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Supertalent Marc Hirschi fährt auf Cancellaras Spuren

Vor genau einem Jahr krönte sich Marc Hirschi zum U23-Weltmeister. Am Sonntag misst er sich bei den Grossen.

Vor genau einem Jahr krönte sich Marc Hirschi zum U23-Weltmeister. Am Sonntag misst er sich bei den Grossen.

Radtalent Marc Hirschi arbeitet neu mit Fabian Cancellara zusammen – und will davon im WM-Strassenrennen profitieren.

Der Vergleich ist logisch. Sie sind die besten Schweizer Radfahrer ihrer Generation und stammen aus Ittigen im Kanton Bern: Fabian Cancellara und Marc Hirschi. Hirschi, das 21-jährige Supertalent, Cancellara, der vierfache Weltmeister und zweifache Olympiasieger.

Als Hirschi im Nachwuchs erste gute Resultate herausfährt, dominiert Cancellara die Grossanlässe. Hirschi nähert sich immer schneller der Schweizer Elite und kommt erstmals mit seinem grossen Vorbild in Kontakt. Ein Kontakt, der sich intensiviert. Seit Anfang Monat ist Cancellara Hirschis neuer Manager und Berater. «Das ist für mich perfekt», sagt der 21-Jährige.

Beide stehen am Anfang ihrer Karrieren: Cancellara als Manager, Hirschi als Profi. Es ist eine Zusammenarbeit, die Hirschi einiges bringen soll. «Von seinen Erfahrungen und Ratschlägen kann ich sehr profitieren», sagt er. Cancellara wohnt nah, er nimmt sich Zeit für das Talent. So berät er Hirschi, als es darum geht, ob er an der WM bei der Elite oder bei der U23 starten soll, wo er als Titelverteidiger angetreten wäre. Hirschi sagt:

Es ist durchaus eine mutige Wahl, die Hirschi trifft, als er sich entscheidet, an der WM in Yorkshire bei der Elite zu starten. Die überraschend erfolgreiche Premierensaison gibt ihm aber Gewissheit, dass er mithalten kann. Hirschi übertrifft die sowieso schon hohen Erwartung sogar noch. So klassierte er sich etwa beim Eintagesrennen Clasica San Sebastian im dritten Rang.

Auch wenn Hirschis Vorbild Cancellara ist, ist er ein anderer Fahrertyp. Cancellara war der beste Zeitfahrer seiner Generation, Hirschi dagegen könnte zum Rundfahrtenspezialisten werden. Diesbezüglich wäre der Vergleich mit Tony Rominger, der 1997, ein Jahr vor Hirschis Geburt zurückgetreten ist, passender. Wenn man den Dopingverdacht aussen vor lässt, bleibt Rominger als dreifacher Sieger der Vuelta und einfacher Sieger des Giro d’Italia in Erinnerung. Ähnliche Erfolge trauen Radexperten auch Marc Hirschi zu.

Die Erwartungshaltung an Hirschi ist auch vor dem WM-Strassenrennen gross. Doch der Berner bleibt cool: «Ich habe überhaupt keinen negativen Druck. Ich selber sehe mich gar nicht als Supertalent. Wenn es mir nicht läuft, dann ist es auch bei mir so, dass ich nicht vorne mitfahre. Das hat man im Zeitfahren gesehen.» Im U23-Zeitfahren belegte Hirschi nach einem enttäuschenden Start immerhin noch den 13. Rang. Es war für ihn aber eher der Aufgalopp zum Strassenrennen. Im Vorjahr hatte er sich bei der U23 zum Weltmeister gekrönt, nun ist er gemeinsam mit Stefan Küng schon einer der Leader im Schweizer Profi-Team. Es ist eine andere Situation als etwa an der Tour de Suisse, wo er im Team Sunweb lediglich Helferarbeiten zu verrichten hatte. «Natürlich ist die Motivation als Leader höher», sagt er. «Im Schweizer Team haben wir mehrere Fahrer, die während des Rennens zu Leadern werden können.» Sorgen bereitet Hirschi derzeit lediglich die Distanz von 285 Kilometer. «Ich bin mir solche Distanzen noch nicht gewohnt. Darum ist eine gewisse Unsicherheit da.» Das U23-Rennen ist gut 100 Kilometer kürzer.

Das WM-Rennen soll auch Hinweise darauf liefern, wie weit Hirschi im Hinblick auf die Olympischen Spiele ist: «Lange dachte ich gar nicht, dass diese für mich überhaupt zum Thema werden könnten. Nun ist Tokio aber schon im Hinterkopf.» Wenn Hirschis Entwicklung so weitergeht, ist Träumen zumindest erlaubt.

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