Dramatisches Finale

Und am Ende kullern die Tränen: Schweizer Unihockey-Frauen unterliegen Schweden im WM-Final nach Verlängerung

Captain Flurina Marti ist nach der Niederlage gegen Schweden sichtlich enttäuscht.

Captain Flurina Marti ist nach der Niederlage gegen Schweden sichtlich enttäuscht.

Die Schweizer Unihockeyanerinnen bieten den Schwedinnen im WM-Final die Stirn. Sie erzwingen die Verlängerung, ziehen dort aber doch den Kürzeren. Am Ende überwiegt die Enttäuschung.

Seraina Ulbers Stimme bricht mehrmals. Die Stürmerin sagt: «Wir hätten das Team und die Zuschauer so gerne belohnt. Und dieses Team wird so nicht mehr sein.» Für sie – und wohl auch für andere Spielerinnen – war es gestern der letzte Auftritt im Schweizer Dress.

Das letzte Nati-Spiel. Es ist der Final. Und das an der Heim-WM in Neuenburg. Vor dem Turnier war genau dieses Endspiel das erklärte Ziel der Schweiz.

Und die erfahrene Equipe bietet dem grossen Favoriten aus Schweden die Stirn. Lange liegt sie jedoch mit 1:2 in Rückstand, bis Corin Rüttimann mit ihrem Treffer acht Sekunden vor dem Ende die Verlängerung ­erzwingt. Das Publikum wird noch einmal aus den Sitzen gerissen, die Stimmung ist am ­Siedepunkt angekommen.

Ekstase pur: Corin Rüttimanns Tor zum 2:2 acht Sekunden vor dem Ende lösst grosse Emotionen aus.

Ekstase pur: Corin Rüttimanns Tor zum 2:2 acht Sekunden vor dem Ende lösst grosse Emotionen aus.

61 Sekunden sind in der Ver­längerung gespielt, als Johanna Hultgren das entscheidende Tor für die Schwedinnen erzielt und die Schweizerinnen ins Tal der Tränen stürzt. «Die bittersten Niederlagen sind die engen», sagt die zurücktretende Ulber.

Dieses Tor entscheidet das Spiel zugunsten der Schwedinnen:

Zwei Schweizerinnen im All-Star-Team

Dass die Schweiz sich überhaupt in dieser Verlängerung wiederfand, hatte sie mitunter ihrer Torhüterin Lara Heini zu verdanken. Die 25-Jährige hexte ihre Teamkolleginnen förmlich in die «Overtime». Die Churerin wird am Ende - wie Captain Flurina Marti - ins All-Star-Team gewählt. Enttäuscht über die nicht gewonnene Goldmedaille ist auch sie. «Im Moment zählt diese Wahl wenig. Mich nervt es, weil ich am letzten Ball noch dran bin, aber das Tor trotzdem nicht verhindern konnte. Ich würde die Auszeichnung gerne gegen Weltmeistertitel ein­tauschen.»

Torhüterin Heini will noch 20 Jahre spielen - mit diesem Team

Das Schweizer Team hat einen enormen Aufwand be­trieben, um in diesem WM-Final zu stehen – beispielsweise mit Trainings jeden Freitag, für die viele Spielerinnen lange Reisen in Kauf nahmen und sogar ihre Arbeitspensen reduzierten. Am Ende – kurz nach dem Spiel – überwiegt in Neuenburg die Enttäuschung. Auch weil dieses Team in dieser Konstellation nicht mehr antreten wird. Stellvertretend sagt Heini deshalb: «Ich würde noch 20 Jahre weiterspielen, wenn ich es in diesem Team tun könnte.»

Am Ende bleibt Torhüterin Lara Heini nur die Enttäuschung.

Am Ende bleibt Torhüterin Lara Heini nur die Enttäuschung.

Die Begeisterung über eben dieses Team war auch bei den über 4000 Zuschauern lange nach Spielschluss ungebrochen. Die Spielerinnen liessen sich feiern, auch wenn ihnen die Tränen über die Wangen liefen.

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