Super League
Keine Antworten, keine Punkte, aber immer mehr Fragen: Der FCB verliert erneut gegen den FCZ

Der FCB verliert zum dritten Mal in dieser Saison gegen den FC Zürich. Der Rückstand auf YB wächst weiter an.

Céline Feller
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Timm Klose sitzt am Boden. Die Enttäuschung ist nicht zu übersehen – und symbolisch für die Lage des FC Basel. Bild: Freshfocus

Timm Klose sitzt am Boden. Die Enttäuschung ist nicht zu übersehen – und symbolisch für die Lage des FC Basel. Bild: Freshfocus

Freshfocus

Die Botschaften waren klar. Jene von Ciriaco Sforza. Aber vor allem jene von den Fans. Es muss mehr kommen. Mehr Einsatz. Mehr Leidenschaft. Mehr Zweikampf-Härte. Mehr Aufopferung. Oder wie die Fans es nennen: Die Spieler sollen zeigen, dass sie wissen, dass dieses Trikot mit dem Wappen des FC Basel auf der Brust mehr als nur ein Stück Stoff ist.

Aber all diese Botschaften sind ihrer Deutlichkeit zum Trotz nicht angekommen. Statt einer Reaktion zu zeigen auf die Forderungen, auf das 2:2 gegen Sion und die peinliche Pleite gegen den FCZ vor einem Monat, findet die Mannschaft keine Antwort. Und sie findet auch keine Antwort auf einen frühen Gegentreffer in diesem Klassiker. Sowieso ist der FCB erst einmal nach einem Rückstand noch zu Punkten gekommen. Dieses Mal klappt es erneut nicht.

Die Botschaft der Muttenzerkurve.

Die Botschaft der Muttenzerkurve.

In der 25. Minute ist es dann Eray Cömert, der sich nicht mehr anders als mit einem Foul zu helfen weiss. Einem Foul, dass zu diesem Zeitpunkt und nach besserer Ausgangslage im Laufduell mit Assan Ceesay unnötig ist. So unnötig wie der Ballverlust von Jasper van der Werff zuvor . Die Folge ist ein Elfmeter, der zurecht gepfiffen wird und den Antonio Marchesano unhaltbar versenkt. Sforza wird nach dem Spiel deutlich:

«Es scheisst mich an, dass wir so einfache und unnötige Tore bekommen. Ich bin sprachlos, dass wir hundertprozentige Chancen nicht nutzen. Das macht mich wütend.»

Mit Letzterem meint er eine Szene aus der dritten Minute, in der Edon Zhegrova zu wenig aus einer Top-Gelegenheit macht.

Das ist umso folgenschwerer, da der FCB danach nur noch zu einem Torabschluss kommt. Gefährliche Torszenen gibt es kaum. Der Offside-Treffer von Zhegrova in der 32. Minute ist der einzige Abschluss der Gäste über 90 Minuten, der auf das Tor von Yannick Brecher kommt. Die restlichen zwölf Schüsse fliegen daneben oder drüber Es ist erschreckend schwach, was die Basler offensiv zeigen.

Zwar sind sie unmittelbar vor und nach dem Gegentreffer besser, aber eben nur dann. Phasenweise ist der FCB drückend, aber eben nie drückend überlegen. Auch, weil in der Offensive die Klarheit fehlt. Immer wieder kombiniert sich der FCB in Zone 3, dort weiss er aber wenig bis gar nichts mit dem Ball anzufangen.

Fragen nach der Idee und dem Wirken des Trainers

Aber es hapert nicht nur in der Offensive. Die Defensive um Cömert, Timm Klose und van der Werff ist überfordert. Vor allem Letzterer zieht nach zuletzt guten Leistungen einen ganz schwachen Tag ein. Gegen den auftrumpfenden Ceesay sieht er kein Land. Der Zürcher vernascht ihn in einer Regelmässigkeit, wie sie auf diesem Niveau nicht verkraftbar ist. Dass in der Nachspielzeit dann noch ein Tor fällt, das aufgrund eines Offsides nie zählen dürfte, passt in dieses glücklose, mutlose und blutleere Auftreten des FCB.

So muss man sich mittlerweile viele Fragen stellen. Fragen, auf die vor allem Sforza langsam aber sicher Antworten liefern muss. Ob er diese hat? Fraglich. Nach dem Spiel wütet er über die Chancenauswertung und die Entstehung des Penaltys, die vertiefte Analyse will er aber nur mit dem Team machen.

