Ist es schwieriger, wenn man so knapp verliert als klar in drei Sätzen?

Roger Federer: Schwierig zu sagen, am Ende spielt es keine Rolle. Vielleicht ist man enttäuschter, trauriger, wütender. Ich habe das Gefühl, dass ich eine unglaubliche Möglichkeit verpasst habe.

Kann man diesen Final mit demjenigen von 2008 und der Niederlage gegen Rafael Nadal vergleichen?

Diesmal ging es schneller, weil wir keine Regenunterbrechungen hatten und auch die Dunkelheit spielte keine Rolle. Aber klar, es war ein episches Ende und die Partie in vielen Momenten sehr eng. Aber ausser, dass ich beide Matches verloren habe, sehe ich keine Ähnlichkeiten.

«Diesmal bin ich eher wütend als enttäuscht oder traurig.»

   

Nach der damaligen Niederlage waren Sie am Boden zerstört. Jetzt wirken Sie gelassener. Täuscht dieser Eindruck?

Ich bin sicherlich älter geworden. Diesmal bin ich eher wütend als enttäuscht oder traurig.

Wie verarbeiten Sie solche Niederlagen? Welche Mechanismen haben Sie über die Jahre dafür entwickelt?

Irgendwann vergisst man die Niederlage, dann ist sie weg. Meistens geht das ziemlich schnell. Je weniger ich darüber reden muss, desto besser. Es bringt ja nichts, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und nochmals spielen. Ablenkung habe ich genug.

Wie schaffen Sie es, nach so einer Niederlage zurückzukommen?

Es ist ähnlich, wie wenn man zum Matchgewinn serviert und dann gebreakt wird. Man versucht zu vergessen und nimmt die guten Sachen heraus, denn davon gibt es sehr viele. Das habe ich auch 2008 getan. Im Moment tut es sehr weh, wie jede Niederlage in Wimbledon. Es ist eine Frage der Einstellung, ich bin sehr stark dabei, wieder vorwärts zuschauen.

Sie werden in der Liste der meisten Grand-Slam-Sieger von Nadal und Djokovic bedrängt. Stresst Sie das?

Es war für mich eine grosse Sache, als ich nahe dran war, mir noch zwei Titel fehlten, um den Rekord zu egalisieren. Danach hat sich das etwas verändert. Es gibt mehrere Dinge, woraus ich meine Motivation ziehe, aber nicht unbedingt daraus, in dieser Wertung vorne zu bleiben, weil ich den Rekord ja gebrochen habe. Wenn jemand anderem dies gelingt, dann ist das grossartig für ihn. Ich bin nicht wegen Rekorden Tennisspieler geworden, sondern weil ich in Wimbledon gewinnen wollte. Und bis heute spiele ich, um auf diesem Centre Court hier, vor dieser Kulisse gegen Spieler wie Novak zu anzutreten.

Sie haben vor Wimbledon im Vergleich zu den letzten beiden Jahren sehr viel gespielt. Wie sieht Ihre Planung für den Rest der Saison aus?

Es hat mir geholfen, auf Sand zu spielen, so hatte ich viel Matchpraxis und die nötige Matchhärte. Ich bin froh, wie in Wimbledon gespielt habe, ich kann von den letzten zwei Monaten sehr viel Positives mitnehmen. Als Team haben wir entschieden, dass wir das Turnier in Montreal auslassen werden, um mir ein wenig Erholung zu gönnen. Ich wünschte, ich hätte noch ein wenig mehr.