Valentin Stocker für sein 400. Pflichtspiel für den FCB geehrt.
Die Muttenzerkurve gratuliert dem Captain mit einem Feuerwerk.
Das Spiel braucht keine Anlaufzeit. Arthur Cabral sucht bereits früh die Offensive.
Valentin Stocker ist nur mit einem Foulspiel aufzuhalten.
Die Fans der St. Galler lassen schwarzen Rauch aufsteigen.
Immer wieder versucht Liam Millar auf der linken Seite, an seinen Gegenspieler vorbei zu dribbeln.
Doch auch im FCB-Strafraum wird es gefährlich. Gleich zwei Mal treffen die Ostschweizer den Pfosten.
Andy Pelmard ist teilweise dauerbeschäftigt. Nicht immer kann er die pfeilschnellen Espen aufhalten.
In dieser Szene vergibt Elie Youan eine St. Galler Topchance.
Auch Raoul Petretta muss sich strecken, um den Ball zu erreichen.
Nach der Pause ist der FC Basel häufiger in der Offensive anzutreffen.
Doch auch St. Gallen bleibt mit Gegenangriffen gefährlich.
Peter Zeidler ist mehrmals an der Seitenlinie ausser sich.
Dan Ndoye versucht sich durchzusetzen. Doch die Lücke in der Abwehr der Gäste findet er nur selten.
Nasser Djiga verursacht mit einem groben Patzer in der zweiten Hälfte die grösste Chance für St. Gallen.
Pajtim Kasami trifft gegen St. Gallen zwei Mal nur das Torgehäuse.
Kurz vor Spielende dann der Schock: Elie Youan kommt nach einer Ecke völlig frei zum Kopfball...
... und bezwingt Heinz Lindner im Tor.
Der FC St. Gallen bejubelt den Siegtreffer. Denn beim 1:0 bleibt es.
Patrick Rahmen war schon vor einer Woche gegen den FCZ unter Druck. Jetzt sieht es nicht anders aus.

Vor dem Spiel scheint St. Gallen-Trainer Peter Zeidler noch skeptisch zu sein.

Marc Schumacher / freshfocus

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