Swiss Open
Die asiatische Vorsicht ausgenutzt: Europäer räumen am Swiss Open ab

Die europäischen Badmintonstars triumphieren beim Swiss Open. Bei den Frauen gewinnt Olympasiegerin Carolina Marin, bei den Herren Viktor Axelsen. Ein solches Turnier soll es aber dennoch nicht mehr geben.

Simon Leser
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Carolina Marin feiert in Basel den ersten europäischen Damenerfolg seit 2006.

Carolina Marin feiert in Basel den ersten europäischen Damenerfolg seit 2006.

Marco Kunz

Treffen sich am Swiss Open in Basel die internationalen Badmintonstars zum jährlichen Stelldichein, dominiert eine Weltregion. Ob aus China, Japan, Indien oder Malaysia, die Siegerinnen und Sieger insbesondere der Einzelkonkurrenzen kommen aus Asien. Im Normalfall. Der letzte Europäer, der in Basel triumphierte, war der Däne Viktor Axelsen vor sieben Jahren. Bei den Frauen muss gar bis ins Jahr 2006 zurückgegangen werden, als Xu Huaiwan – eine gebürtige Chinesin, die nach Deutschland übersiedelte – letztmals die asiatische Dominanz durchbrach. Seither hatte Europa der Badmintonkunst aus Fernost nur wenig entgegenzusetzen.

Ein dänischer Star wiederholt sein Meisterstück

Dies änderte sich bei der 30. Jubiläumsausgabe des Swiss Open. Zehn Finalistinnen und Finalisten kämpften am Sonntag in fünf Konkurrenzen um die begehrten Pokale und Preisgelder, ganze sieben von ihnen kamen aus Europa. In keiner Konkurrenz kam es zu einer innerasiatischen Angelegenheit, in zwei aber zu einer innereuropäischen.

In einer Sportart, in der asiatische Akteure oftmals agiler, schnellkräftiger und sprungstärker sind, eine Rarität. Das letzte Mal, als sich in Basel der europäische Kontinent in der Endphase des Turniers so zahlreich präsentierte, war vor 25 Jahren – im Jahr 1996. Damals, als das Turnier noch nicht den heutigen Stellenwert hatte, gewannen die Europäer alle fünf Konkurrenzen. «Es schmerzt umso mehr, dass in einem Jahr, in dem auch Franzosen und Deutsche in Finalspielen stehen, keine Fans da sind», sagt Christian Wackernagel, Turnierdirektor des Swiss Open.

Bei den Herren wiederholte Viktor Axelsen ein Meisterstück aus dem Jahr 2014. Die dänische Weltnummer zwei ist der einzige Europäer, der in Basel in diesem Jahrhundert bisher gewinnen konnte. Bei seinem diesjährigen Erfolg gab er keinen einzigen Satz ab. Bei den Frauen holte sich mit Carolina Marin eine Spanierin den Titel. Die Olympiasiegerin von 2016 gab im Final nur 17 Punkte ab.

Zur Wahrheit der beachtlichen europäischen Leistung gehört aber auch, dass sich in diesem Jahr die chinesischen und japanischen Athleten aufgrund der in Europa noch immer hohen Infektionszahlen entschieden, nicht anzureisen. Bei den letzten sieben Austragungen in der Damenkonkurrenz siegten sechs Mal Chinesinnen.

Strenge Sicherheitsmassnahmen für die Spieler

Die anwesenden Athleten zeigten Badmintonsport von höchster Qualität. Die Agilität und Reaktionsgeschwindigkeit hätte Zuschauer verdient gehabt. Weil die aber fehlten, hallten die Anfeuerungsrufe der Spieler, die sie oftmals nach jedem Punkt abgaben, durch die leere St. Jakobshalle.

Das sportliche Geschehen stand ein Jahr nach der coronabedingten Absage des Turniers aber im Hintergrund. «Wir führten im Vorfeld Diskussionen, ob ein solcher Anlass nicht unnötig Ansteckungen provoziert. Unsere Überzeugung, dass es bei seriöser Durchführung funktioniert, hat sich bestätigt», sagt Christian Wackernagel, Turnierdirektor des Swiss Open.

Während einer Woche bewegten sich Athleten, Betreuer und Verantwortlichen in einer Bubble. Will heissen: Vor dem Eingang der St. Jakobshalle stand ein grosser Bus bereit, der die Akteure nach deren Spielen direkt ins Turnierhotel chauffierte. Die Hallen und das Hotel waren die einzigen Orte, an denen sie sich aufhalten durften. Dazu gehörte eine mit Gitter abgesperrte Aussenzone. «Es war speziell, keinen Schritt rausmachen zu dürfen», sagt Wackernagel und fügt schmunzelnd hinzu:

«In normalen Jahren ging ich am Vormittag teilweise noch ins Büro. Jetzt erwartet mich in der nächsten Woche ein Berg an Post und Arbeit.»

Der Turnierdirektor spricht von einem «reibungslosen» Ablauf. Einzig einen positiven Fall habe es im Spielerumfeld bei einem Trainer gegeben. Die Durchführung des Turniers stand deshalb aber nicht in Gefahr. «Dass es bei uns geklappt hat, soll auch anderen Veranstaltern Mut geben», sagt Wackernagel. Zur Gewohnheit sollen die leeren Ränge im Stadion aber nicht werden. Kann es nicht.

«Nach der letztjährigen Absage war das Turnier nur ein Zwischenschritt. Ein weiteres Jahr ohne Fans ist aber nicht machbar», erklärt Wackernagel. Für ihn sei es auch eine Möglichkeit, die Halle nur halb zu füllen oder eine Maskenpflicht zu verordnen. Hauptsache, die Fans kommen wieder in den Genuss von Badminton und generieren die für das Swiss Open «matchentscheidenden» Einnahmen.

Wackernagel blickt zuversichtlich in die Zukunft: «Mit der aktuellen Entwicklung bei Impfungen, Selbsttestmöglichkeiten oder Maskenpflicht sehe ich keinen Grund, Zuschauer nicht zuzulassen.» Wenn dann auch wieder die Stars aus China und Japan am Start sind, versucht Asien wieder zurückzuschlagen.

Final-Ergebnisse

Herreneinzel: Viktor Axelsen (DEN) - Kunvalut Vitidsarn (THA) 21:16, 21:6.

Dameneinzel: Carolina Marin (ESP) - Pusarla V. Sindhu (IND) 21:12, 21:5.

Herrendoppel: Kim Astrup/Anders Skaarup Rasmussen (DEN) - Mark Lamsfuss/Marvin Seidel (GER) 21:16, 21:11.

Damendoppel: Pearly Tan/Thinaah Muralitharan (MAL) - Gabriela Stoeva/Stefani Stoeva (BUL) 21:19, 21:12.

Mixed: Thom Gicquel/Delphine Delrue (FRA) - Mathias Christiansen/Alexandra Bøje (DEN) 21:19, 21:19.