Tennis
Anhörung von Novak Djokovic wird live übertragen und damit zum Schauprozess

Am Montag um Mitternacht Schweizer Zeit findet in Melbourne die finale Anhörung statt, in der Novak Djokovic seine Ausweisung aus Australien verhindern will. Das Schauspiel wird live übertragen.

Simon Häring
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Novak Djokovic wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit angehört.

Novak Djokovic wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit angehört.

Keystone

Ein stundenlanges Verhör am Flughafen, mitten in der Nacht. Der Entzug des Visums. Die Überführung in ein Quarantänehotel, in dem er Tür an Tür mit Flüchtlingen untergebracht ist. Die Loyalitätsschwüre des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic. Kundgebungen vor dem Quarantänehotel in Melbourne. Kundgebungen in Belgrad, in denen Vater Srdjan seinen Sohn Novak Djokovic zum «Führer der freien Welt, der armen und der unterdrückten Länder und Völker» und zum «Spartakus der neuen Welt» macht, der Ungerechtigkeit, Kolonialismus und Heuchelei nicht dulde».

Der Fall um Novak Djokovic ist zum öffentlichen Schauspiel verkommen. Und genau das wird es auch bleiben. Denn die finale Anhörung, die auf Montag, 10.00 Uhr Ortszeit (Sonntag, 24.00 Uhr Schweizer Zeit) angesetzt ist und virtuell durchgeführt wird, kann von jeder und jedem und von überall auf der Welt via Videokonferenzdienst Teams mitverfolgt werden.

Über Novak Djokovic wird also in einem Schauprozess ein Urteil gefällt.

In der Anhörung will der 34-Jährige beweisen, dass ihm die Grenzbehörde zu unrecht die Einreise nach Australien verweigert und ihn angewiesen hat, das Land innerhalb von 24 Stunden wieder zu verlassen. Das Visum war Novak Djokovic entzogen worden, weil er nicht glaubhaft hat machen können, weshalb er aus medizinischen Gründen von der in Australien geltenden Impfpflicht befreit werden soll. Mittels einstweiliger Verfügung hat der Serbe aufschiebende Wirkung gegen seine Ausweisung erwirkt.

Der juristische Prozess und die Argumente Djokovics und seiner Anwälte sind minutiös dokumentiert und einsehbar. In diesen argumentiert der Tennisspieler, er habe seinen Anspruch auf Befreiung von der Impfpflicht durch eine Mitte Dezember durchgemachte und dokumentierte Covid-19-Infektion nachweisen können. Diese werde von der Australian Technical Advisory Group of Immunisation (ATAGI9 als Kontraindikation für eine Impfung deklariert. Im Biosecurity Act wird eine Infektion als solche aber explizit ausgeschlossen. Zudem moniert Djokovic einen Formfehler. In der Befragung sei nicht definiert worden, was als Kontraindikation gelte.

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