Zürichs grösste Mehrzweckhalle, einst für Dampflokomotiven extra hoch gebaut, wurde vorübergehend zum Tennisplatz. Eigentlich hätte Stan Wawrinka kommen sollen, um im Hauptbahnhof gegen Fans und Junioren dem Filzball nachzujagen. Doch weil der Australian-Open-Sieger erkrankt ist, folgte er so kurz vor Wimbledon lieber dem Rat seines Arztes: Wawrinka blieb im Bett. Dafür sprang der französische Tennisstar Gaël Monfils ein.

Hunderte von Tennisfans haben sich in der Bahnhofshalle eingefunden, darunter viele Jugendliche. Einer von ihnen ist Linus (14) aus Küsnacht. Eigentlich wollte er Wawrinka sehen. Doch Monfils sei auch nicht schlecht, findet der junge Tennisfan. Und: «Roger Federer gewinnt Wimbledon. Schreiben Sie das!»

«Monfils hat Aufschlag-Verbot im Hauptbahnhof, weil er mit 200 Stundenkilometern aufschlägt», verkündet derweil die Stimme aus dem Lautsprecher. Doch vom Star ist noch nichts zu sehen. Die Nummer 21 der Weltrangliste lässt auf sich warten.

Auf dem Platz stehen ein Dutzend Tennisspielerinnen und -spieler und spielen sich ein. Bälle ploppen in dichter Folge hin und her im Hauptbahnhof. Zita und Nadine Schmitz gehören zu den glücklichen ersten 20, die sich als Gegner des Stars eintragen konnten - noch in der Annahme, es sei Wawrinka. Ihre Motivation? «Spass am Tennis», sagen Mutter und Tochter wie aus einem Mund. So nah komme man den Stars sonst nie.

Eine halbe Stunde nach dem angekündigten Spielstart ist der Star noch immer nicht da. Das Dutzend auf dem Platz schlägt sich weiter die Bälle um die Ohren, während die Feierabendzüge immer mehr Pendler ausspucken. Plötzlich brandet Applaus auf. Der Star ist da, eben per Helikopter aus Genf eingeflogen. Zuerst gibts ein gemischtes Doppel mit den Junioren des Tennisclubs Thalwil. Auch ein Federer ist auf dem Platz: Nicola Federer (12). Monfils verzieht keine Miene, als er den Namen des Schweizer Tennisasses hört. Routiniert absolviert er seinen Part als Ersatzmann für Wawrinka am Sponsorenanlass eines Mineralwasser-Herstellers.

Der junge Federer will Monfils mit einem Stoppball überlisten, doch der Tennisstar erläuft sich den Ball. «Ich war sehr aufgeregt», sagt Federer später. Tennisprofis kannte er bisher nur aus dem Fernsehen.

Schliesslich bekommt Nadine Schmitz ihre zwei Ballwechsel mit Monfils. Viel gelingt ihr nicht dabei. Auch sie ist sehr nervös, wie sie nachher bekennt. «Aber es hat Spass gemacht.»