Swiss Indoors

Federers Pizzaiolo des Vertrauens: So entstehen die berühmten Ballkinder-Pizzen

Gewinnt Roger Federer die Swiss Indoors, freut sich der dieci-Pizzakurier in Muttenz: Er belieferte schon einmal seinen Ballkinder-Anlass und hofft, auch in diesem Jahr wieder Federer und die Ballkinder verköstigen zu dürfen. Ein Besuch beim Pizzaiolo des Vertrauens von Roger Federer.

Als Roger Federer im Oktober 2017 in einem Dreisatz-Krimi gegen Juan Martin Del Potro sein Heimturnier in Basel gewann, gerieten nicht nur Federer selbst und seine Fans arg ins Schwitzen. Auch in der Muttenzer Filiale von dieci, die nur einen Steinwurf vom Ort des Geschehens entfernt liegt, ging es hoch zu und her.

Der Grund: Am Vortag klingelte das Telefon von Filialleiter Gezim Murtezi – am Apparat eine Mitarbeiterin von Federer. Für den Fall eines Turniersiegs des Baselbieters bestellte sie fünfundzwanzig Pizzen. Diese müssten für das traditionelle Pizzaessen, welches Federer jeweils nach Triumphen in Basel für die Ballkinder organisiert, schon zwanzig Minuten nach Spielende in der St. Jakobshalle eintreffen.

Murtezi erinnert sich noch gut an jenen Abend: «Ich war unglaublich nervös. Wir hatten ohnehin schon viele Bestellungen und wussten, dass wir eventuell noch für Roger Federer ausliefern dürfen. Da will man natürlich alles perfekt machen. Am liebsten hätte ich das Telefon ausgesteckt und mich nur auf ihn konzentriert», sagt er. «Das habe ich aber natürlich nicht gemacht.»

Dass er Roger Federer verköstigen durfte, war für Murtezi trotz aller Erfahrung im Pizzageschäft eine Menge Druck. Deswegen war es umso wichtiger, dass er sich auf sein abgestimmtes Team verlassen konnte. «Wir teilen uns die Arbeit immer im Team auf, jeder hat seinen Posten. So haben wir die maximale Effizienz», sagt der 39-Jährige.

Nachdem der Chef die hausgemachte Teigkugel geöffnet hat, belegt ein Kollege die Pizzen mit Mozzarella, der geheimen Tomatensauce und Schinken, denn Federer bestellt jeweils Margherita und Prosciutto. Der dritte Mitarbeiter steht am Ofen – genau dreieinhalb Minuten verbringen die Köstlichkeiten für Federer dort bei 335 Grad. «Der Ofen läuft wie ein Ferrari», sagt der Filialleiter. Bevor die fertigen Pizzen ins Auto kommen und zu Federer brausen, werden sie noch mit Oregano bestreut. «Den bekommen wir direkt aus Sizilien», betont er stolz.

Roger Federer als Segen für das Geschäft

Stolz macht Murtezi auch, dass ausgerechnet seine Kurierfiliale vom Federer-Clan auserwählt wurde. Als bekennender Fan des Maestros steht er bisweilen um drei Uhr morgens auf, um seine Spiele zu verfolgen. «Ich mag Federer als Sportler, weil er auf und neben dem Platz ein Vorbild ist. Darum hoffe ich, dass er noch lange spielt.»

Auch für Murtezis Geschäft wäre es wohl von Vorteil, wenn Federer noch oft in Basel antritt. Dass er Federers Pizzaiolo des Vertrauens war, hat sich herumgesprochen. «Ich habe erst im Nachhinein wirklich realisiert, dass diese Lieferung etwas Spezielles war. Plötzlich sprachen mich Leute an, weil sie gesehen haben, dass Roger Federer unsere Pizza isst. Davon haben wir enorm profitiert.»

Auch Federer scheint die Pizza geschmeckt zu haben. Im Folgejahr bestellte er nach seinem neuerlichen Triumph bei den Swiss Indoors erneut bei dieci. «Obwohl wir nie eine direkte Rückmeldung von Federer erhalten haben, war das für uns natürlich ein schönes Kompliment.» 2018 war jedoch die dieci-Filiale in Basel dran.

Falls die Muttenzer in diesem Jahr nochmals zum Handkuss kommen, hat Murtezi bereits einen Fahrer auserkoren, der Federer die Pizzen übergeben darf. «Ich interessiere mich zwar mehr für Autos als für Tennis, würde mich aber enorm freuen, Roger zu treffen. Vielleicht würde ich ihn sogar um ein Selfie bitten. Oder um ein Duell», scherzt Luca Gardani, der die wichtige Aufgabe übernehmen würde, die Pizzen pünktlich in die Halle zu liefern.

Der Wunsch des Filialleiters: ein Autogramm von Roger Federer

Dass er nur Italienisch spricht, sei dabei kein Hindernis für ihn, schliesslich werde sich die Interaktion wohl ohnehin auf ein «Grüezi und guten Appetit» beschränken. Nervös werde er auf jeden Fall nicht sein, ist Gardani überzeugt. Das erhöht die Chancen darauf, dass Filialleiter Murtezi endlich sein langersehntes Federer-Autogramm bekommt.

«Ich habe meinen Kurier 2017 gebeten, dass er Federer anspricht. Er hat allerdings kein Wort herausgebracht. Das verstehe ich aber. Ich bekäme vermutlich auch weiche Knie, wenn ich plötzlich vor ihm stünde. Aber so eine unterschriebene Pizza-Schachtel in der Filiale wäre eben schon toll», träumt er.

Für den Federer-Fan wäre es eine Ehre, seinem Idol einmal eine besondere Pizza zubereiten zu dürfen: «Ich denke, zu ihm würde am besten die Pizza Auguri mit Bresaola, Büffelmozzarella, Oliven und frischem Basilikum passen. Das schmeckt einfach genial. Der Roger Federer unter den Pizzas, wenn man so will.»

Eine spezielle Federer-Pizza steht in Muttenz noch nicht auf der Speisekarte. «Vielleicht wäre das aber einmal eine Idee, eine Pizza in Schlägerform», sagt Gezim Murtezi schmunzelnd.

Hoffen, dass am nächsten Samstag das Telefon klingelt

Trotz all den Gedankenspielen ist Murtezi aber bewusst, dass es keinesfalls garantiert ist, dass er Federer und die Ballkinder auch in diesem wieder beliefern darf. Zuerst muss Federer das Turnier gewinnen – und das ist keine Selbstverständlichkeit. Auch ist es keinesfalls in Stein gemeisselt, dass er wiederum dieci wählt.

«Ich wäre natürlich etwas traurig, wenn es in diesem Jahr nicht klappen würde. Am wichtigsten ist für mich aber, dass Federer das Turnier gewinnt. Ich gönne es ihm so sehr, da ist alles andere zweitrangig», sagt Murtezi. Dennoch wird man in Muttenz gebannt abwarten, ob am Samstag nach Federers allfälligem Halbfinal erneut das Telefon klingelt.

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