Interview

«Wie eine Schnecke»: Das sagt Roger Federer zum Wimbledon-Auftakt

Roger Federer gibt in der Wimbledon-Startrunde einen Satz ab.

Roger Federer gibt in der Wimbledon-Startrunde einen Satz ab.

Welches Fazit Roger Federer nach dem 3:6, 6:1, 6:2, 6:2 gegen Lloyd Harris in der Wimbledon-Startrunde zieht und welche Opfer er für seine Karriere erbracht hat.

Roger Federer, 2017 gewannen Sie in Wimbledon ohne Satzverlust. Nun verloren Sie gleich den ersten im Turnier. Waren Sie nervös?

Roger Federer: Ich war den Tag hindurch nicht sonderlich nervös. Aber als es einmal losging, wollten die Beine nicht so, wie ich das wollte. Aber so ist es oft in den ersten Runden in Wimbledon. Meine Beine haben sich nicht so gut angefühlt und ich war in der Defensive schwach.

Verfielen Sie nie Panik?

Nein, es gibt keinen Grund, gleich in Panik zu geraten, weil ich mehrere Möglichkeiten habe, zu gewinnen. Meine Erfahrung hilft mir, ruhig zu bleiben. Wenn du das Gefühl hast, als wärst du eingefroren, ist das nicht angenehm. Der Druck und der Puls waren in diesem Moment erhöht.

Federers Kinder verfolgten die Startpartie von der Tribüne aus.

Federers Kinder verfolgten die Startpartie von der Tribüne aus.

Mit Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und Dominic Thiem sind drei Top-Ten-Spieler in der ersten Runde gescheitert, überrascht Sie das?

Selbstverständlich. Dass so viele gute Spieler so früh verlieren, ist immer überraschend. Aber die Margen sind klein und auch ich hatte ja zu Beginn Mühe. Die erste Woche von Wimbledon stellt dich auf die Probe. Bei Sascha und Dominic muss man sagen, dass es nicht ihre bevorzugte Unterlage ist. Und dann hatten sie auch noch ein schwieriges Los.

Welche Opfer haben Sie erbracht, um das zu erreichen?

Das klingt jetzt hart, aber ich habe sicher meine Kindheit geopfert. Es fühlt sich für mich nicht so an, aber man könnte es so sehen. Zu Beginn stellte man mir oft die Frage, ob es richtig war, die Schule mit 16 zu verlassen, zu reisen und nicht wie ein Rockstar zu feiern. Es ist ja nicht so, dass ich nie Party gemacht hätte. Es ist auch nicht so, dass ich mein Leben auf der Tour gehasst hätte. Aber es ist definitiv ein anderer Weg. Ich habe viele Opfer erbracht, das grösste war, dass ich mit 14 Jahren mein Zuhause verlassen habe. Ich sprach kein Französisch und lebte in einer anderen Familie. Aber ich würde es wieder so machen.

Herzogin Kate verfolgte Federers Match von der Royal Box aus.

Herzogin Kate verfolgte Federers Match von der Royal Box aus.

Sie sagten, der Platz sei langsam, andere Spieler bestätigen das. Ist das ein Nachteil für Sie mit ihrem Spielstil?

Während des Spiels habe ich mir überlegt, ob es der langsamste Rasenplatz ist, auf dem ich je gespielt habe. Aber dann sagte ich mir: Vielleicht bin ich es, der sich wie eine Schnecke bewegt (lacht). Aber irgendwann hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Mit den Bällen hier habe ich tatsächlich das Gefühl, dass es in Wimbledon nicht so schnell ist. Die Plätze sind fast zu perfekt. Und daran muss ich mich gewöhnen.

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