Tennis
Belinda Bencic muss auf die grosse Party noch warten

Belinda Bencic startet bereits heute gegen Tsvetana Pironkova ins Turnier von Wimbledon. Timea Bacsinszky und Stefanie Vögele müssen erst morgen ran.

Michael Wehrle, Wimbledon
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Die Schweizerin Belinda Bencic startet nach ihrem Sieg in Eastbourne mit viel Selbstvertrauen ins Grand-Slam-Turnier von Wimbledon.

Die Schweizerin Belinda Bencic startet nach ihrem Sieg in Eastbourne mit viel Selbstvertrauen ins Grand-Slam-Turnier von Wimbledon.

KEYSTONE

Zum Pokal und dem Check über rund 115 000 Franken gabs auch noch eine grosse Flasche Champagner. Doch Zeit, um ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Profitour zu feiern, blieb Belinda Bencic nicht. Koffer packen, hiess es noch am Samstag nach dem Triumph in Eastbourne, und dann gings ab, rund 125 Kilometer nach Norden, nach Wimbledon, wo sie gegen 22 Uhr eintraf und mit ihrem Vater und Trainer Ivan sowie dem Physiotherapeuten ihr Appartement bezog.

«Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben», sagte Bencic. Ein Traum sei wahr geworden, sie habe ihren ersten Titel auf der WTA gewonnen. Aber die Party muss warten.

Schon gestern Nachmittag stand die 18-Jährige wieder auf dem Trainingsplatz. Und heute beginnt für sie das Abenteuer Wimbledon. Die Organisatoren gönnen der Schweizerin keine Atempause. Da sie der oberen Tableauhälfte zugelost wurde, muss sie heute ran, da gibt es keine Ausnahme, auch wenn Ivan Bencic darauf gehofft hatte.

Nicht einmal bis zum Abend darf Bencic warten. Sie bestreitet das zweite Match auf dem berühmten Court 18, dort, wo John Isner und Nicolas Mahut sich vor fünf Jahren mehr als elf Stunden lang die Bälle um die Ohren schlugen. Um 12.30 beginnt dort ein Männermatch, so gegen 14.30 Uhr dürfte Bencic an der Reihe sein.

Bencic: Noch nicht «Flasche leer»

Körperlich sollte das für Bencic aber nicht unbedingt ein grosses Problem sein. Im Final gegen Agnieszka Radwanska wirkte sie ausgesprochen fit und war im dritten Satz, den sie 6:0 gewann deutlich besser auf den Beinen als ihre Gegnerin. Offen ist die Frage, wie sehr sie mit dem Erfolg umgeht, wie sie die ganzen Emotionen wegsteckt.

Und es wartet kein einfaches Los auf die Juniorensiegerin des Jahres 2013. Tsvetana Pironkova liebt das Rasentennis ähnlich wie Bencic. Vor fünf Jahren stand sie in Wimbledon im Halbfinal. Die Bulgarin ist im Moment die Nummer 44 der Welt und scheiterte vergangene Woche im Viertelfinal von Eastbourne an Bencis Finalgegnerin Agnieszka Radwanska. Gegen die bald 28-jährige Pironkova spielte Bencic noch nie.

«Das wird schwierig», sagte Bencic, «ich muss sehr konzentriert spielen.» Immerhin bringt sie aus Eastbourne eine grosse Menge Selbstvertrauen mit. Im dritten Final ihrer noch jungen Karriere ging sie erstmals als Siegerin vom Platz. Bencic setzt sich für Wimbledon selbst unter Druck. Vor einem Jahr kam sie bei ihrem Debüt immerhin in die dritte Runde, dort scheiterte sie an der Rumänin Simona Halep.

Bacsinszky und Vögele morgen

Von den drei Schweizerinnen ist nur Bencic heute im Einsatz. Timea Bacsinszky und Stefanie Vögele sind morgen Dienstag an der Reihe. Wie Bencic haben auch sie schwierige Aufgaben vor sich. Bacsinszky bekommt es mit der Deutschen Julia Görges zu tun. Die Nummer 56 der Welt ist eine Wundertüte, kann sehr gut spielen, aber auch mal kaum einen Ball treffen.

Wie Bacsinszky ist sie keine Rasenspezialistin. Immerhin stand sie in Wimbledon aber schon in der dritten Runde, das hat die Schweizerin noch nie geschafft. Die überraschte aber vor kurzem in Paris, als sie bis in den Halbfinal stürmte und dort der späteren Siegerin Serena Williams einen grossen Kampf lieferte.

Ähnlich wie Bencic ihren ersten Turniersieg, muss auch Bacsinszky ihren grössten Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier verarbeiten. Allerdings scheint die 26-Jährige inzwischen so gefestigt, dass sie damit gut umgehen sollte. Ein Problem könnte die fehlende Praxis sein.

Bacsinszky hat kein Vorbereitungsturnier auf Rasen bestritten, lediglich in Wimbledon trainiert. 1:1 steht es im direkten Vergleich der beiden. Doch beide Duelle liegen schon fünf Jahre zurück. «Das wird ein schwieriges Spiel», ist sich die Schweizerin bewusst. «Görges hat schnelle Schläge, bewegt sich gut. Dazu ist sie stark in Form», so Bacsinszky über ihre Widersacherin aus Deutschland.

Wieder fit ist Stefanie Vögele. Die Aargauerin musste vor zwei Wochen in der ersten Runde von Birmingham aufgeben. «Ich bin ausgerutscht und leicht umgeknickt», sagte sie. Doch nun sei alles in Ordnung. Obwohl sie gerne auf Rasen spielt, hat sie in Wimbledon noch nie ein Match gewonnen, aber schon viermal verloren.

Nun geht es gegen Madison Keys. Die 20-Jährige gilt als klare Favoritin, doch den bisher einzigen Vergleich mit der Weltnummer 21 hat Vögele vor einem Jahr gewonnen. Keys hat zuletzt in Eastbourne gegen Bencic verloren und davor in Paris gegen Bacsinszky, nachdem sie zuvor gegen Bencic gewonnen hatte. Vögele mag Gegnerinnen wie Keys, die hart schlagen. Doch wird es wohl eher von der Amerikanerin abhängen, wer den Platz als Siegerin verlässt.

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