ATP-Finals
Auch im dritten Anlauf gibts für Federer keinen grossen Titel

Novak Djokovic ist zum vierten Mal in Folge ATP-Weltmeister. In einem enttäuschend einseitigen Final in London besiegt er Roger Federer mit 6:3 und 6:4. Der Basler verliert damit auch seinen dritten grossen Final in diesem Jahr.

Michael Wehrle, London
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Roger Federer betritt den Court
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Novak Djokovic winkt dem Publikum zu
Hier stellte sich noch die Frage: Wer gewinnt?
Djokovic spielte stark
Federer blieb ohne Chance
Die beiden Finalisten in einer Pause
ATP-Finals: Novak Djokovic gewinnt gegen Roger Federer
Der Serbe siegte 6:3 und 6:4.
Novak Djokovic mit seiner Trophäe zum ATP-Finals-Sieg
Im Blitzlichtgewitter der Fotografen

Roger Federer betritt den Court

Keystone

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so hofften Roger Federer und seine vielen Fans, dass der Schweizer im dritten Anlauf zuschlagen würde. Endlich sollte in diesem Jahr ein grosser Titel her. Doch sie hofften vergebens. Auch im Final der World Tour Finals war Novak Djokovic wieder stärker. Dank einer beeindruckenden Vorstellung holte sich der Serbe mit 6:3, 6:4 seinen elften Titel in diesem Jahr. Zum vierten Mal in Folge siegte er bei den World Tour Finals. Federer aber gewinnt keine ganz grossen Turniere mehr. Zuletzt war das im Sommer 2012 der Fall, in Wimbledon.

Dem Schweizer stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. «Es ist nie lustig als Verlierer vom Platz zu müssen», sagte er. Immerhin sei es besser, als gar nicht zu spielen wie vor einem Jahr. Verletzt am Rücken musste er damals auf den Final verzichten.

«Ich hätte mir kein besseres Ende meines Super-Jahres wünschen können», sagte Djokovic und tröstete seinen Gegner: «Roger, ich wünsche dir eine nächste tolle Saison und mir noch viele grosse Duelle mit dir.»

Bereits zum achten Mal trafen Federer und Djokovic in dieser Saison aufeinander. Dreimal setzte sich der Basler durch, fünfmal der Serbe, der nun die Gesamtbilanz zum 22:22 ausglich. Doch Djokovic gewann nicht nur öfters, er gewann vor allem auch die wichtigeren Begegnungen. Siebenmal standen sich die beiden in einem Endspiel gegenüber, einmal im Gruppenspiel der World Tour Finals.

Dort siegte Federer, er siegte im falschen Spiel. Ausser dass diese Niederlage Djokovic 167 000 Dollar Preisgeld kostete, schmerzte sie ihn überhaupt nicht. Kunststück, bei den rund 18,76 Millionen Dollar, die er in diesem Jahr allein auf den Tennisplätzen kassierte. Auch die Niederlage im ersten Treffen, Dubai, tat nicht besonders weh, war es doch das Turnier mit der geringsten Bedeutung.

Dreimal stand immerhin ein Titel bei einem Turnier der zweithöchsten Kategorie, ATP-Masters 1000, auf dem Spiel, Federer gewann in Cincinnati. Dafür unterlag er in Indian Wells und Rom. Schon diese Pleite schmerzte, fehlt der Titel in der italienischen Hauptstadt doch noch in Federers Sammlung. Aber noch weitaus härter sind für ihn die Niederlagen in Wimbledon und beim US Open sowie nun in der Londoner O2-Arena beim letzten Turnier des Jahres, beim Treffen der acht besten Profis. Für Federer ist es ein wichtiges Turnier, es hat für ihn fast den Stellenwert eines Grand-Slam-Turniers.

90 Prozent reichen gegen Djokovic nicht

Mit dem Selbstvertrauen aus dem Gruppenspiel wollte Federer nun die überlegene Nummer eins der Welt in die Knie zwingen. Doch wie schon in Wimbledon und in New York kam er nicht ganz an seine obere Leistungsgrenze heran. Und die muss er einfach erreichen, will er Djokovic schlagen. Längst ist nämlich aus dem früheren Defensivkünstler ein Mann, geworden, der fast alle Varianten beherrscht. Blitzschnell kann er von Abwehr auf Angriff umschalten, schlägt viel besser auf als noch vor Jahren und bringt dazu ein Selbstvertrauen auf den Platz, das durch nichts zu erschüttern ist.

Das zeigte sich auch am Sonntag wieder. Geriet er unter Druck, spielte er fast fehlerfrei. So kam Federer zwar durchaus zu seinen Chancen, doch ein Break schaffte er im ersten Satz nicht. Zweimal dagegen musste er seinen Service abgeben, zu wenig oft kam sein erster Aufschlag in den kritischen Situationen. Da nutzten auch schöne Punkte nichts, Djokovic war effektiver. Und zu viele Fehler leistete sich der Schweizer.

Im zweiten Satz hielt der Schweizer bis zum 4:3 die Partie offen, geriet nie in Bedrängnis. Dann riss der Faden. Zwar wehrte er noch drei Breakbälle ab, aber das war nur noch ein Strohfeuer. Mit einem Doppelfehler beendete er nach 80 Minuten selbst die Partie.

94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
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93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.

Andy Wong