Volleyball
Tragische Entscheidung: Der Titeltraum des coronageplagten Sm'Aesch Pfeffingen platzt am grünen Tisch

Weil die Baselbieter Volleyballerinnen wegen fünf Coronafällen in Isolation beziehungsweise in Quarantäne sind, hat Swiss Volley bestimmt, dass die Halbfinalserie gegen Düdingen verloren geht. Der angestrebte Meistertitel fällt nun schon zum zweiten Mal dem Virus zum Opfer.

Jakob Weber
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Am Boden zerstört: Die Spielerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen können es nicht fassen, dass sie, ohne die Playoff-Serie gegen Düdingen fertig zu spielen, ausgeschieden sind.

Am Boden zerstört: Die Spielerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen können es nicht fassen, dass sie, ohne die Playoff-Serie gegen Düdingen fertig zu spielen, ausgeschieden sind.

Edgar Hänggi

«Wir fühlen uns wie in einem schlechten Film und sind natürlich unglaublich frustriert. Vor allem die Spielerinnen sind am Boden zerstört», sagt Fabio Back. Der Geschäftsführer von Sm'Aesch Pfeffingen muss am Donnerstagmorgen erklären, was den ganzen Verein am Mittwochabend in eine Schockstarre versetzt hat.

Denn Swiss Volley hat entschieden, dass die Halbfinalserie gegen Düdingen wegen der coronabedingten Quarantäne der Baselbieterinnen für die Fribourgerinnen gewertet wird. Von diesem Entscheid erfahren die Spielerinnen in ihrer Isolation, in die sie sich wegen fünf positiver Fälle am Dienstagabend begeben mussten.

In den Weisungen von Swiss Volley steht, dass bei einem Quarantänefall am 16. März nicht mehr weitergespielt wird und die ersten beiden Spiele der Playoff-Serie gewertet werden. Sm’Aesch gewann das erste Spiel 3:0, das zweite ging mit 3:0 an Düdingen. Der Verband hat nun entschieden, das Regelwerk so zu interpretieren, dass es auf das Punkteverhältnis der beiden Spiele ankommt. Und hier hat Düdingen in der Serie insgesamt zwei Punkte mehr gewonnen.

Doch in den Weisungen gibt es Interpretationsspielraum. Der Hauptkritikpunkt: Nirgendwo steht explizit, dass bei einer abgebrochenen Playoff-Serie das Punkteverhältnis ausschlaggebend ist. Und genau das spielt jetzt das Zünglein an der Waage.

Trotzdem haben sich die Baselbieterinnen entschieden, nicht juristisch gegen das Urteil vorzugehen. Co-Präsidentin Laura Tschopp wird in der Mitteilung mit folgenden Worten zitiert:

«Für die Spielerinnen und die Glaubwürdigkeit des ganzen Sports hätten wir uns ein faires Entscheidungsspiel in dieser aussergewöhnlichen Situation gewünscht.»

Doch diesem Wunsch hat Swiss Volley jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und auch Düdingen wollte lieber am grünen Tisch in den Final einziehen, als ein Entscheidungsspiel anzubieten.

Düdingen-Präsident Christian Marbach freut sich auch ohne sportlichen Entscheid über den Finaleinzug seiner Spielerinnen. Am Telefon sagt er: «Es ist nicht unsportlich, wenn man das Reglement anwendet. Und das ist für mich in diesem Fall eindeutig. Aber natürlich verstehe ich, dass Sm'Aesch Pfeffingen jetzt mit dem Schicksal hadert.» Eine sportliche Entscheidung auf dem Feld findet Marbach in diesem Fall unangebracht: «Wir können die bestehenden Regeln nicht bei jedem Einzelfall verändern. Sie sind dafür da, eingehalten zu werden. In diesem Fall sind jetzt halt wir zufälligerweise die Glücklicheren, die davon profitieren.»

Der ewige Zweite zementiert seinen Meisterfluch

Für Sm'Aesch Pfeffingen ist diese Entscheidung besonders bitter. Nach vier Vizemeisterschaften seit 2016 sorgte das Coronavirus bereits im vergangenen Jahr für das Saisonende. Auch damals war Sm'Aesch als Qualisieger Topfavorit auf den Titel, als die komplette Volleyballsaison wegen der Pandemie abgebrochen wurde.

Ein Jahr später wird der Titel zwar ausgespielt. Doch eine einzige Quarantäne zum falschen Zeitpunkt sorgt jetzt dafür, dass der Qualisieger Sm'Aesch erneut das Nachsehen hat. Der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte ist definitiv verflucht.