Triumph
Nach Doppelsieg: Marco Odermatt ist auf dem Weg zur Legende

Marco Odermatt gewinnt fünf Tage nach seinem Sieg in Adelboden den Super-G in Wengen – und der 24-Jährige wird immer unheimlicher.

Martin Probst, Wengen
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Keine Woche nach dem ersten Sieg auf Schweizer Boden doppelte Odermatt in Wengen nach.

Keine Woche nach dem ersten Sieg auf Schweizer Boden doppelte Odermatt in Wengen nach.

Blick

Matthias Mayer nimmt seine Kappe vom Kopf und verneigt sich. Wie so viele andere vor und nach ihm wird der Österreicher gefragt, was er von Marco Odermatt halte. Mayer, selbst gerade Dritter im Super-G von Wengen geworden, ist Profi. Fragen über die Konkurrenz beantwortet er höfflich und lächelnd. Unglaublich seien Odermatts Leistungen. «Respekt», sagt Mayer und denkt wohl wie viele andere: Wie kann das sein?

Ja, wie kann das sein? Marco Odermatt bestreitet in diesem Jahr zum ersten Mal Rennen am Lauberhorn – und gewinnt bei erster Gelegenheit. «Unglaublich», sagt er selbst. «Natürlich, es ist nicht die Abfahrt – aber trotzdem.» Die Organisatoren in Wengen haben kurzfristig die Austragung eines zuerst in Lake Louise und dann in Bormio abgesagten Super-Gs übernommen. Zum ersten Mal seit 28 Jahren und dem Sieg des Luxemburgers Marc Girardelli und zum erst zweiten Mal überhaupt fand damit ein Super-G am Lauberhorn statt.

Nicht allen fällt es leicht, über Odermatt zu sprechen

«Das war toll, das könnte ich mir jedes Jahr vorstellen», sagt der Norweger Aleksander Aamodt Kilde. «Warum nicht eine Abfahrt und ein Super-G als fixes Programm?» Dreimal in Serie hatte Kilde zuletzt im Super-G gewonnen. In Wengen wurde er Zweiter. Geschlagen von Odermatt. «Es ist fantastisch, was er zeigt. Er hat so ein Gefühl und weiss genau, was er wo machen muss. Er fährt einfach unglaublich gut.»

Auch Kilde ist Profi. Und das Siegen gewohnt. Aber auch ihn wurmt es, dass er nicht selbst zuoberst steht. «Ich mache einige Fehler zu viel, das ist schade», sagt er.

Andere können weniger gut verstecken, dass sie lieber über sich sprechen würden, als über einen, dem derzeit alles scheinbar spielerisch leicht gelingt. Loïc Meillard, der den Super-G auf Rang 15 beendete und damit als viertbester Schweizer hinter Odermatt, Stefan Rogentin (11.) und Niels Hintermann (14.), sagt kurz angebunden: «Seine Form ist bestechend.» Dann dreht er sich weg. Und man versteht seine Reaktion.

13 Rennen, neunmal auf dem Podest, sechs Siege

Odermatt ist in dieser Saison neben Niels Hintermann, der zuletzt zweimal auf ein Abfahrtspodest fuhr und persönlich sehr zufrieden sein darf, der einzige Schweizer, der mit seinen bis­herigen Leistungen wohl restlos zufrieden ist. 13 Rennen ist Odermatt in diesem Winter gefahren. Neunmal stand er auf dem Podest. Sechsmals davon als Sieger.

Es sind unglaubliche Zahlen und sie zeigen eindrücklich, in welchen Sphären sich Odermatt bereits bewegt. Einen vergleichbaren Leistungsausweis können nur die ganzen grossen Stars in der Geschichte des Skisports ausweisen. Und niemand zweifelt daran, dass der 24-Jährige schon bald zu diesem Kreis gehören wird.

Und wieder der Vergleich mit Pirmin Zurbriggen

Am vergangen Samstag gewann Odermatt den Riesenslalom in Adelboden und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Nur fünf Tage später ist er Wengen-Sieger. «Der Sieg in Adelboden war noch emotionaler», sagt er. Kein Wunder: Der Klassiker gilt als der Riesenslalom schlechthin.

Ein Super-G in Wengen ist davon selbstredend noch sehr weit entfernt. Und trotzdem: Marco Odermatt schaffte nun das Double im Berner Oberland. Ein Double, das es so zwar noch nie gab. Das aber sowieso eine Seltenheit ist. Odermatt fragte im Ziel: «Wie viele Schweizer haben das wohl vor mir schon geschafft?»

In der Geschichte des Weltcups gibt es nur einen Schweizer, der zuvor an beiden Orten gewann: Pirmin Zurbriggen. 1983 und zweimal 1987 siegte er im Riesenslalom von Adelboden und 1982 in der Kombination von Wengen. Da wären wir also wieder beim Vergleich mit den Allergrössten.

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