Tennis

Belinda Bencic: «Immer mal wieder etwas Neues, damit das Leben spannend bleibt»

Madrid ist wie Wollerau oder Schindellegi: Belinda Bencic entdeckt nicht nur die Welt, sondern auch den Sand.

Nach ihrem Sieg gegen die Ukrainerin Katerina Kozlowa steht Belinda Bencic in Madrid in den Viertelfinals. Die 22-Jährige freundet sich endlich mit Sand an – das ihr bisher eher unangenehme Terrain bietet ihr genau die Art von Abwechslung, der die junge Spielerin sonst so gerne nachjagt.

Sie lebt in Wollerau, Bratislava und Monte Carlo. Manchmal schläft sie für Monate nicht im eigenen Bett. Es ist ein Lebensentwurf, der andere unglücklich machen würde. Nicht so Belinda Bencic. «Abwechslung ist mir enorm wichtig, das Monotone missfällt mir», sagt sie.

Maximal zwei Wochen halte sie es am gleichen Ort aus. «Ich muss immer mal wieder etwas Neues probieren, Neues sehen, damit es im Leben spannend bleibt.» Sie führe das Leben, das zu ihr passe, sagt die Ostschweizerin nach dem 6:0, 6:2 gegen die Ukrainerin Katerina Kozlowa (25, ATP 85) in den Achtelfinals von Madrid.

Belinda Bencic ist erst 22 Jahre alt, doch sie hat in dieser Zeit mehr gesehen als viele in ihrem ganzen Leben. Doch so glamourös und aufregend, wie sie scheint, ist auch das Leben in der Tennis-Karawane nicht. Es ist geprägt von zermürbenden Routinen: die immer gleichen Städte, gleichen Hotels, die gleichen Menschen, die gleichen Probleme, die gleichen Fragen.

Sich der Routine entziehen

Verliert man am einen Abend, sitzt man am nächsten Morgen bereits im Flieger nach Hause oder an die neue Destination. Es ist dem Schicksal geschuldet, dass Belinda Bencic seit 2015 nie mehr in Madrid gespielt hat.

Immer machte ihr eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung. «Schon verrückt», sagt sie. «Darum war ich auch enorm aufgeregt und habe mich sehr gefreut, nach Madrid zu kommen. Es fühlt sich an, als sei es ein neues Turnier.»

So gut es geht, versucht die 22-Jährige, sich den Routinen zu entziehen, auszubrechen, die Welt zu entdecken. Am Sonntag, nachdem sie ihren ersten Sieg im Hauptfeld der Madrid Open gefeiert hatte, verfolgte sie mit ihrem Vater und Trainer im Estadio Santiago Bernabéu den 3:2-Sieg von Real Madrid gegen Villarreal. Sie möge auch die spanische Küche, «Jamón Ibérico mit frischen Tomaten», sagt Bencic.

Wohlgefühl auf Sand

So viel Zeit wie in diesem Jahr hat sie in Madrid noch nie verbracht. Bisher hatte sie auf Sand auch mehr Spiele verloren als gewonnen. Die grosse Liebe war es noch nie, sagt sie. «Und das wird es wohl auch nicht mehr werden. Aber ich finde einen Weg.»

Ihr spiele die Madrider Höhenlage (667 Meter über dem Meeresspiegel) in die Karten. «Es ist wie ein Hartplatz mit Sand», erklärt Bencic, die sagt, die Bedingungen seien mit jenen in Wollerau und Schindellegi im Kanton Schwyz vergleichbar, wo sie regelmässig trainiert.

Dass sie nun erstmals in ihrer Karriere auch auf Sand glänzt, dafür führt sie aber zwei andere Gründe ins Feld: «Ich fühle mich viel wohler als früher. Meine Bewegungen sind viel natürlicher und ich überlege nicht mehr, ob ich jetzt rutschen soll.» Als zweiten Grund nennt sie das neue Vertrauen in ihren Körper.

Von Verletzungen verschont, mit Erfolg beglückt

Zu verdanken hat Bencic das auch ihrem Fitnesstrainer und Freund, Martin Hromkovic (36), der sich derzeit auf Prüfungen vorbereitet und in der Slowakei weilt. Seit er an ihrer Seite ist, blieb Bencic von Verletzungen verschont, obschon sie 2019 schon 32 Partien und damit mehr als jede andere bestritten hat.

«Auf Sand ist die Gesundheit besonders wichtig. Es gibt dir die Gewissheit, dass du noch ein paar Bälle mehr verteidigen kannst», sagt Bencic. Seit Januar hat sie sich in der Weltrangliste von Position 54 in die Top 20 vorgespielt.

Sie besiegte sechs Mal eine Spielerin aus den Top Ten, feierte in Dubai ihren zweiten Turniersieg und belegt in der Jahreswertung den fünften Rang. Ihre 25 Siege 2019 überbietet nur Petra Kvitova (27).

Letzte Begegnung gewonnen

Belinda Bencics Viertelfinal-Gegnerin ist die 21-jährige Naomi Osaka (heute, 14 Uhr). Die japanische Nummer 1 der Welt und Australian-Open-Siegerin pflegte bisher eine ähnlich ambivalente Beziehung zum Sand wie Bencic, rief aber in Madrid den Sieg in Roland Garros als grosses Ziel aus.

Es wäre ihr dritter Grand-Slam-Titel in Folge. Die zwei letzten Begegnungen gewann indes Bencic. Im März in Dubai deutlich mit 6:3, 6:1. Und im Vorjahr beim Hopman Cup in Perth. Auch an das erste Duell, das einzige auf Sand in Pelham (USA), erinnert sich Bencic indes noch genau.

«Ich war 16 Jahre alt und kannte sie nicht. Sie hat mich regelrecht weggeschossen. Seither ist es ziemlich gut für sie gelaufen», sagt Bencic. Für sie aber auch. Inzwischen hat Bencic sogar den Sand für sich entdeckt.

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