Nations League

Unnötige Niederlage: Die Schweiz verliert 1:2 gegen die Ukraine

Der Schweizer Breel Embolo (in Rot) im harten Zweikampf mit dem Ukrainer Mikola Matwijenko.

Der Schweizer Breel Embolo (in Rot) im harten Zweikampf mit dem Ukrainer Mikola Matwijenko.

Die Schweiz unterliegt in der Ukraine 1:2. Nach einer guten ersten Halbzeit verliert sie in der zweiten den Faden.

Es liefen die letzen Spielminuten, die Schweiz lag nach einer Schwächephase 1:2 hinten, versuchte, sich nochmals mit aller Kraft gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Es galt, den negativen Auftakt in die Nations League zu verhindern, zumal bei einem Gegner, der zwar seit November 2018 nie mehr verloren hat, aber der schwächste der Gruppe mit Spanien und Deutschland sein dürfte. Renato Steffen kam nochmals zu einer Chance, er verzog. Captain Granit Xhaka enervierte sich ob eines Schiedsrichterpfiffs und dirigierte seine Mitspieler nochmals lautstark, dass wie während der gesamten Partie jedes Wort im leeren Stadion zu hören war. Doch das alles nützte nichts, es blieb beim 1:2 und damit bei der Niederlage, der man getrost das Etikett «Überflüssig» geben kann. Vor allem setzt sie das Team in Basel für das sonntägliche Heimspiel gegen Deutschland unter Druck, in seiner Topliga nicht in frühe Abstiegsnot zu geraten.

Gegen die Ukraine mussten sich die Schweizer in ihren neuen roten Trikots und in dieser trostlosen Leere der Lwiw-Arena vorgekommen sein wie auf einem Selbstfindungstrip, auf einer Suche nach sich selbst. Knapp zehn Monate lang hatten sie wegen Covid-19 nicht zusammenkommen dürfen, fast alle Ligen ruhen Anfang September noch, in denen sie engagiert sind. Dennoch wollte Coach Vladimir Petkovic im Vorfeld nichts wissen von einem Bruch oder fehlender Bindung, er sprach davon, dass man dort weitermache, wo man im vergangenen November aufgehört hatte. Aber so einfach war das nicht, weil viele Stammspieler fehlten – Remo Freuler, Fabian Schär oder Denis Zakaria. Sowie Xherdan Shaqiri. Das alles führte dazu, dass Petkovic vor der Abwehr aus der Not heraus Ruben Vargas, Djibril Sow oder Steven Zuber das Vertrauen schenkte.

Gleichwohl zeigten die Schweizer einen Beginn, der zu gefallen wusste. Sie hatten sich sofort wiedergefunden, schnürten die Ukrainer ein, dominierten, pressten, standen hoch. Nur Chancen, die erarbeiteten sie sich nicht. Als dann die Mannschaft von Trainer Andrej Schewtschenko nach zehn Minuten bei ihrer ersten Offensivaktion gleich mit einem Pfostenschuss aufwartete, kündigte sich das erste Unheil an. Vier Minuten später lag die Schweiz nach einem mustergültigen Konter 0:1 zurück; Andrej Jarmolenko traf mit der Hacke, doch das war nur möglich, weil Yann Sommer davor einen haltbaren Schuss von Aleksander Tymtschyk nach vorne hatte abprallen lassen.

Die Schweizer tun sich schwer in der Gefahrenzone

Die Schweizer waren fürs Erste geschockt, hielten ihre riskante Spielweise aber bei. Nur taten sie sich weiterhin schwer in der tiefsten Zone des Gegners. Da brachten auch die phasenweise fast 70 Prozent Ballbesitz nichts. Und so überraschte es kaum, dass eine feine Einzelaktion vonnöten war, welche die Gäste wieder zurück ins Spiel brachte: Haris Seferovic bewies nach einer Drehung mit seinem satten Schuss in die rechte Torecke aus über 20 Metern Distanz, was in ihm steckt. Das 1:1 zur Pause, die Gewissheit, besser als der Gegner zu sein, das alles stimmte die Schweizer positiv. Die Hereinnahme von Steffen für Zuber sollte zudem helfen im vorwärtsgerichteten 3-4-3, mit dem sie auch nach der Pause ihr Glück suchten. In der 55. Minute fand es Ruben Vargas bei seinem Kopfball an den Pfosten nicht.

Schlimmer noch. Unerklärlicherweise kam es zum Bruch im Schweizer Spiel, und die Ukrainer nutzen ihn eiskalt mit einem Schlenzer durch Aleksander Zintschenko aus. Von diesem zweiten Unheil brauchte die Mannschaft von Petkovic lange, um sich zu erholen. Zu lange, wie sich erweisen sollte. Dass es in der Ukraine, beim 24. der Fifa-Weltrangliste, nicht einfach werden würde, das hatten die Schweizer ja gewusst. Ihre Startelf, im Schnitt um zwei Jahre jünger, vereinte 39 Länderspiele weniger, und vor allem gab es auf der Seite des Gegners diesen eingespielten, sechs Spieler umfassenden Block von Schachtjor Donezk. Das war auf dem Platz nur in gewissen Situationen spürbar, reichte aber.

Die Schweizer müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, die erste gute Halbzeit nicht besser genutzt zu haben. Das Nachlassen in der zweiten bleibt ohnehin ein Rätsel und passte zur Stimmung an diesem Abend: Fussball ohne Fans, da bleiben viele Fragen offen. Wie bei den Schweizern.

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