Super League
Fluch gebrochen, Energie geladen: Der FCB siegt wieder

Der FCB gewinnt gegen den FC Luzern mit 4:1 und darf sich dadurch seit über drei Monaten mal wieder über drei Punkte im Joggeli freuen.

Simon Leser
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Der FC Basel jubelt über Adrian Durrers Premierentreffer.

Der FC Basel jubelt über Adrian Durrers Premierentreffer.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

In der fünften Minute der Nachspielzeit hält es auch Heinz Lindner nicht mehr in seinem Tor. Er rennt los, springt nach gut 50 Metern auf, und begräbt seine Teamkollegen unter sich. Soeben hat Adrian Durrer bei seinem Profidebüt für den FC Basel nur acht Minuten nach seiner Einwechslung das 4:1 gegen den FC Luzern erzielt. Der Fluch des St. Jakob-Parks, in dem der FCB letztmals anfangs Dezember gegen Sion gewann, ist Geschichte. Genauso die sieben sieglosen Partien, die sich in Serie angehäuft haben. Durrers Premierentor ist der emotionale Höhepunkt und der Schlussakkord einer turbulenten Partie. Eines turbulenten Abends, an dessen Ende Ciriaco Sforza sagt:

«Wir alle erleben schwierige Tage und Wochen. Den Sieg hat sich die Mannschaft heute verdient.»

Dass der FCB-Trainer nicht erneut eine Enttäuschung erklären muss, liegt an 15 Minuten. Denn zwischen der 52. und 67. Minute entscheidet es sich, ob der FC Basel einen Schritt aus der Krise macht oder sie noch zusätzlich verschärft. Erst scheitert Aldo Kalulu am Pfosten, dann Arthur Cabral am Luzerner Torhüter Marius Müller. Statt 2:0 steht es zwei Minuten später plötzlich 1:1, denn Raoul Petretta und Kalulu gewähren Louis Schaub im eigenen Strafraum einen allzu grosszügig ausgelegten Mindestabstand.

Es folgt eine Phase, in der das Heimteam unter Dauerbeschuss gerät. Neun Schüsse gibt der FC Luzern - das zu diesem Zeitpunkt beste Rückrundenteam der Liga - innerhalb von acht Minuten ab, doch keiner geht rein. Mal steht Lindner, mal ein Abwehrspieler, mal das eigene Unvermögen im Weg. Und so steht nach Spielende ein konsternierter FCL-Captain Pascal Schürpf im Basler Dauerregen und bemüht eine nicht besonders originelle, aber zutreffende Binsenwahrheit: «Wer sie vorne mehrmals nicht macht, bekommt sie halt irgendwann hinten.»

Denn so kommt es in der 74. Minute. Dann erlöst Fabian Frei Rotblau, indem er nach einem schön vorgetragenen Angriff über Kalulu das vorentscheidende 2:1 erzielt. Der Widerstand der Luzerner ist gebrochen, der FCB atmet auf: «Uns fällt ein Stein vom Herzen», fasst Petretta die Erleichterung in Worte.

Eine kleine Provokation: Fabian Frei widmet das Tor Valentin Stocker

Am Ende steht ein verdienter, wenn auch in der Deutlichkeit zu hoher Sieg zu Buche. Denn insbesondere in der ersten Halbzeit bringt das Heimteam den Elan, den tausende protestierende FCB-Fans vor dem Stadion verbreiten, nicht auf den Rasen. Das fehlende Selbstvertrauen können die Spieler genauso schwer kaschieren, wie die Fans draussen Bernhard Burgener mal einfach so wegschreien können.

Doch weil sich Lindner gegen Ibrahima Ndiaye reaktionsschnell zeigt und Petretta in der 33. Minute eben diesen Ndiaye an der Seitenauslinie stehen lässt und Torhüter Marius Müller in der kurzen Ecke erwischt, steht es dennoch 1:0. Trotz nur halb so vielen Schüssen wie die Gäste.

Den Sieg verdient sich der FCB vor allem nach dem erlösenden 2:1 in der zweiten Halbzeit. Begünstigt durch die Räume, welche die angreifenden Luzerner zulassen, zeigt er endlich einmal, welche offensive Qualitäten in ihm stecken. In der 88. Minute leitet Edon Zhegrova den dritten Treffer ein und vollendet ihn nach einem Doppelpass mit Fabian Frei gleich selbst. Ein Hauch von spielerischer Leichtigkeit weht durchs Stadion. Durrers Tor in der Nachspielzeit ist die emotionale Zugabe.

Mit dem Sieg festigt der FCB zumindest den dritten Tabellenrang und verhindert, dass das zweitplatzierte Servette, das gegen Sion gewinnt, davonzieht. Doch nicht nur tabellarisch, sondern vor allem psychologisch ist der Erfolg nach der Sieglosserie eminent wichtig. «Diese drei Punkte und vier Tore geben dem Verein, der Mannschaft und dem Trainerstab eine gute Energie», sagt Ciriaco Sforza. In den turbulenten Wochen, die er und die Mannschaft noch immer erleben, hat der FCB davon viel nötig.

Telegramm

Basel - Luzern 4:1 (1:0)

St. Jakob-Park. – Keine Zuschauer. – SR Fedayi San. – Tore: 33. Petretta 1:0. 55. Schaub (Frydek) 1:1. 74. Frei (Kalulu) 2:1 88. Zhegrova (Frei) 3:1. 95. Durrer 4:1.

Basel: Lindner; van der Werff, Cömert, Klose, Petretta; Frei, Kasami; Males (87. Durrer), Palacios (46. Zuffi), Kalulu (80. Zhegrova); Cabral (72. Hunziker).

Luzern: Müller; Sidler, Knezevic, Lucas, Frydek; Wehrmann (73. Tasar), Emini (87. Carbonell); Ndiaye, Schaub, Schürpf; Sorgic (73. Alounga).

Bemerkungen: FCB ohne Abrashi, Hajdari, Isufi, Jorge, Padula, Pululu, Stocker, van Wolfswinkel, von Moos, Widmer, Xhaka (alle verletzt) und Chiappetta (krank). – Verwarnungen: 38. Schaub (Foul). 72. Hunziker (Foul). 83. Ndiaye (Foul). – 36. Tor von Males wegen Abseits aberkannt.