Acht Runden vor Saisonschluss versucht GC zu retten, was zu retten ist. Nach nur 33 Tagen im Amt wird Trainer Tomislav Stipic ersetzt. Der Hoffnungsträger heisst Uli Forte, der schon einmal während etwas mehr als einem Jahr Trainer bei den Hoppers war.

Nach dem Cupsieg 2013 wurde er jedoch von YB abgeworben und von den Fans mit wüsten Beschimpfungen verabschiedet. Zur Begrüssung hängten diese gestern nun vor Fortes Wohnung und im Campus Spruchbänder mit Schmähungen auf. «Das macht mich traurig. Aber ich habe damals bei meinem Abgang Fehler gemacht und werde nun auf die Fans zugehen», sagt Forte.

Bevor der 44-Jährige im Restaurant «Au Premier» im Zürcher Hauptbahnhof vor einer imposanten Medienschar darlegen kann, wie er GC vor dem Abstieg retten will, spricht der designierte Präsident Stephan Rietiker über die geplanten neuen Strukturen. Künftig soll der Bereich Sport von jenem der Administration weitgehend getrennt sein.

Der seit 2015 als GC-Verwaltungsrat tätige Georges Perego hat am Montag  seinen Rücktritt bekannt gegeben. Rietiker, sucht aktuell einen fussballerfahrenen Nachfolger. «Ich will diesen VR-Sitz mit einer Persönlichkeit besetzen, die über Topkenntnisse im Spitzenfussball verfügt», sagt Rietiker. Ebenfalls mit Hochdruck vorangetrieben werden die Gespräche zur Neubesetzung der Funktion des CEO. «GC braucht mehr ‹Züri› in sich, wir wollen den GC-Spirit und die GC-DNA neu erwecken», sagt Rietiker, bevor er die Bühne Forte überlässt.

Wie ist es, nach knapp sechs Jahren zurück bei GC zu sein?

Uli Forte: Ich bin sehr happy, dass die Wahl auf mich gefallen ist. Es war ein langes Jahr seit meinem Abgang beim FC Zürich. Mein Akku ist wieder zu 100 Prozent aufgeladen. Ich werde alles versuchen, in den verbleibenden acht Spielen die schwierige Situation zusammen mit meiner Mannschaft zu meistern. Ich habe mich in den vergangenen Monaten viel mit GC auseinandergesetzt und am Sonntag bereits unseren nächsten Gegner, den FC Basel, beobachtet. Unser Motto ist klar: Alle müssen alles für den Ligaerhalt tun.

Woran krankt die Mannschaft?

Es gibt eine technisch-taktische und eine psychologische Komponente. Vorausschicken will ich, dass Qualität vorhanden ist. Yoric Ravet kommt aus der Bundesliga, Marco Djuricin von RB Salzburg und Arlind Ajeti ist mit Basel Meister geworden. Aber durch die Geschehnisse in dieser Saison war es bisher nicht möglich, das Können auf den Platz zu bringen. Ich versuche jetzt, den Knoten zu lösen. Aber ich höre schon die Leute sagen: Da ist er wieder, der Motivator, der taktisch nichts drauf hat ... Ich werde mich daran machen, so schnell wie möglich neues Selbstvertrauen aufzubauen. Die Spieler sind niedergeschlagen. Es braucht viele Einzelgespräche.

Was sind die Hauptdefizite im fussballerischen Bereich?

GC kommt kaum zu Torchancen und schiesst viel zu wenige Tore. Hier müssen wir den Hebel ansetzen.

Ihr Vorgänger hatte sechs Spieler ausgemustert. Bekommen diese unter Ihnen eine neue Chance?

Kommt ein neuer Trainer, gibt es immer eine neue Chance. Obwohl ich GC sehr genau beobachtet habe, muss ich unbefangen an die Arbeit gehen. Es ist gut möglich, dass einige Spieler wieder integriert werden. Ich will mit jedem Einzelnen ein Gespräch führen, um zu eruieren, was die Gründe für die Suspendierung waren. Bei Raphael Holzhauser ist es allerdings nicht möglich. Dessen Vertrag wurde bereits aufgelöst. Da gibt es kein Zurück.

Kann man die aktuelle Situation mit jener vor sieben Jahren vergleichen, als Sie, ebenfalls im April, bei GC begannen?

Die jetzige Situation ist viel schwieriger. 2012 konnte GC nicht mehr absteigen. Jetzt ist alles offen. Xamax liegt fünf Punkte vor uns und bestreitet eine super Rückrunde. Unsere einzige Chance wird sein, uns via Barrage zu retten.

Sie können eine Menge verlieren, wenn Sie als erster GC-Trainer nach 70 Jahren absteigen.

Das bin ich mir bewusst. Aber ich war nie einer, der das Risiko gescheut hat. Ich will unbedingt wieder arbeiten. Meine Frau hat zu Hause langsam genug von mir.

Sie hätten möglicherweise zu Austria Wien gehen können. Warum haben Sie sich für GC entschieden?

Die Gespräche mit der Austria hatten eben erst begonnen. Ich war vor zwei Wochen in Wien und habe mit den Verantwortlichen gesprochen. Es sah gut aus, aber jetzt entschied das Bauchgefühl für GC. Stephan Rietiker hat klar signalisiert, dass er mich will. Darum fiel mir der Entscheid letztendlich leicht. Ein weiterer Grund war, dass ich den GC-Fans noch etwas schuldig bin. Ich versuche, das zerschnittene Tischtuch zu flicken.

Sie sprechen Ihren unrühmlichen Abgang Anfang Juni 2013 zu YB an.

Ich verstehe die damalige Enttäuschung der Fans. Es war ein abruptes Ende, ein unglücklicher Abgang. Den Wechsel zu YB bereue ich aber nicht, denn in Bern habe ich die Frau meines Lebens gefunden. Jetzt, mit sechs Jahren Distanz, würde ich es anders machen. Die Art und Weise, innerhalb von wenigen Tagen abzuspringen, war ein Fehler. Ich erwarte deshalb nicht, dass im Campus alle Beifall klatschen, wenn ich dort auftauche.

Bei Ihnen zu Hause und im Campus gab es gestern Transparente der Fans, die Ihnen zu verstehen gaben, dass Sie unerwünscht sind.

Es macht mich traurig. Aber da muss ich durch. Das ist die Rechnung meines damaligen Abganges, die ich nun präsentiert bekomme. Es ist nicht schön, vor allem für meine Familie nicht. Ich versuche, die hochgehenden Wogen zu glätten. Ich will mit meinem Herzblut, meiner Leidenschaft und meiner Arbeit jeden einzelnen Fan wieder auf meine Seite zu ziehen. Ich wünsche mir einfach, dass die Anhänger von GC nicht durch meine Schuld das Team bestrafen. Die Fans sind ein wichtiger Teil unserer «Mission impossible».

Braucht es dafür ein Wunder?

Wahrscheinlich brauchte es mehr als ein Wunder. Wir müssen nun in Basel einen guten Match machen. Danach geht es gegen Thun und Xamax ans Eingemachte.