Fussball
Vladimir Petkovic und die grosse Suche

Die Europameisterschaft in Frankreich rückt näher und näher. Heute in 48 Tagen spielt die Schweiz gegen Albanien. Es ist das erste grosse Spiel für Vladimir Petkovic als Nationaltrainer überhaupt. Und es ist bereits so etwas wie ein Final. Die Schweiz ist zum Siegen verdammt.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
Merken
Drucken
Teilen
Kann Vladimir Petkovic das Feuer in seiner Mannschaft noch vor der EM entfachen?

Kann Vladimir Petkovic das Feuer in seiner Mannschaft noch vor der EM entfachen?

KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Die Testspiele gegen Irland (0:1) und Bosnien (0:2) hallen immer noch nach. Das Feuer rund um diese Mannschaft fehlt. Von Begeisterung in der Bevölkerung ganz zu Schweigen. Nicht nur die Resultate sind besorgniserregend. Auch die Formkurven und Verletzungen etlicher Titulare. Gerade in der Innenverteidigung und im Sturm. Es wäre an der Zeit, Gegensteuer zu geben. Die seltsame Stimmung etwas zu entkräften. Gefordert wäre: Nationaltrainer Petkovic. Doch anstatt seine Sicht der Dinge zu den alarmierenden letzten Wochen darzulegen, ist er abgetaucht. Er harrt der Dinge aus sicherer Entfernung. Vielleicht in der Hoffnung, es werde dann schon irgendwie automatisch alles gut. Man mag das entweder als gewagt bezeichnen oder schlicht: naiv.

Gestern sprach Fabian Lustenberger im «Blick» über die fehlende Wertschätzung von Nationaltrainer Petkovic. Es war eine kluge Analyse, die aufzeigt, wie sich Petkovic in Widersprüchen verstrickt. Lustenberger stand mit Hertha BSC Berlin im Pokal-Halbfinal. Der Verein steht auf einem Champions-League-Platz. Er ist Captain. Er ist als Mittelfeldspieler und Innenverteidiger vielseitig talentiert. Und trotzdem erhält er nie eine Chance im Nationalteam. Es ist nicht die einzige fragwürdige Personalentscheidung von Vladimir Petkovic. Aber offenbar obliegt der Nationaltrainer dem Irrtum, es reiche, einmal auf Captain Gökhan Inler zu verzichten, um für etwas Ruhe zu sorgen.

Lustenberger stand mit Hertha BSC Berlin im Pokal-Halbfinal. Der Verein steht auf einem Champions-League-Platz. Er ist Captain. Er ist als Mittelfeldspieler und Innenverteidiger vielseitig talentiert. Und trotzdem erhält er nie eine Chance im Nationalteam.

Lustenberger stand mit Hertha BSC Berlin im Pokal-Halbfinal. Der Verein steht auf einem Champions-League-Platz. Er ist Captain. Er ist als Mittelfeldspieler und Innenverteidiger vielseitig talentiert. Und trotzdem erhält er nie eine Chance im Nationalteam.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Petkovics grösstes Problem ist nicht das Fachliche. Seine Qualitäten als Trainer auf dem Platz sind durchaus anerkannt. Petkovics grösstes Problem ist die Kommunikation. Vielleicht wäre er gut beraten, einen Teammanager oder Assistenten zur Seite zu nehmen, die ihn in dieser Beziehung entlasten. Doch selbst wenn der Verband in diese Richtung etwas unternehmen würde, die Chance wäre gross, dass sich Petkovic gar nicht helfen lassen will. Er deutet solche Signale gerne als Misstrauensvotum. Es ist ein persönliches Problem, das ihm schon oft in seiner Karriere im Weg stand. Die Zeit bis zur Europameisterschaft drängt. Es ist zu hoffen, dass ihm die Führung und der Rückhalt im Team nicht entgleiten. Die zweifelnden Stimmen mehren sich.

Je länger, desto mehr wirkt die Verlängerung des Vertrags mit Petkovic als Nationaltrainer voreilig. Natürlich, die Schweiz hat die Qualifikation zur EM geschafft. Das ist ein Erfolg. Aber reicht das bereits, um in Euphorie zu verfallen? Nein. Weil der Weg dazu viel zu holprig verlief. Weil spielerische Fortschritte nicht zu erkennen sind. Weil eine lange Tradition von defensiver Stabilität plötzlich verloren ging. Petkovic muss seine Prüfung
an der Europameisterschaft ablegen. Ein Scheitern der Schweiz in einer Gruppe mit Frankreich, Albanien und Rumänien – wo sogar der Gruppendritte noch Chancen auf ein Weiterkommen hat – wäre nicht akzeptabel. Der Vertrag mit Petkovic müsste zwingend sofort aufgelöst werden.

Ist Vladimir Petkovic wirklich der richtige Trainer für die Schweizer Nationalmannschaft?

Ist Vladimir Petkovic wirklich der richtige Trainer für die Schweizer Nationalmannschaft?

KEYSTONE

Urs Fischer navigiert den FC Basel gerade zum souveränen Titel. René Weiler dirigiert den bescheidenen FC Nürnberg in Richtung 1. Bundesliga. Lucien Favre und Murat Yakin sind zwei Trainer, die überall Erfolg haben – und auf einen Job warten. Martin Schmidt und Pierluigi Tami leisten bei Mainz und GC sehr überzeugende Arbeit. Es liegt jetzt an Vladimir Petkovic, zu beweisen, dass jegliche Gedankenspiele um andere Trainer vergebene Mühe sind.