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Nicht mehr Tabellenzweiter: Ein schwacher FCB verliert gegen Servette 1:2 und wird Opfer einer neuen Regelung

Das 1:1 gegen YB hatte Hoffnungen geweckt. Am Ende steht aber das siebte Spiel in Folge, das der FC Basel nicht gewinnen kann. Zusätzlich muss er auch noch den zweiten Tabellenplatz abgeben. Für Aufregung sorgt aber vor allem eine ungewöhnliche Regelauslegung.

Esteban Waid
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Vor dem Spiel ist die Stimmung bei Ciriaco Sforza und Alain Geiger noch gelassen. Nach dem Spiel konnte nur noch einer lachen.
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Zu Beginn war der FCB vor allem mit dem Verteidigen beschäftigt, wie hier Raoul Petrette, der sich im Luftduell versucht.
Timm Klose ist am Boden und kann nur noch hinterherschauen, wie Grejohn Kyei die dicke Chance vergibt.
Wieder steht Kyei frei. Dieses Mal steht aber zum Glück für die Basler im Abseits.
Augen zu und durch. Jasper van der Werff und Timothe Cognat steigen zum Kopfball.
Arthur Cabral bringt im Spiel wenig zustande. In dieser Situation schafft er es wenigstens mal den Ball zu behaupten.
Alessandro Dudic und der VAR standen heute im Fokus. Hier mit gutem Ausgang für die Basler, denn er nimmt den Elfmeterpfiff gegen Pajtim Kasami zurück
Eine der besten Chancen der ersten Halbzeit. Fabian Frei mit einem Flatterball.
Nach Freis Schuss muss Kasami den Abpraller eigentlich nur noch einschieben. Wie er den am Tor vorbeihaut kann er selbst nicht fassen.
Fragende Geste bei Raoul Petretta im Hintergrund. Dudic entscheidet nach einem minutenlangen Check, dass das Tor für Servette zählt.
Vier Minuten nach dem der Ball im Netz zappelt dürfen die Genfer dann auch endlich jubeln.
Nachhilfe in Regelkunde für Ciriaco Sforza. Er kann die neue Abseitsregelung nicht nachvollziehen, muss sie aber akzeptieren.
Wenig später wird dann noch mal gejubelt. Gaël Ondoua erzielt den zweiten Treffer für Servette.
Arthur Cabral erzielt den Ehrentreffer nach einem Penalty. Kurz keimt noch einmal Hoffnung auf,....
... am Ende ist diese aber unbegründet. Der FC Basel verliert in Genf. Und das kurze Hoch nach dem Unentschieden gegen YB ist wieder verflogen.

Vor dem Spiel ist die Stimmung bei Ciriaco Sforza und Alain Geiger noch gelassen. Nach dem Spiel konnte nur noch einer lachen.

Pascal Muller/Freshfocus

Das Spiel: Nach dem kämpferischen Unentschieden gegen YB am Mittwoch hätte man mit einer sportlichen Wende beim FC Basel rechnen können. Sie blieb aber aus. Vor allem, weil der FCB offensiv zu harmlos agiert und erst spät erste Chancen kreieren kann. Besonders im ersten Durchgang wird die Ideenlosigkeit deutlich.

Ein Fernschuss von Pajtim Kasami kurz vor dem Pausenpfiff, der am Tor vorbeifliegt, und ein abgefälschter Schuss von Aldo Kalulu sind das höchste der Gefühle. Anders die Genfer. Sie hätten schon nach zehn Minuten führen müssen. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld von Kalulu taucht Grejohn Kyei frei vor Heinz Lindner auf. Der FCB-Goalie verhindert mit seinem Fuss die Führung für die Genfer.

Und auch den Rest der Halbzeit ist es Servette, das das Spiel macht. Glück hatten die Basler auch, dass der VAR einen Elfmeterpfiff zurücknimmt. Der VAR ist es aber auch, der den FCB im zweiten Durchgang ins Unglück stürzt. Nach einer Flanke von Gaël Clichy steht Kyei völlig frei und versenkt den Ball im Tor. Eigentlich war für alle klar, dass Kyei weit im Abseits stand. Nach einem mehrminütigen VAR-Check wird aber deutlich: Goncalo Cardoso hatte den Ball berührt und das Abseits aufgehoben, 1:0 für Servette.

Wenige Minuten später dann der Doppelschlag. Einen schlecht geklärten Ball knallt Gaël Ondoua unhaltbar in die Maschen. Dass der FCB am Ende noch durch einen Elfmeter durch Arthur Cabral, wenige Minuten vor Schluss, rankommt, ist am Ende egal. Servette-Goalie Jérémy Frick ist sich nach dem Spiel sogar sicher: «Es hätte locker ein 3:0 oder 4:0 sein können.»

Der Beste: Heinz Lindner verhindert früh die Führung für Servette, als er gegen Kyei mit dem Fuss rettet. Und auch in der zweiten Halbzeit muss er sich einmal lang machen, dass der Ball nicht im Netz landet. Bei den Gegentoren trifft ihn keine Schuld. Ohne ihn hätte die Niederlage noch höher ausfallen können.

Das gab es zu reden: Seit sieben Spielen hat der FC Basel keinen Sieg mehr gefeiert. Den letzten Vollerfolg gab es am am 4. Februar beim 3:1-Auswärtssieg in Lausanne, also vor über einem Monat. Vier Unentschieden gegen Sion, Lausanne, YB und heute gegen Servette. Dazu drei Niederlagen gegen den FCZ, Winterthur und St.Gallen. So liest sich die Horrorbilanz der letzten sieben Spiele.

Verwirrende Regelauslegung vor dem 1:0

Ausserdem gab es die kuriose Situation vor dem 1:0 für Servette. Eigentlich war Grejohn Kyei deutlich mehrere Meter im Abseits, als Clichy die Flanke in die Mitte schlägt. Die Situation wäre an dieser Stelle vorbei gewesen. Der Assistent hatte die Fahne oben. Abseits. Cardoso geht aber trotzdem zum Ball und berührt mit den Haarspitzen den Ball, Kyei versenkt den Ball im Tor. Laut Reglement entsteht durch die minimale Berührung eine neue Spielsituation.

Damit ist das zuvor entstandene Abseits aufgehoben und der Treffer zählte. Die Berührung wurde erst vom VAR erkannt und erst ein minutenlanger Check von Alessandro Dudic konnte den Kontakt des Innenverteidigers feststellen. Auch das könnte für Unmut sorgen. Denn eigentlich darf der VAR nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Für den FCB wäre es also besser gewesen, wenn Cardoso gar nicht zum Ball gegangen wäre. Das Tor hätte nicht gezählt.

Über diese Regel zeigten sich beide Trainer nach dem Spiel irritiert und vor allem Ciriaco Sforza machte sein Unverständnis darüber deutlich, wie diese Regel neu ausgelegt wird. «Jeder hat gesehen, dass es Abseits ist, aber nach den neuen Regeln im Fussball ist das nicht mehr so. Ich akzeptiere das, kann es aber nicht verstehen», so der FCB-Trainer.