Tennis

«Wenn plötzlich Fussballer das Sagen haben...»: Was der Kampf um Macht und Millionen für die Swiss Indoors bedeutet

«Sie ist ein Bijou»: Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald freut sich über die neue St. Jakobshalle.

Mit einem Budget von 18,5 Millionen Franken sind die Swiss Indoors Basel der grösste wiederkehrende Schweizer Sportanlass. Doch im internationalen Vergleich ist das Turnier von Roger Brennwald ein Zwerg. Was er zum Kampf um Macht und Millionen sagt.

Jahrelang herrschte eitel Sonnenschein. Das Männertennis erlebt eine goldene Ära, Spielern wie Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic sei Dank. In diesem Klima reifte die Frucht prächtig. Turniere, Sponsoren und Medien pumpten immer mehr Geld in den Zirkus. Die Zitrone wird bis zum letzten Tropfen Saft ausgepresst. Doch früher oder später ist es wie überall, wo es um Geld, Macht und Eitelkeiten geht: Jeder will sein Stück vom Kuchen.

Hinter den glitzernden Fassaden tobt seit Monaten ein gnadenloser Verteilkampf mit immer mehr Bewerbern mit neuen Ideen. Die umstrittene Davis-Cup-Reform, die dem Tennisweltverband ITF über 25 Jahre verteilt drei Milliarden Dollar einbringt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch der von Roger Federer initiierte Laver Cup, der World Team Cup, oder die expansionswilligen Turniere in Madrid, Schanghai und Rom verschärfen den Konkurrenzkampf.

Einer, der versucht, kühlen Kopf zu bewahren, ist Roger Brennwald, Direktor der Swiss Indoors Basel. Mit einem Budget von 18,5 Millionen Franken ist es der grösste wiederkehrende Sportanlass der Schweiz, im internationalen Vergleich ist Basel aber höchstens eine Marginalie. «Das war schon so, als ich angefangen habe», sagt der 72-Jährige. Basel, und er will das keineswegs despektierlich verstanden wissen, sei in diesem Zirkus «Provinz», die Konkurrenten immer schon aus Weltmetropolen gekommen.

Basel habe aber auch seine Vorzüge: den Charme der Stadt, die Lage im Dreiländereck. Und vor allem: Tradition und Reputation. Brennwald formuliert das so: «Früher musste ich in der Welt herumjetten und Klinken putzen. Heute müssen wir uns nicht mehr vorstellen. Man kennt uns und man weiss, was wir machen.»

Eine Herkulesaufgabe

Was die Zukunft seines Lebenswerks betrifft, macht sich der ehemalige Handballer keine Sorgen. «Wir konzentrieren uns auf und auf unsere Aufgaben.» Vielen sei nicht klar, dass der Anlass nicht nur «einen Haufen Geld» verschlinge, sondern auch viel Energie koste. Auch nach dem geglückten Hallenumbau bleibe die Organisation eine «Herkulesaufgabe», wie Brennwald sagt. Er habe selber genügend Herausforderungen zu meistern. «Ich konzentriere mich auf das Wesentliche.»

Er sei kein Prophet und sehe es auch nicht als seine Aufgabe, bei Fragen wie der Gestaltung des Kalenders oder Reformen mitzureden. Er sagt auch, das Wort Konkurrenz kenne er nicht. Viel lieber beschwört er das Bild einer grossen Familie. «Spieler, Veranstalter, Sponsoren, Funktionäre: Wir sitzen alle im gleichen Boot und begegnen uns auf Augenhöhe.»

So sehr er sich bemüht, den Eindruck zu vermitteln, er beschäftige sich nur mit den Swiss Indoors: Auch Brennwald registriert den Wandel genau. «Die Gefahr besteht, dass man sich die Köpfe einschlägt, wenn zu viele Interessengruppen am Werk sind.» Er nennt Ion Tiriac, den Veranstalter des ATP-Turniers in Madrid, der versuche, «sich breit zu machen».

«Wann kommt der Tag der Übersättigung?»

Jüngst kokettierte der rumänische Milliardär damit, sein Turnier in Berlin oder München auszutragen. Und in den Emiraten, wo Geld eine untergeordnete Rolle spielt, würden «enorme Anstrengungen» unternommen, um Turniere dorthin zu holen. Und da ist ja auch noch Fussballer Gerard Piqué, mit seiner Kosmos-Gruppe Drahtzieher der Davis-Cup-Reform und Initiant des Majesty Cups, bei dem der Sieger zehn Millionen Dollar Preisgeld erhalten soll. Brennwald sagt: «Wenn plötzlich noch Fussballer das Sagen haben... Okay, dann ist das eben so.»

Jeder wolle sein Terrain verteidigen. «Die Frage ist: Wann kommt der Tag der Übersättigung? Wann sagen wir: Jetzt hat das Tennis den Bogen überspannt. Kommt der Tag überhaupt? Dann müsste jemand die Reissleine ziehen. Aber wer?» Fürchtet er nicht um die Zukunft seines Turniers? «Ich sage nicht, wir hätten endlos Benzin im Tank. Wenn der Tag kommt, an dem wir nicht mehr mithalten können, muss man damit leben.» Nur die Tennis-Götter wüssten, wie die Welt in fünf Jahren aussehe.

«Das hier», sagt er, «ist mir wie auf den Leib geschneidert.» Es sei ein Geschenk des Himmels, dass er seiner Berufung nachgehen dürfe. «Ein Privileg.» Er sei nicht mehr der Jüngste, das wisse er. Aber er habe ein junges Team. «Und ich liebe den Job, ich liebe den Sport und ich liebe es, mich in dieser Gesellschaft zu bewegen.» Es sei ja auch eine spannende Zeit, «nicht nur im Tennis, sondern generell im Sport.» Es klingt nicht so, als würde Roger Brennwald bald das Benzin ausgehen.

Meistgesehen

Artboard 1