Geglaubt hat es niemand. «Bisher haben wir nur Wasser getrunken», antwortete Stan Wawrinka auf die Frage, wie viel Champagner denn bereits geflossen sei. Es habe zwar in der Garderobe der Franzosen Champagner gehabt, aber die Schweizer seien vergessen worden. «Am Abend haben wir noch genügend Zeit, zu trinken», betonte Wawrinka.

Tennis-Stars in Feierlaune: Marco Chiudinelli unterhält die Fans.

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Wenig später zog er zurück: «Ja, ich kann besser französisch als du, aber ich bin betrunken», antwortete er Federer, er wollte, dass Wawrinka auf eine französische Frage antwortet. Wie viel besser in Prozent wisse er nicht, die Wahrscheinlichkeit in Prozent, dass er am Abend Alkohol trinke, sei sehr hoch. «Jahrelang haben wir um diesen Davis-Cup gekämpft, wir überlegen jetzt nicht, was wir noch machen oder wo wir nächstes Jahr spielen», sagte er.

Wawrinka an der Medienkonferenz: «Ja, ich kann besser französisch als du, aber ich bin betrunken»

Wawrinka an der Medienkonferenz: «Ja, ich kann besser französisch als du, aber ich bin betrunken»

Trotz eines tollen Jahres habe er nicht alles erreicht. «Aber ich träumte seit Jahren von diesem Davis-Cup, ich habe alles versucht, ihn zu gewinnen. Mit Severin, Roger, Michi, Marco und dem ganzen Team haben wir zusammen in den vergangenen Jahren viel erlebt», sagte er: «Jetzt haben wir es geschafft, wir sind sehr glücklich.»

Es sei toll gewesen, am Rande des Platzes zuzusehen. Einem solchen Spieler wie Federer, wenn er so gut spiele: «Roger, ich liebe dich.» Viel sei Anfang der Woche über ihn und Roger geschrieben worden, über Rogers Rücken. Und die Franzosen fühlten sich bereit. Nun sei genau das Gegenteil eingetreten. «Wir gaben die Antwort mit unseren Rackets auf dem Platz», betonte er. Sie seien stets ruhig geblieben: «Wir können stolz darauf sein.»

Schweizer in Lille: So reagieren Fans und Bundesrat.

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«Jeder Sieg fühlt sich etwas anders an», sagte Federer. Am Ende sei es halt doch ein Tennismatch mit all seinen Emotionen. «Doch es ist sicher eines der schönsten Gefühle, wir können zusammen feiern», sagte Federer. Die Erfahrung mit schwierigen Situationen in Wimbledon 2003 und 2012 habe ihm geholfen, mit seinen Rückenproblemen fertig zu werden. «Ich dachte damals, ich kann Matches nicht zu Ende spielen, und dann habe ich das Turnier gewonnen.»

Viel hätten sie darüber gesprochen, was für Möglichkeiten es gebe, dass er schnell wieder gesund werde, ohne etwas für den Rest seiner Karriere zu riskieren. Der Körper brauche Zeit und die hätten sie ihm gegeben. Aber noch bis zum ersten Match am Freitag habe er nicht geglaubt, drei Tage am Stück spielen zu können.

«Wawrinka kommt zu kurz»

«Für den Sport in der Schweiz ist es ein super Tag», betonte er. Das kleine Land gewinne ja nicht jede Woche einen grossen Wettbewerb. «Ich hoffe das gibt dem Sport allgemein einen Schub, inspiriert eine ganze Generation oder auch andere Leute, mehr in den Sport zu investieren», sagte Federer: «Wir haben einen fantastischen Teamgeist, das sehen und schätzen die Leute vielleicht auch», betonte er. Für ihn sei es ein unglaublicher Tag, seit 15 Jahren sei er dabei. «Wir hatten bis jetzt eine tolle Zeit, aber wir haben sicher noch viele schöne Stunden vor uns», sagte er lächelnd und erwähnte noch einmal explizit Wawrinka: «Er hat uns in diese hervorragende Ausgangsposition gebracht.»

Und auf Wunsch des Teams findet heute der offizielle Empfang der Mannschaft um 16 Uhr auf der Place de la Navigation in Lausanne, der Heimatstadt Wawrinkas statt. «Das ist vor allem eine Würdigung von Federer an Wawrinka», sagte René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis. «Der kommt ja immer zu kurz, auch bei mir», gab er zu. Sie seien befreundet, gemeinsam in Ferien gewesen, und Wawrinka stehe ja unbedingt zum Davis-Cup. Deshalb sei er immer dabei und niemand verliere grosse Worte.