Tischtennis
Die Titelverteidigung im eigenen Wohnzimmer verpasst: Rio-Star Muttenz unterliegt Lancy im Final

Der TTC Rio-Star Muttenz verpasst seinen 13. Meisterschaftserfolg und verliert in einem bis zuletzt spannenden Final mit 2:3 gegen ZZ-Lancy. Nur ein Satz hätte gefehlt und die Muttenzer hätten das bessere Ende für sich gehabt, am Ende war es aber vor allem Werbung für den Tischtennissport.

Esteban Waid
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Rechts jubeln die Spieler von ZZ-Lancy, während die Muttenzer nur enttäuscht zuschauen können.

Rechts jubeln die Spieler von ZZ-Lancy, während die Muttenzer nur enttäuscht zuschauen können.

Bild: Alan Heckel

Zwei Jahre wartete der TTC Rio-Star Muttenz darauf, den Tischtennis-Superfinal in der eigenen Halle ausrichten zu dürfen. Wegen der Coronapandemie und des Saisonabbruchs im März des letzten Jahres fand 2020 kein Superfinal statt. Am Sonntag war es dann aber endlich so weit: Die Männer von Rio-Star schafften es selbst bis in den Final und hatten damit sogar die Chance, den Titel im eigenen Wohnzimmer zu verteidigen.

Während draussen fast 30 Grad herrschten, massen sich in der klimatisierten Kriegacker Turnhalle die besten Tischtennisspielerinnen und Tischtennisspieler des Landes. Bei den Männern duellierten sich die Muttenzer mit dem Qualifikationssieger von ZZ-Lancy, bei den Frauen spielten Rekordmeister Neuhausen und Rapid Luzern gegeneinander.

Eine grosse Überraschung gab es aber schon, bevor der Event in der Halle überhaupt begonnen hatte. Knapp 200 Zuschauende fanden an diesem heissen Tag den Weg in die Muttenzer Halle. Das sind 100 mehr, als man zu Beginn der Woche geplant hatte, aber 50 weniger als erlaubt gewesen wären.

Am Ende bleibt dem Rio-Star Muttenz nur die Silbermedaille.

Am Ende bleibt dem Rio-Star Muttenz nur die Silbermedaille.

Bild: Alan Heckel

Erst am Mittwoch bekamen die Organisatoren grünes Licht, das dank der Lockerungen 250 Zuschauende zugelassen sind. Das Okay kam aber zu spät, um noch genügend Interessierte zu erreichen, sodass das komplette Kontingent nicht ausgeschöpft werden konnte.

Der Stimmung in der Halle tat dies aber keinen Abbruch. Anhänger von allen vier Klubs fanden auf der Tribüne Platz, während auf allen drei Tischen gleichzeitig gespielt wurde. An zwei Tischen spielten jeweils die Frauen, während sich das Geschehen bei den Männern auf einen Tisch fokussierte. Das erleichterte auch das Streamen der Männerpartien über Youtube. Zu den 200 Fans in der Halle verfolgten über 100 das Geschehen online.

Die Titelverteidigung war zum Greifen nah

Und was sie sahen, war zunächst erwartbar. Mit 1:0 ging Lancy nach dem ersten Spiel in Führung. Michel Martinez, der in dieser Saison erst ein Spiel verlor, liess seinem Gegenüber Lars Posch keine Chance. Für den Ausgleich stand für Muttenz aber die Schweizer Nummer 1 Lionel Weber bereit, der gegen Dorian Girod zunächst Mühe hatte, sich am Ende aber durchsetzen konnte.

Pedro Osiro holte anschliessend mit einen ungefährdeten 3:0 die Muttenzer Führung. Es war also alles bereit, dass Lionel Weber gegen den starken Michel Martinez das entscheidende Spiel holen konnte. Doch es kam anders. Obwohl Weber mit 2:0 Sätzen führte, gab er das Spiel aus der Hand.

«Er konnte einfach meine Aufschläge besser zurückbringen und er konnte besser servieren. Es lag dann hauptsächlich an dem. Ich bin dann einfach nicht mehr ins Spiel gekommen»,

sagte Weber nach dem Turnier. Martinez kämpfte sich, angefeuert von den mitgereisten Fans, zurück und gewann alle drei verbleibenden Sätze in Folge – das bedeutete 2:2 und der Sieger für das Finale musste im entscheidenden Doppel ermittelt werden.

Während sich der Final der Männer zu einem Thriller entwickelte, gewannen die Damen von Neuhausen auf den anderen beiden Platten mit 6:2 gegen die Luzernerinnen. Danach lag der Fokus voll auf dem Herzschlagfinal zwischen dem Doppel Osiro/Posch und Girod/Taffe.

Auch in diesem letzten Spiel wurde die volle Satzanzahl ausgenutzt. Nach einer 2:0 Führung für Lancy kam das Muttenzer Duo noch einmal zurück, angefeuert von «Muttenz»-Rufen der Fans. Aber am Ende sollte es nicht reichen. Als der Ball beim letzten Ballwechsel an der Platte vorbei flog, entbrannte grosser Jubel bei den Gästen.

Die Spieler von Lancy lagen sich in den Armen, während die Muttenzer erst einmal verdauen mussten. «Es ist immer schlimm, wenn man nicht selber spielen kann», sagt Weber, der nach seiner liegengelassenen Chance gerne selbst noch eingegriffen hätte.

Für die Titelverteidigung hat es zwar nicht gereicht, dafür zeigte sich Präsident Michel Tschanz zufrieden, wie der Event verlaufen ist: «Mit der Organisation bin ich sehr zufrieden, es ist alles reibungslos verlaufen. Sportlich ist mein Herz aber natürlich traurig.» Aber auch darin sieht er etwas Positives. «Es waren bei den Damen und bei den Herren intensive, uns spannende Matches. Das war Werbung für den Tischtennissport.»