Die Kurve fordert Einsatz über 90 Minuten, nachde der FCB oft nach der Pause eingebrochen ist.

Die Kurve fordert Einsatz über 90 Minuten, nachde der FCB oft nach der Pause eingebrochen ist.

Klar ist: Auch nach fünf Monaten unter seiner Führung ist seine Idee nicht zu erkennen. Keine Kreativität sowie defensive Instabilität sind die einzigen Konstanten. Mit der dritten Niederlage im Klassiker in dieser Saison – und damit dem ersten Mal überhaupt, dass Basel drei Spiele in Serie gegen den FCZ verliert – verabschiedet sich der FCB komplett aus dem Meisterrennen.

Es geht nur noch um Rang 2

Nach 20 gespielten Runden beträgt der Rückstand auf YB bereits 16 Punkte. «Wir konzentrieren uns auf Platz zwei», sagt Sforza. Und Heinz Lindner gibt zu, dass es vermessen wäre, ganz nach vorne zu schauen. Stattdessen müsse der FCB sein Spiel in der Griff kriegen. Und damit hat Lindner recht. Denn die Mannschaft stagniert nicht nur, sie scheint gar eher konstant abzubauen. Die Serie der vier Partien in Serie ohne Niederlage: Gerissen. Ebenfalls wie die Serie von vier Auswärtssiegen in Folge.

Die Fragen gehen nicht nur in die Richtung, was Sforza dieser Mannschaft sagt und wie er sie einstellt. Es sind auch Fragen, ob er der richte Mann zum richtigen Zeitpunkt für diese Mannschaft ist.

Telegramm

FC Zürich - FC Basel 2:0 (1:0)

Letzigrund – Keine Zuschauer. – SR Lukas Fähndrich.
Tore: 26. Marchesano 1:0 (Foulpenalty). 92. Kramer 2:0

FCZ: Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni, Doumbia; Khelifi (69. Gnonto), Marchesano (87. Hekuran Kryeziu), Ceesay; Kramer.

Bemerkungen: FCB ohne Jorge, Marchand, Padula, von Moos, Xhaka (alle verletzt), Abrashi und Widmer (beide angeschlagen). – Verwarnungen: 17. Aliti (Foul). 40. Nathan (Foul). 77. Kramer (Foul). 93. Frei (Unsportlichkeit). – 32. Tor von Zhegrova wegen Abseits aberkannt.

Der beste Basler Torschütze Arthur Cabral muss mit einer Grätsche von Toni Domgjoni gestoppt werden.
13 Bilder
Orges Bunjaku zeigt bei seinem ersten Einsatz seit langem von Beginn an Körpereinsatz.
Auf Umwegen zum Rechtsverteidiger. Der Innenverteidiger Jasper van der Werff füllt die Lücke mit den vielen Verletzten.
Eines der Schlüsselduelle des Spiels: Jasper van der Werff gegen Assan Ceesay. Ein Fehler des Baslers führt auch zum ersten Tor.
Assan Ceesay ist vor dem Elfmeter auf und davon. Orges Bunjaku verpasst es, das taktische Foul zu ziehen.
Eray Cömert versucht den Fehler seiner Kollegen auszubügeln und fällt Assan Ceesay im Strafraum. Elfmeter!
Antonio Marchesano lässt Heinz Lindner im FCB-Kasten keine Chance. Der Ball schlägt über ihm im Netz ein.
Valentin Stocker ist nach dem Rückstand bedient. Dass heute sein Namenstag ist, wird ihm zu diesem Zeitpunkt kein Trost sein.
Der Jubel hält nur kurz. Das Ausgleichstor von Edon Zhegrova wird wegen einer Abseitsstellung aberkannt.
Er dribbelt, er schiesst, er trifft, auch wenn das Tor nicht zählt. Edon Zhegrova ist einer der besten Basler im ersten Durchgang.
Zuletzt hat Arthur Cabral fünf Spiele in Folge getroffen. Hier ärgert er sich über sein fehlendes Abschlussglück.
Raoul Petretta hat Glück, dass er auf der linken Seite spielt. Denn über rechts wird immer wieder Ceesay gefährlich.
Ein Symbolbild: Während der schreiende Arthur Cabral im Hintergrund ohne Tor bleibt, kommt Antonio Marchesano per Elfmeter zu seinem Treffer.

Der beste Basler Torschütze Arthur Cabral muss mit einer Grätsche von Toni Domgjoni gestoppt werden.

Ennio Leanza / KEYSTONE