US Open

Thiem: «Dann wird es sicher ein supergeiler Match»

Spielerisch bisher nicht immer überzeugt, aber mental stark: Alexander Zverev

Spielerisch bisher nicht immer überzeugt, aber mental stark: Alexander Zverev

Mit dem Österreicher Dominic Thiem und dem Russen Daniil Medwedew treffen die beiden bisher stärksten Spieler des US Open bereits im Halbfinal aufeinander.

Nach der Disqualifikation von Novak Djokovic war schon seit Tagen klar, dass es in New York erstmals seit 2014 (Marin Cilic, ebenfalls am US Open) einen neuen Grand-Slam-Sieger geben wird. Wenn es am Ende Dominic Thiem oder Daniil Medwedew ist, hat dies seine Logik. Alexander Zverev spielte am US Open bisher nicht wie ein potenzieller Champion, Pablo Carreño Busta traut den Triumph erst recht keiner zu. So wird das andere Halbfinal-Duell zwischen Thiem und Medwedew am Freitag zu einer Art vorweggenommenem Final.

Beide waren bereits vor dem Turnier als aussichtsreichste Herausforderer der in New York auf den Solokämpfer Djokovic dezimierten Big 3 gehandelt worden. Und sie stellten ihre Stärke auf dem Weg in die Halbfinals eindrücklich unter Beweis. Daniil Medwedew, der im Vorjahr in Nordamerika so richtig durchgestartet war, gab in seinen fünf Partien keinen Satz ab und könnte der erste Spieler in der Geschichte des US Open sein, der dieses mit einer makellosen Bilanz gewinnt. Thiem verlor einzig gegen Marin Cilic einen Satz, überzeugte aber ebenfalls auf der ganzen Linie.

Schon früher nahe am Titel

Beide waren schon in der Vergangenheit nahe an einem Grand-Slam-Titel. Der vor einer Woche 27-jährig gewordene Niederösterreicher Thiem, der sich in einem Feld ohne die Oldies Federer, Nadal, Wawrinka und mittlerweile auch Djokovic und Murray "fast schon alt" fühlt, verlor bereits drei Finals auf höchster Ebene: zweimal am French Open gegen Sandkönig Nadal, zuletzt im Februar am Australian Open in fünf Sätzen gegen Djokovic.

Der drei Jahre jüngere Medwedew holte vor einem Jahr in Flushing Meadows im Final gegen Nadal einen 0:2-Satzrückstand auf und unterlag in fast fünf Stunden nur hauchdünn. Am Australian Open enttäuschte er ebenfalls nicht, verlor aber in den Achtelfinals gegen Stan Wawrinka ebenfalls in fünf Sätzen. Das ist der Unterschied zu anderen aufstrebenden Stars wie Zverev, der bei Grand Slams bisher fast durchwegs enttäuscht hatte, nun aber immerhin zum zweiten Mal nach Melbourne in den Halbfinals steht.

Thiem weiss genau, dass er mit Medwedew nochmals ein ganz anderes Kaliber vorgesetzt bekommt als in den Runden zuvor. Der Russe spiele erstens "richtig gut und zweitens spielt der seinen Höchstlevel so lange, wie der Match halt dauert", erklärte er nach seinem Viertelfinalsieg gegen den letztjährigen Swiss-Indoors-Finalisten Alex de Minaur in der Video-Pressekonferenz. Am Selbstvertrauen fehlt es aber auch ihm nicht. "Das Gleiche gilt für mich: Ich kann natürlich auch vier, fünf Stunden absolutes Toplevel spielen. Meine Aufgabe wird sein, genau das abzurufen - und wenn das passiert, wird es sicher ein supergeiler Match", prophezeit Thiem.

Physis spricht für Thiem

Physisch macht der Österreicher noch etwas den stärkeren Eindruck - zumal Medwedew sich in der Schlussphase des Viertelfinal-Sieges gegen seinen Moskauer Jugendrivalen Andrej Rublew an der Schulter massieren lassen musste. "Meine Schulter hat nur ein wenig zu schmerzen begonnen", wiegelte der Russe ab, gab aber auch zu, dass er "ein bisschen Krämpfe" gehabt habe.

Im letzten Jahr spielten Thiem und Medwedew zweimal gegeneinander. Auf Sand in Barcelona gewann der Österreicher klar, auf Hartplatz in Montreal siegte der Russe. Diesmal rechnen beide mit einem längeren und härteren Duell. "Auf Hartplatz ist es ein bisschen leichter", glaubt Medwedew. "Aber wenn ich leichter sage: Er war ja gerade erst im Australian-Open-Final. Für mich wird es aber leichter auf Hartplatz als auf Sand." Klar scheint: Je länger das Spiel dauert, umso eher hat Thiem Vorteile. Medwedews Bilanz in fünften Sätzen ist nämlich miserabel: sechsmal einen gespielt, keinen gewonnen.

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